Multitalent für´s Kloster

Stellenanzeige Haustechniker

Das komplette Anwesen der Blumenmönche, mit Altenheim, Gästehaus, Gärtnerei,
Wohn- und Sakralräumen, will durch ein Multitalent fit gehalten werden. Für einen
Vollbluthandwerker wartet ein vielseitiges Aufgabenfeld. Sie sind die gute Seele, die
Bewohnern, Gästen und Mitarbeiten das Wohnen und Arbeiten angenehm macht. Ihr
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Konzert mit Weltklasse-Organist Felix Hell

Seoul, Bogota, San Francisco – Konzertorte 2017/18 auf der Webseite von Weltklasse-Organist Felix Hell, USA.

„In Frankreich, Spanien, Italien, Russland, Island, Lettland, Norwegen, Jamaica, Australien, Neuseeland, Singapur, Malaysia, Korea, Taiwan, Kanada und in den USA erspielte er sich in Kathedralen und Konzertsälen Kritiken höchsten Lobes. Allein in den USA gab er mehr als 500 Konzerte in 45 Bundesstaaten“ ist in seiner Vita zu lesen.

13-jährig spielte er sein erstes Konzert bei uns – und ist uns seitdem freundschaftlich verbunden.

Sein meisterhaftes, facettenreiches Spiel hören und genießen können ist ein unvergessliches Erlebnis –  wir laden herzlich dazu ein: zum Konzert mit Weltklasse-Organist Felix Hell an unserer nach Gottfried Silbermann disponierten Stehle-Orgel  am Sonntag, den 10. September um 17 h,  der Eintritt ist frei.

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Ja, Ja

Sonntag, den 27.08.17 -Br. Markus- 

Matthäus 21, 28-31

Es gibt tausend verschiedene Arten „Ja“ zu sagen.

Ja – (…………), ja (……………) ja,ja (………….)ja (……..) oder einfach nur ja (…………)

Was man damit meint, kann jeweils sehr verschieden sein. Die Palette reicht von „komme gleich“ bis „schau mer mal“. Beim Ja-sagen ist es, wie bei asiatischen Sprache, eine Betonungsfrage, was man genau damit meint – hoch oder tief, kurz oder lang. Das Ja-Wort des Glaubens soll ein ganz anderes sein als alle Ja-Worte der Welt, es soll ein Tat-Wort sein, völlig befreit vom menschlichen Riss, der zwischen unserem Denken und Tun so ist. Es soll eindeutig sein, schlicht und klar, ganz einfach „ja“. So einfach ist es aber nicht. Zu viele Ja-Worte scheitern nicht an der guten Absicht, sondern am Leben selbst, mit oder ohne Glaube, weil manchmal alles anders ist.

1.                Vom Ja-Wort

Ein Mann hatte zwei Söhne.

Christus stellt im Gleichnis zwei falsche Möglichkeiten vor. Beide sind eher schlecht als recht. Trotzdem besteht ein Unterschied, ein ganz erheblicher sogar, der reinhaut wie die berühmte Faust in den Pudding. „Huren und Betrüger sind  – besser“ sagt Christus. Das ist nicht nur unverschämt, sondern trifft hart, gerade wenn man sich Mühe gegeben hat, korrekt zu glauben. Das Motivationstraining von Jesus Christus ist ein knallharter Tiefschlag, eine gemeine Ernüchterung für alle Glaubenden. Der Christus, der predigt, dass Glaube Berge versetzt, predigt auch, dass der Glaube der Glaubenslosen mehr wert sein soll, als derer, die sich Mühe geben, exakt zu glauben. Lässt man die Tatsache weg, dass Christus sich im Dialog mit den Pharisäern befindet, versteht man viel eher die Wut, die entsteht, wenn da einer kommt, der behauptet, dass Huren die besseren – ich sag mal „Gläubigen“ sind.

Es ist nicht die einzige Stelle, an der Christus so brutal wird. Geschmacklos – oder? Mindestens schwer verdaulich! Da gibt man sich ein Leben lang Mühe und wird dann von denen überholt, die sich einen Schlauen gemacht haben. Die Versager, die vom anderen Ufer, die schrägen Vögel und was immer mehr, sollen mehr wert sein. Das haut rein, das zieht runter, schadet mehr, als es nutzt – oder nicht? Sieht so Gottes Motivation aus, die Gebote zu halten, wenn nachher derjenige mehr wert ist, der sie bricht? Kontraproduktiver geht’s wohl kaum. Im heutigen Gleichnis fehlt völlig das positive, Mut machende, aufbauende Element. Christus erzeugt Wut, schlimmer noch, religiöse Wut, indem er die Huren heilig spricht. Sowas macht man doch nicht.

Ein Mann hatte einen Weinberg …“

Christus wählt häufig den Weinberg als Beispiel oder Sinnbild für den Ort, wo sich der Glaube verwirklicht. Gott spricht alle an, die ihr Ja-Wort gegeben haben zur Arbeit im Weinberg des Herrn – uns! Unser Ja-Wort ist ein Winzer-Ja-Wort. Es war nie die Rede vom Schweben auf Wolke 7. Trotzdem gibt es immer Probleme, wenn Arbeit im Weinberg sich auch anfühlt wie Arbeit im Weinberg. Wenn die Sonne heiß vom Himmel brennt, der Zeitdruck steigt, die Arme wehtun gerät so manch ein Ja-Wort ins Wanken. Ich geb’s ganz ehrlich zu: Auch mir wär ein schattiger Weinberg im Hochsommer lieber. Ich genieße immer den Augenblick, wenn ich in unserem LKW die Klimaanlage auf Full-Speed stellen kann, immer dann, wenn draußen die Sonne gnadenlos brennt. Es stand nicht im Kleingedruckten, dass Glaube so wehtun kann wie Arbeit im Weinberg des Herrn. Noch weher tut es dann, wenn man zusehen muss, wie andere sich abseilen. Nicht diejenigen, die von Anfang an „nein“ gesagt haben, sondern die, die „ja“ sagten und deren Ja zum „Jaaaaaaaaa – aber“ oder „ähhhhhhhhh“, vielleicht auch „jain“ wurde. Die Ja-Sager und Nein-Tuer – in jedem von uns steckt so ein Quäntchen Nein, bei jedem „Ja“ das wir sprechen. Wir können gar nicht so sein, wie wir sein wollen, mit uns selber im Reinen, so völlig synchron in Wort und Tat, stimmig mit mir, mit Gott und dem Rest der Welt. Es überfordert uns, so zu sein, wie wir sein sollen, das Gute, was wir wollen, auch zu tun. Und doch fordert Christus das Unmögliche ein: Stimmig zu sein in Wort und Tat. Darin ist sein Urteil scharf. Wenn Glaube nicht zur Tat wird, ist er wertlos – egal, wie fromm der Einzelne seine stille Verneinung tarnt, sie bleibt hinter dem gesprochenen Ja zurück.

