Wieder Danke sagen

Spendenaktion Gott-Vater-Glocke

Eine Glocke, die nicht mehr läutet ist wie ein Mensch, dessen Herz aufgehört hat zu schlagen.

Seit Dezember 2017 ist die Gott-Vater-Glocke in der Buchhalde stumm. Der warme, tiefe Klang, der sich nachmittags um drei Uhr über das Ermstal und die Albränder ausbreitete, schweigt aus Sicherheitsgründen. 20 Jahre treuer Dienst, machten dem Glockenjoch zu schaffen. Ein Materialfehler schwächte den Trägerbalken, an dem die 7 Tonnen schwere Glocke hängt. Das Joch bog sich durch und bildete Risse, so dass Läuten nicht mehr möglich war. Somit schweigt ein Dettinger Wahrzeichen und die viertschwerste Glocke von Württemberg.

Die Gott-Vater-Glocke ist eine Liebeserklärung an einen großen Gott. Die Blumenmönche läuteten täglich das „ich mag dich ja so“ in die Region, um den zu ehren, dem sie alles verdanken. Diese Glocke will einfach aber kraftvoll Danke sagen. Anbetung ist die stärkste Reaktion des Glaubens, die höchste Form der Verehrung, die dem Schöpfergott vorbehalten ist. Es ist noch mehr als ein traumhafter Rosenstrauß mit hundert langstieligen roten Rosen. Wenn solch eine tiefe, gehaltvolle Glocke schwingt, ist es wie beim großen Halleluja von Georg Friedrich Händel, bei dessen ersten Aufführung der englische König sich erhob und seine Krone ablegte.

Wo eine Glocke schweigt, schweigt die Botschaft, die sie eigentlich hinaustragen möchte. Für niemand erklingt mehr das, was diese Glocke zu sagen hat. Diese Glocke soll nicht den Frieden oder die Freiheit, sondern Gott selbst hinausläuten.

  

Gott ist – Gott war – Gott schafft

Dies bedeutet höchste Bewegung und Aktivität. Gottes Schaffen – bestätigt durch seine Schöpfung, voll Harmonie, in unendlicher Fülle – alles wohl durchdacht. Nichts hat ER dem Zufall überlassen. Gott klingt mit, wenn diese Glocke läutet.

* eine gewaltige Glocke (ca. 2 m hoch und ca. 2 m Durchmesser) weil Gott in seiner Größe überwältigend ist.

* einen tiefen, warmen Ton, weil Gottes Barmherzigkeit umfängt, unterfängt.

* die schwere Rippe (6.940 kg) damit Gottes kraftvolles Wirken weit und stark gehört wird.

Sieben Tonnen Erz in Form einer schwäbischen Gloriosa sind nur ein Versuch, „Danke“ zu sagen. Danke für Leben und Erleben an der Seite eines unsichtbaren Genies: Gott! Mit der Glocke klingt die Gewissheit, dass Gott lebt, liebt, schenkt, segnet, begnadet, heilt und erlöst. Alle Inschriften bezeugen einen aktiven, einen kämpferischen Gott, der sich das Konzept nicht aus der Hand nehmen lässt, auch in heutiger Zeit nicht.

Gott redet:ER mischt sich ein, ER hat nicht resigniert, ER ist nicht im Laufe der Geschichte verstummt, ER lässt den Dingen nicht ihren Lauf.

Gott hört: ER ist dabei, in allem als Gegenüber anwesend – bei unserem Beten, bei unserem Stöhnen, bei unserem Leiden. Gott hört das Geschrei der Gefolterten, das Stöhnen der Hungernden. Gott hört das Klagen der gebeutelten Schöpfung, den stummen Schrei der abgetriebenen Kinder, die Anbetung der Glaubenden oft mitten in der Nacht. Gott hört mit dem Herzen. Nichts geht ihm verloren.

Jede dieser Eigenschaften Gottes wird in die Welt hinausgerufen, wenn die Glocke ihre Stimme erhebt und läutet. Jedes Läuten bringt in Erinnerung, dass der lebendige Gott auch heute noch dynamisch in unserer Mitte ist.

Für die Anbetung Gottes ist das Beste gerade gut genug. Für den größten Gott das Größte