So vieles zerbricht nicht aus mangelnder Absicht, einfach aus zu großer Hitze oder Kälte oder sonst was. Es gibt immer einen plausiblen Grund, warum man nicht so konnte, wie man hätte wollen-sollen oder so. So verweht manch ein Ja-Wort im Winde der Ereignisse des Tages, des Lebens oder der schlimmen Enttäuschung über andere. Glaube aber ist Berufung zur Arbeit im Weinberg des Herrn. Eben weil das nichts mit Weltflucht zu tun hat, sondern konkrete Arbeit, auf konkrete Frucht ausgerichtet, treten konkrete Schwierigkeiten auf. Es nützt nichts, das Ja-Wort zurückzuziehen, einzugrenzen oder abzumildern – gerade dann nicht, wenn die Schwierigkeiten größer, anders oder härter als erwartet sind. Gerade da sollte ja der Glaube wirklich werden – nicht in der Reduzierung unseres Ja-Wortes, sondern in der Erweiterung. Ein Glaube, der das Ja-Wort einschränkt, schränkt die Frucht ein, die entstehen könnte durch unsere Mitarbeit im Weinberg des Herrn. „Wer nicht hackt, düngt und gießt erntet eher weniger“ – alte Gärtnerweisheit, gilt auch für Winzer. Ernte entsteht nicht durch Resignation, Weglaufen oder Sein-Lassen. Ernte entsteht durch Mühe um Frucht, tätige Mühe. Deshalb soll unser Ja immer ein Ja-Ja sein, Ja zu Gott, zugleich Ja zur damit verbundenen Mühe, damit wir nicht in unverbindlichen Absichtserklärungen stecken bleiben, unser Ja-Wort

2.                Zum Tat-Wort wird

Der Theologe Voigt meint, dass gerade unsere protestantische Kirche Gefahr läuft, nur Worte zu machen und dass eine immer nur „Worte-machende Kirche“ zur Kirche der nicht eingehaltenen Versprechungen werden kann.

Praktisch heißt das: Wenn unsere Meditation, unser Singen, unser Beten und unser Gottesdienst nicht zum Gottesdienst der Werke wird, war alles umsonst. Eine Kirche, die mit Nichtstun Gott dient, würde wohl auch keiner vermissen, wenn es sie gar nicht gäbe. Es gibt sie schon jetzt nicht. Wo keiner was tut, ist keine Kirche, bestenfalls religiöser Club. Christlicher Glaube versteht sich immer als Antwort auf Gottes Anruf, und diese Antwort ist ein Tat-Wort: „Hier bin ich, ja-ja!“ – synchron in meiner Absicht, das, was ich erkenne, auch zu tun. Gottes Wort will zum Tat-Wort werden in mir. Das hat nichts mit religiöser Geschäftigkeit oder krampfhaftem Aktionismus zu tun.

Es geht um mehr. Die Pharisäer waren religiös hoch aktiv. Wenn Aktion allein Gottes Absicht gewesen wäre, hätte Christus eher empfohlen: „Tue Gutes und rede darüber.“ Es ist aber anders. Im Gleichnis geht es um zwei Söhne: den Ja-Sager aber Nein-Tuer und den Nein-Sager aber Ja-Tuer. Beide haben den Riss in sich. Beide sind nicht das, was Gott sich vorstellt. Trotzdem wertet Christus den Nein-Sager auf in Gestalt von Huren und Betrügern. Nicht das Nein-Sagen wird zur Tugend erklärt, sondern die Bereitschaft zur Veränderung, das Nachdenken, Neudenken und das Ja-Tun. Gott wertet den Widerspruch zum Guten auf, das Tat-Wort. Gott nimmt sich das Recht heraus, sein Reich auszudehnen über die Grenzen der kirchlich Aktiven hinaus. Kirche wird zu einer Kirche der Täter, derer, die das Wort tun: Ja-ja. Es ist dann nicht mehr die Frage, was der andere tut und was er lässt, sondern vielmehr die Frage der Bereitschaft in mir, festzuhalten an alten Gewohnheiten oder aufzubrechen zur Veränderung, die das Wort in mir schafft. Gottes Ziel ist die Geschlossenheit der Person, die Stimmigkeit mit sich selbst, dass ein Ja auch ein Ja ist und ein Nein ein Nein. Christus allein beendet den Widerspruch in mir selbst, der mich von der einen auf die anderen auf die anderen Seite zieht. Es geht um die verwandelnde Kraft seines Wortes, das auch meine besten Absichten zur Wirklichkeit werden lässt. Ja-Ja.

Darin liegt die wahre Kraft der Kirche, unsere Kraft, über die Grenzen der Kraft des Einzelnen hinaus, die Kraft, Berge zu versetzen, die ohne unsere doppelte Zustimmung sitzen bleiben würden. Ein einfaches Ja reicht nicht. Es braucht das Doppelte, tausendfache Ja jeden Tag neu, die Hacke anzufassen, wenn der Weinberg voller Unkraut ist. In den nächsten Tagen beginnt die Weinlese. Ein großer Wein soll es schon werden im Weinberg des Herrn. Spätestens dann, wenn der gute Tropfen fertig ist, schmeckt man umso mehr, wie gut der Wein ist, wenn man mit an der Arbeit war – immer dann, wenn der Weinberg voll Disteln und Dornen war. Wenn der Wein fertig ist, wird er greifbar. Er ist ein genießbares Stück unseres Lebens, ein Stück aller Arbeit, die sicher nicht einfach war.

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Der alles überragende Berg

Sonntag, den 06.08.17

-Br. Markus – Jesaja 2, 1-5

Der Calver Bühl ist eine markante Erhebung südlich von Dettingen/Erms. Auf dem Gipfel befindet sich eine Linde, die von weitem gut sichtbar ist (Wikipedia)

Vom Dettinger Kirchturm aus gesehen ist der Calver Bühl ein alles überragender Berg – wenn da nicht der Deckelesfelsen wäre … So hoch und so schön wie der Mount Everest sind sie beide nicht. Man muss nicht unbedingt nach Katmandu gehen, um atemberaubende Berge zu sehen. Ich geb’s ungern zu, aber mein Favorit in Sachen alles überragender Berg steht in der Schweiz. Das Matterhorn ist so schlank und elegant, steht so frei, das man es deutlich sehen kann, wie es alle anderen Berge überragt.

Es geht um’s größer sein bei Jesaja, der Vision, die er hat. Nicht im Sinne von Größenwahn, es geht um einen einzigen Berg, der größer ist als all die Berge von Schwierigkeiten, die der Mensch hat. Diesen Berg erahnt vor Tausenden von Jahren ein Mann in einer Vision: Jesaja, der Berg des Herrn.

1.                Schwindelerregende Aussicht

1 In einer Vision empfing Jesaja, der Sohn des Amos, diese Botschaft für Juda und Jerusalem:

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ meinte Altkanzler Helmut Schmidt. Ein Leben ohne Visionen ist meiner Meinung nach der halbe Tod, eher vegetieren als leben. Ein Mensch, der nicht auch träumen kann, ist doch arm dran. Leben ohne Lebenstraum ist frustrierend, ohne Aussicht. Wer nie auf einem Gipfel stand, weiß nicht, was er verpasst hat. Jeder drittklassige Motivationstrainer weiß, dass der Mensch etwas braucht, das in antreibt. Es geht nicht um Luftschlösser, auch dann nicht, wenn jemand ein Konzept erstellt für sein Leben, einen Plan. Dazu braucht er eine Vision, eine Idee, wie es sein wird oder klappen kann. Jeder Wetterprophet entwickelt eine Vision für den kommenden Tag. Wenn sie auch einem Rechenmodell entspringt, ist es eine Vision, eine Art Vorstellung von Zukunft. Wenn ich nicht glauben kann, dass der Zug ankommt, dort, wo ich hinwill, steig ich erst gar nicht ein. Jeder Gärtner braucht eine Vision, pflanzt er Radieschen oder Salat. Ohne Vision pflanzt er erst gar nicht an. Wer nur Angst vor den Schnecken hat, lässt es von Anfang an sein. Das wäre der visionslose, der, der nicht glauben kann, dass er auch trotz Schnecken wachsen kann – der Salat.

Ich brauche den Glauben, dass es gelingen kann, sonst kann ich’s gleich aufgeben – mit oder ohne Glaube. Die echte, die gute Vision verleiht unserer Fantasie Flügel, hebt den Verstand empor, rührt an, macht besonnen und riskant, zockt hoch, holt runter, fährt ab oder spornt an. Ohne Vision lebt man nicht mal schwarz-weiß, man lebt ohne Farbe, ohne Ton, einfach im falschen, zementgrauen Brei. Vision führt den Verstand in die Königsdisziplin des Menschseins, nicht nur an Essen und Trinken und den Augenblick, sondern darüber hinaus an morgen zu denken.

Bert Brecht sagt: Wenn alle Irrtümer verbraucht sind, sitzt als letzter Gesellschafter uns das Nichts gegenüber.“ Der Nachteil dieser Art des modernen Denkens ist, dass es depressiv macht. Je visionsloser ich lebe, umso höher werden die Berge der Schwierigkeiten. Ich versenke mich selbst ins tiefe, tiefe Tal. Für jeden, der sich selber fertig machen will, kann man also Brecht empfehlen. Da is nix, da war nix und da wird nichts sein.

Oberhalb des Calver Bühl gibt es ja noch die Höllenlöcher. Da hat man eine vergleichbare Aussicht. Obwohl die ja höher liegen als der Calver Bühl, sieht man weniger, weil man beschattet ist von den hohen Felsen und den Bäumen rings um die Schlucht herum.

Bei Jesaja ist das anders. Schwindelerregende Aussicht schafft

2.                Weitreichende Einsicht

Denn vom Berg Zion aus wird der Herr seine Weisungen geben,… Gott selbst schlichtet den Streit zwischen den Völkern, und unter den Nationen spricht er Recht. Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen um und ihre Speere zu Winzermessern.

Diese Botschaft ist so unverschämt, dass sie mindestens in einer Disziplin überragt: in ihrer Unverschämtheit. Ja, es ist geschmacklos, in einer Welt der Bombendrohungen, Selbstmordanschläge und Massaker von der total anderen Friedenswelt Gottes auch nur zu träumen. Es ist tatsächlich weltfremd, weil unsere Wirklichkeit so anders ist. Das aber heißt nicht, dass es auch geht.

Unsere Welt 2017 besteht zwar aus Hass, aber auch aus Liebe, und das war auch noch nie anders, auch wenn’s nicht in der Zeitung steht. Es ist keine Sünde, im Krieg vom Frieden zu träumen, erst recht nicht, wenn man weiß, dass Frieden die bessere Lösung ist. Es muss keine Sünde sein, sich nach Gerechtigkeit zu sehnen, wenn man betrogen wurde. Das hat nichts mit kranken Gefühlen zu tun, viel mehr mit wachem Bewusstsein. Lustigerweise war es die Sowjetunion, die Jesajas Prophezeiung als Statue bei den Vereinten Nationen hat aufstellen lassen: ein Schmied, der Schwerter zu Pflugscharen macht. Komischerweise war es dann in der DDR verboten, dieses Symbol der Friedensbewegung zu tragen. Die Logik, die da dahinter steht, erschließt sich mir bis heute nicht. Die Vision des Jesaja ist aber nicht nur Traum von einer entmilitarisierten Zone oder waffenfreien Welt. Darin unterscheidet sich Jesaja von großen politischen Träumern aller Zeit. Der Mensch kann sie nämlich wirklich nicht, die friedvolle Welt, die Welt, in der keiner den anderen ausnützt oder über den Tisch zieht. Die Menschheit kann sie nicht, wir können sie nicht, die versöhnte, gemeinsam schaffende Welt, in der jeder den anderen respektvoll ansieht. Es braucht viel mehr als den Versöhnungstraum, um versöhnt zu leben. Der Krieg fängt nicht erst da an, wo einer in den Panzer steigt oder die Patrone ins Gewehr schiebt. Es fängt im kleinen an, in mir, im stillen, im Frust mit den anderen, im Gefühl, verletzt, benachteiligt oder übergangen zu sein. Da fängt das Bomben bauen an, in meinem Kopf, und nicht nur dort. Im ganz normalen Kampf ums Dasein, das ich nur lebe, wenn ich mich behaupten kann. Fressen oder gefressen werden – da ist kein Platz für Großzügigkeit, auch nicht für die Großzügigkeit Gottes, so scheint es. Man muss ja sehen, wo man bleibt. Verzicht zugunsten anderer gelingt nicht so ohne weiteres. Ohne Verzicht ist aber Krieg. Nur wenn es einem gelingt, zu verzichten um was zwei streiten, kann wieder Friede sein. Selbst wenn einer verzichtet, ist das nicht immer Friede, was dann bleibt, wenn dabei noch die Gewissheit ist, dass eigentlich der andere hätte verzichten wollen sollen. Frieden schaffen ohne Waffen gelingt nicht aus politischer Überzeugung – bestenfalls teilweise. Selbst aus religiöser Überzeugung ist es schwierig, wenn nicht noch schwieriger –  da, wo der andere an den ganz anderen, den falschen Gott glaubt. So werden Kriege gekriegt – auch völlig atombombenfrei, mit messerscharfen Zungen allein, giftigen Vermutungen und dynamitreichen Behauptungen, heute, unter lauter zivilisierten, kultivierten, friedfertigen Geistern. Es gibt in unserer Welt völlig legale Verfahren, um andere über den Tisch zu ziehen, zu übervorteilen und zu brandmarken, zu beschießen, ohne eine einzige Patrone zu vergeuden. Auch das ist Krieg, die stille Schlacht der Gedanken, in denen ich den lästigen anderen fertigmache, so weit, weit weg von mir denke. Gerade, wo sich unser Denken so knietief in eigene Befangenheiten verwickelt, braucht es den überragenden Berg, den Gipfel, auf dem man sieht, dass es noch mehr gibt als nur mich und meine finsteren Täler.

Diese Einsicht macht mich

3.                Im felsigen Gelände aktiv

Gott hat einen Traum: Schwerter zu Pflugscharen, Kanonen zu Kochtöpfen. Dieser Traum ist so verrückt, dass er sämtliche Verrücktheiten dieser Welt überragt. Es gibt keine Konkurrenz mehr zwischen Dir und mir, es gibt nur noch uns – weltweit. Wir – und das heißt wirklich: wir alle – sind in Gott aufgehoben, auch die blöde Kuh auf der anderen Straßenseite und der schräge Vogel hinter dem Gartenzaun. Es ist unser aller Sinn und Auftrag, Geliebter und Geliebte zu sein, aus diesen Bergen von Sympathie die Kraft zu finden, auf Waffen zu verzichten, wie immer das aussehen mag. Es funktioniert nicht wie ein rosa Traum.

Leider kann man die Welt weder mit warmen Worten noch gutem Beispiel retten, auch nicht mit roher Gewalt, obwohl es Länder gibt, in denen gerade die Armee den Frieden sichert. Jesaja prophezeit keinen naiven oder blindwütigen Pazifismus. Er sieht die langfristige Ausrichtung der Welt auf Gott hin, endgültig. Das schafft keine fantastische Lebensführung, aber fantastische Aussicht. Schwerter zu Pflugscharen zu machen ist eine anspruchsvolle Lebensaufgabe, die jeden von uns herausfordert, allein deshalb, weil echter Friede meine Möglichkeiten übersteigt. Es ist unser Auftrag, das Schicksal zu schmieden. Das passiert jeden Tag und überragt meine ganz persönlichen Schmiedekünste. Das Eisen ist heiß, so heiß, dass ich es manchmal nicht anfassen mag, weil es mir die Finger verbrennt, trotz dem, dass ich Handschuhe trage. Wenn’s auch nicht gleich ein formschönes Winzermesser wird, wenigstens eine halb krumme Sense sollte dabei schon rauskommen.

Vor unseren Augen steht ein großer, ein sehr eleganter, weithin sichtbarer Berg, schwerer noch als der dickste Achttausender. Es ist der Berg der Gerechtigkeit namens Golgatha, der Berg, der das aufwiegt, was uns an Gewicht fehlt im Ringen um dieses große Ziel. Dieser überragende Berg hilft uns, heute, zu sein, wie wir sein werden, wenn die Vision Wirklichkeit wird. Ich bin zwar nicht Brecht, wollte aber schon immer mal so einen Brecht-ähnlichen Satz versuchen:

Wenn alle Irrtümer verbraucht sind, ist da alles, was wir gewagt haben, zu glauben: ein überragender Berg.

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Flötentöne und Silbermannklänge

Sie beflügeln und sie ergänzen sich, sie lassen sich Raum und sie verschmelzen – eine Blockflöte und tausend Orgelpfeifen.

Flötistin Carola Rebentisch und Kirchenmusikdirektor Matthias Süß aus dem Erzgebirge stehen für Klangreichtum, Sensibilität und Ausdruckskraft.

Am Sonntag, den 9. Juli 2017 sind sie zu Gast bei den EBK-Blumenmönchen, Schubertstr. 18, 72581 Dettingen/Erms. Ihr Programm: Werke großer Barockkomponisten wie J. S. Bach, G. PH. Telemann und Allessandro Marcello.

Ihr Konzert findet um 17 h in der Klosterkirche mit der nach Gottfried Silbermann disponierten Stehle-Orgel statt. Der Eintritt ist frei.

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Diese Sklaverei macht frei

-Br. Markus- Lukas 17, 7-10

Wer unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflügt oder das Vieh weidet, sagt ihm, wenn er heimkommt vom Felde: „Komm sogleich und setze dich zu Tische.“ Ist’s nicht vielmehr so, dass er zu ihm sagt: „Richte zu, was ich zu Abend esse, schürze dich und diene mir, bis ich esse und trinke. Danach sollst du auch essen und trinken.“ Danket er auch dem Knechte, dass er getan hat, was ihm befohlen war?  So auch ihr. Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: „Wir sind unnütze Knechte, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“

Diese Sklaverei macht frei

„Wenn ihr Glaube habt wie ein Senfkorn und sagt zu diesem Maulbeerbaum „Reiß dich aus und setze dich ins Meer.“ so wird er euch gehorsam sein.“ sagt Christus exakt einen Satz vor dem heutigen Predigttext. Deshalb scheint es auch sehr christlich, was moderne Motivationsgurus von sich geben: „Du musst nur an dich selber glauben, das Große in dir, deine innere Stärke und Energie.“ Funktioniert aber nicht und ist vor allem nicht das, was Christus spricht – genau das Gegenteil davon, weil da der heutige Predigttext steht, der den Zusammenhang erläutert. Es ist ein riesiger Unterschied, ob ich an meine mentale Kraft oder an die Kraft Gottes glaube. Gerade weil Gott meine mentale Kraft stärken kann, gelingt es manchmal nicht, den Unterschied auszumachen, der richtig wichtig ist.

„Wir sind unnütze Knechte“ sagt der Text. „Du bist ein Riese“ sagt die Motivationspsychologie. Das ist der entscheidende Unterschied. Glaube an Gott kann nur da  sein, wo ich mich wie ein Sklave nicht nur fühle, sondern weiß. Der heutige Text entzaubert den religiösen Höhenflug. Nicht meine Gedanken oder Träume machen frei, sondern Sklaverei – Christussklaverei, wohlgemerkt.

 

1. Wo 200 % noch zu wenig sind

So auch ihr – wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist.

Christus zieht einen Vergleich: Herr und Knecht. Das soll nicht heißen, er ist Massa, wir der Sklave. Es geht um’s Bewusstsein. Bin ich in meinem Bewusstsein der edle Ritter, dem die Welt Dank schuldet, oder die edle Prinzessin, die in ihrer Heiligkeit wandelt? Ein Dankeschön ist doch nicht zuviel erwartet, wenn ich was spende, meine Zeit opfere, mitgehe oder sogar mein ganzes Leben in einer Bruderschaft verbringe. Da darf man doch was erwarten – oder nicht?

„Wenn ihr alles getan habt.“ Was, bitteschön, ist alles? Was ist denn das überhaupt: Christenpflicht? Was bringen wir denn ein ins Christsein? Gut, man versucht, ein besserer Mensch zu sein, nicht zu stehlen, zu lügen oder neidisch zu sein, keinen auszubeuten, zu unterdrücken oder falsch zu informieren, hübsch ordentlich und fromm zu sein. Ermordet hat meines Wissens von uns noch niemand. Also alles o.k. in Sachen Christenpflicht! Was genau ist Christenpflicht? Zehn Gebote halten ja, aber dann? Zehn Minuten, zwanzig Minuten oder ne halbe Stunde beten täglich? Wie viel ist Pflicht – zehn, dreißig oder achtzig Prozent? Wann ist es genug, nicht genug oder viel zu viel?

„Was uns befohlen ist“ – Was ist uns denn befohlen? Ein, zwei, drei hundert oder gar keinen syrischen Flüchtling aufzunehmen, nach Alaska zur Mission zu fahren oder nach Stuttgart unter die Brücke? Dafür oder dagegen zu sein, nichts zu sagen oder aufzuschreien, auszuhalten oder abzubrechen, neu zu wagen oder umzudrehen. Was ist Pflicht? Wann habe ich für Gott genug getan? das ist die entscheidende Frage. Wann ist genug geliebt, genug gefastet, geholfen und unterstützt? Andere tun weniger – ist sie relativ, die Christenpflicht? Bin ich dann ein guter Christ, wenn ich 3 % über Durchschnitt bin? Beim Sport gewinnt immer der relativ Beste, der, der schneller, eleganter oder weiter geschanzt ist. Hundert Prozent ist Vorjahresleistung. Dieses Jahr zehn Prozent besser. Bin ich, wenn ich besser bin, am Limit, guter Christ – oder ist es Ermessensfrage.

„Mir ist alles erlaubt“ sagt Paulus. Bin ich dann vor Gott richtig, wenn ich mit mir einig bin, mich gut fühle und den Eindruck habe, meine Gestaltungsfreiheit richtig genutzt zu haben? Bin ich dann gut, wenn ich mein mir zumutbares Pensum erledigt habe? Oder ist es eine Kraftfrage. Endet meine Christenpflicht, wenn mir die Kraft ausgegangen ist? Hab ich es dann erreicht, wenn ich gar nicht mehr kann? Wenn ich dreißig Jahre gerudert habe wie ein Besessener – bin ich dann vor Gott anerkannt? Wenn ich 26 Stunden pro Tag für Gott unterwegs bin, total überfordert und ausgebrannt – bin ich dann sogar über Limit? Wo
200 % nicht genug sind – überfordert  Gott?

Die Jünger fragen Christus nach einem Weiterbildungskurs für den Glauben. Christus empfiehlt nicht fromme Tagungen oder Übungen, sondern ein anderes Bewusstsein: die Sklaven-Denke oder Bettler-Denke – zu wissen, dass alles, was ich kann, immer zu wenig ist.

Da sind

2. 0.-€  Mindestlohn der Normaltarif

Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert, steht in der Bibel. Das ganze Alte Testament ist voller sozialkritischer Propheten. Karl Marx war also nicht der erste. Christus präsentiert also keine Agenda 2017 oder ähnliches. Es geht nicht um ein Lohnkonzept. Es geht um unsere Erwartungshaltung. Was erwarten wir von Gott als Christen, als „0.-Jobber“, die 200 % oder alles geben? Was dürfen wir erwarten dafür, dass wir so anständig, fleißig oder einsatzbereit sind? Oder will Gott, schlimmer noch, dass wir nichts erwarten, mit ohne Träume und Hoffnungen leben und sind?

Ganz sicher nicht. Gerade der Glaube wird durch Erwartung zum Glaube. Er richtet sich auf Leben aus, hat eine konkrete Lebenserwartung. Lebenserwartung des Glaubens soll aber keine Lohnerwartung sein. Dass Gott uns mag, ist nicht die Folge unserer Anständigkeit, unseres vorzeigbaren Lebens oder aller unserer gesammelten Mühen. Wir wären dazu nie „arm aber rechtschaffen“ genug. Dass Gott uns mag, ist sein Geheimnis. Man versteht es nie. Er mag uns trotz aller unserer Unanständigkeit. Wenn ich zehn Stunden am Tag arbeite, habe ich berechtigten Anspruch auf Bezahlung für zehn Stunden. Wenn ich zehn Stunden Glaube, habe ich Anspruch auf null Stunden Bezahlung. Christus will den totalen Abschied vom Lohndenken. Hört sich einfach an, reicht aber viel tiefer in mich hinein, als ich glauben kann. Lohnverzicht fällt schwer. Man kriegt im Leben schließlich nie was geschenkt. Man freut sich doch, wenn es ein Trinkgeld gibt, wenigstens ein paar warme Worte oder ein höfliches „Dankeschön“ – das ist doch nicht zuviel verlangt, wenn man den Rasen gemäht oder die schwere Kiste ans Auto getragen hat oder sonst wie behilflich war. Der Glaube soll frei von dieser Lohnerwartung sein.

Radikaler Abschied – Christus macht die leise Hoffnung in mir zunichte, dass Gott Danke sagt für alle Anstrengungen meines Lebens – weil er es für selbstverständlich hält. Somit ist der Glaube erst dann stark, wenn er diese eigene Ohnmacht aushält, die Ohnmacht, zu bezahlen, Belohnung zu erwarten. Der Glaube, der Berge versetzt, ist der Glaube, der weiß, dass er nichts vermag und nichts zu erwarten hat. Absolute Ernüchterung für alle, die Opium für’s Volk brauchen oder einen Rausch der Begeisterung. Gott ist kein Krämerladen, wo man für ein braves Leben eine Sahnetorte oder wenigstens ein Bonbon kriegt. Prämie gibt es nicht, Bonus  auch nicht. Christus reißt nicht mit, er ernüchtert, dass auf dem Boden der Tatsachen etwas wachsen kann, was viel mehr ist. Das echte Vertrauen, um das es Gott geht, das Vertrauen zwischen zwei eigenständigen Partnern, dass nur dort wachsen kann, wo man nüchtern genug ist, die wahren Größenverhältnisse zu sehen.

Wer seine Ohnmacht vor Gott aushält, wird frei für eine völlig neue Lebensweise.

3. Wir dürfen nehmen, ohne zu geben

Wenn man das im Kaufhaus ausprobiert, gibt’s richtig Ärger – es sei denn, man hätte zufällig das Werbegeschenk erwischt. Wer etwas nimmt ohne zu zahlen, ist ein Schmarotzer oder Dieb. Nehmen ohne zu zahlen ist das Prinzip des christlichen Glaubens. Gott nehmen ohne zu zahlen. Man muss ihn dazu nicht klauen, man kann ihn sich schenken lassen. So steht das Ganze rein optisch viel schöner da. Es geht aber nur so. Abschied vom Leistungsprinzip gelingt nur dort, wo ich mich selbst erkenne, wer ich wirklich bin. Es gibt eine schwäbische Rock-Band, die hat außen auf der Plattenhülle einen interessanten Satz aufgedruckt, sozusagen als eine Art Selbstbeschreibung. Da steht: „Sie hatten nichts und gaben alles.“ Der Text sagt: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: „Wir sind unnütze Knechte. Wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“

Wem es gelingt, sich beschenken zu lassen, der wird frei, total frei, besonders vom überzogenen Anspruch an sich selbst. Wem es gelingt, sich als Sklave zu sehen, kann zum Sohn werden, alles erben, befreit von dem Zwang, bezahlen zu müssen. Wer weiß, dass es keinen guten Namen mehr gibt, mit dem er bezahlen kann, ist frei, frei vom Zwang, mehr sein zu müssen als er ist. Wer begriffen hat, dass er allzumahl Sünder ist, wie Luther es nennt, wird frei dafür, Maulbeerbäume ins Meer zu versetzen. Wer sich als Sklave erkennt, muss gar kein Riese mehr sein. Christus lässt mich hart wie Watte und zäh wie Porzellan werden. Es muss kein Raubtier mehr aus meinen Augen funkeln, es kann dann eine kleine Miezekatze sein. Diese Sklaverei macht frei. Wer Gott dient, wird frei, frei für sich selbst und frei für andere.

Wir werden selbständig in Christus, wie es so schön heißt, selbst und ständig. Amen.

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Bitte wenden!

-Br. Markus- Matthäus 4, 12-17

 

Jeder Tag ist voller Kreuzungen. Rechts, links oder geradeaus? Nehmen Sie den kürzesten oder den schnellsten, den schönsten oder den anspruchsvollsten Weg? Im Zeitalter von Satelliten ist es schnell gemacht. Da gibt es eine Stimme, die mir sagt, wie zu fahren ist – und es klappt – meistens, weil der Satellit einen besseren Blickwinkel hat. Der Satellit kann, was ich nicht kann. Er hat die Übersicht, draußen im All, über mich, der ich tief in den Häuserschluchten der Großstadt Orientierung suche, mein Ziel. Bitte wenden! Umkehren, wenn es nicht klappt, ist verkehrstechnischer Alltag. Umkehren, wenn es ein anderer sagt, eine Stimme aus einem 80 Euro teuren Plastikgerät. Eigentlich krass. Wir wenden auf Befehl eines oder einer anderen, ohne zu fragen, ob es Sinn macht. Unser Vertrauen in Plastikgeräte ist so groß geworden, dass wir uns von ihnen steuern lassen. Bitte wenden! ist aber auch eine Botschaft, die Christus spricht zu Anfang seines Wirkens auf der Erde.

1. Erneuerte Blickrichtung

Wohin gehen wir 2017? Wohin schauen wir? Was liegt an? Was planen wir?

Bitte wenden! sagt Christus zu Israel. Umkehr als erste Voraussetzung für den besseren Weg. Da ist nicht eine Kultur religiöser Unstetigkeit gemeint. Für uns sowieso außer Frage, dass die grundsätzliche Umkehr zu Gott fester Bestandteil unseres Lebens ist, sonst wären wir ja heute nicht hier. Allein in einer Bekehrung erschöpft sich die Christusbotschaft nicht. Es geht um Beweglichkeit zu jeder Zeit, Veränderungsbereitschaft des Menschen für Gott, nicht nur ein einziges, bekehrungstechnisches Mal, sondern öfter, eher immer. Veränderung beginnt mit unserer Blickrichtung – nicht nur auf das, was ich schaue, sondern viel mehr, wie ich denke. Aus meinem Denken und Empfinden formt sich das, was ich will, die Entscheidung, wohin ich geh. Da wirken tausend Stimmen auf mich ein, tausend bunte Bilder vor den Augen, tausend Möglichkeiten, die zu haben sind. Da muss man doch schauen, dass man nichts verpasst. Es wäre allzu einfach, wenn sie so einfach zu hören wäre wie die Dame aus dem Navi, die Stimme, die mir sagt: links, rechts oder geradeaus. Stimme Gottes reicht weiter – schon allein deshalb, weil es nicht Gottes Art ist, nur Befehle abzusetzen, die der Mensch befolgen muss. Eben das wäre ja Sklaverei.

Christus erneuert die Blickrichtung. Er vergewaltigt nicht. Trotzdem ist es nicht einfach, diese Stimme zu hören. „Höre auf dein Herz“ sagen manche und erklären damit ihres Herzens Stimme zur Gottesstimme. Das ist zwar schön und klingt gut, funktioniert aber nur begrenzt. So einfach ist es nicht. Nicht immer ist die Stimme meines Herzens Gottes Stimme. Wenn das so wäre, bräuchte ich Gott auch nicht. Meine kleine eigene Stimme kann zwar wie Gottes Stimme klingen, darin liegt aber auch eine große Verwechslungsgefahr. Meine Stimme ist gefangen in meinem Blickfeld, meinem geistigen Wendekreis und Gefühl. Gottes Blickfeld ist größer. Seine Stimme reicht weiter. Sie ruft zum Abenteuer des Glaubens genauso wie zum unscheinbaren Dienst im Staub auf der Straße. Sie kann in meiner oder der Stimme der anderen enthalten sein oder auch nicht. Eins ist sie aber nie: Produkt meiner Fantasie, deshalb auch nicht berechenbar und planbar.

Christus erneuert die Blickrichtung. Er nimmt uns nicht die Arbeit ab, die das ganz normale Leben macht. Er will den Aufblick zu ihm, der ein Blick weg von mir ist. Das ereignet sich zu allererst heute, hier und jetzt im Gottesdienst. Dazu sollte auch jede Predigt nutzen. Darin hat sie ihren höchsten Anspruch, Stimme Gottes zu mir zu sein, ausgehend aus dem Wort, zuallererst hier. In jeder Kirche, jeden Sonntag soll die Blickrichtung des Menschen neu aufgerichtet werden durch Gottes Wort. Erneuerte Sicht auf die Wirklichkeit in mir, über mich und die anderen und die Welt, in der ich lebe. Der erneuerte Blick ist ein scharfes Auge für die Wahrheit, gerade darin göttlich, dass er entzaubert von allem, was ich meine und fühle. Gottes erneuerter Blick entzaubert meine Scheinwahrheiten restlos. Eine Offenbarung, die nicht wirklichkeitstauglich ist, kann keine göttliche sein.

Wo ich Gottes Blickrichtung aushalte, entsteht
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2. Erneuerte Fahrtrichtung

Es geht ja das Gerücht, dass die in England gar nicht wissen, dass sie auf der falschen Seite fahren. Peinlich – oder nicht – wenn man nicht merkt, dass man falsch fährt, das Ziel nicht erreicht. Wenn ich jetzt in England wie hier fahre, funktioniert das auch nicht. Was auf der Insel richtig ist, kann auf dem Festland falsch ein und umgedreht. Gott ist aber kein Inselgott oder Festlandgott. In seinen Wertvorstellungen gibt es keinen Unterschied. Es ist keine Frage der Sichtweise einer Gruppe oder Regierung, was gilt und was nicht. Bleibt die spannende Frage, woran ich merke, ob ich falsch fahre oder nicht.

Wenn es mir gut geht? Bin ich auf Gottes Weg, wenn alles im grünen Bereich ist? Irgendwie erwartet ja jeder, dass Gottes Weg mehr Freude, mehr Harmonie, mehr Ruhe oder wenigstens Erfüllung bringt. „Gutes und Barmherzigkeit folgen dir lebenslang“ sagt der Psalmist, erkennt darin Gottes Güte. Gelingen kann auch ein Zeichen der richtigen Richtung sein. Es ist aber nicht generell die Frage, wie sich’s anfühlt. Es ist auch dann nicht zwangsläufig Gottes Weg, wenn er möglichst wehtut, auslaugt oder ausgebrannt macht. Das Problem ist, dass man’s streckenweise nicht sehen kann.

„Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, daß mich in meiner Krankheit Gott anschaut“ schreibt Commercon in seinem Buch über Aids.

Es kann keine Schablone geben, an der man abliest, wie richtig Gottes Weg ist und ob er’s ist. Paulus sagt: „Mir ist alles erlaubt, aber nicht alles nutzt mir.“ Wenn es mir nutzt in diesem Sinn, ist es Gottes richtige Richtung, auch wenn sich’s nutzlos anfühlt. Nutzlos scheint mancher Schicksalsschlag. Nutzlos, so scheint es, stirbt Bonhoeffer in einem Konzentrationslager. Nutzlos scheint doch so manche gute Tat, die ich tue. Veränderte Fahrtrichtung braucht verändertes Denken – eben, weil Glaube mehr ist als Schaumschlägerei. Es geht um ernsthafte Auseinandersetzung mit Christus, nicht im Sinne von Streit. „Dein Wille geschehe“ ist die entscheidende Frage.

Geschieht bei meinem Lebensweg Gottes Wille – eben nicht in Form von Sklaverei, sondern in Form von gewachsener Überzeugung. Bin ich zu Gott noch partnerschaftlich? Nutze ich meine Gestaltungsräume gemeinsam mit ihm, in seinem Sinn? Man muss nicht in die letzte Ecke einer Sackgasse fahren um zu bemerken, dass es da nicht weiter geht. „Öfter umdrehen“ heißt das Christusprogramm – nicht aus Prinzip, nicht deshalb, damit man mal was Neues probiert, nicht, weil’s chic ist, sondern dann, wenn man merkt, dass man am Ziel nicht ankommt. Man merkt nicht immer gleich, ob man falsch abgebogen ist. Man merkt aber, dass man nicht ankommt – irgendwann, spätestens dann, kann eine neue Fahrtrichtung doch nur Verbesserung bringen.

Steig ab“ sagt der alte Indianer, wenn du merkst, dass du einen toten Gaul reitest. Für Christus reicht das noch wesentlich weiter. Erfolg, Zustimmung oder Begeisterung sind nicht in jedem Fall der Beweis dafür, dass die Richtung stimmt. Christus mutet uns mehr zu. Es geht um innere Beweglichkeit, um eine laufende Prüfung meiner selbst, solange ich überhaupt unterwegs bin. Gott braucht keine Roboter, die einem programmierten Weg folgen. Er will selbstständige Partner, die zur Selbstkritik fähig sind, daraus heraus die Kraft zur Erneuerung finden. Christus will eine erneuerungsfähige Christenheit.

Er selbst schenkt dazu
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3. Erneuerte Energie

Es ist weniger der Neustart selber. Was Kraft braucht, ist die Umkehr. Wer gibt schon gerne zu, dass er dran vorbeigefahren ist. Die Einfahrt zu dem Ferienhaus, in das wir wollten, war eine Art zugewachsener Waldweg hinter Müllcontainern. Trotz guter Vorbereitung sind wir mindestens zehnmal dran vorbeigefahren. Der Weg sah überhaupt nicht wie eine Straße aus. Unvorstellbar, dass dahinter das gesuchte Ferienhaus liegen kann. Auch wenn man auf Waldwegen an’s Ziel kommt, war so eine komische Piste für uns nicht vorstellbar, jedes Mal dran vorbei eine neue Enttäuschung. Jeder Irrtum raubt Energie – vor allem Motivationskraft, es nochmal zu versuchen. Manche Menschen geben schon nach dem ersten Versuch auf, andere nach dem dritten, manch einer nie. Christus will, dass wir zur allerletzten Sorte gehören, stur wie ein Ochse in der Bereitschaft, es zum tausendsten Mal zu probieren. Nur wenn der tausendste Versuch klappt, waren die 999 anderen Versuche nicht umsonst. Die Leute auf dem Markt bewundern immer unsere Sträuße und fragen, wie man’s macht, um so schön binden zu können. Ganz einfach: Die ersten tausend Sträuße werden nix, und dann wird’s langsam besser. Nichts braucht aber soviel Energie, wie die ersten tausend falschen Wege.

„Bitte wenden“ sagt Christus. Wenn er das sagt, weiß er auch, dass es nur eine einzige Adresse gibt, bei der erneuerbare Energie dafür zu haben ist. Fangen wir also ruhig noch mal von vorne an – gerade dann, wenn’s nicht mehr weitergeht. Amen.

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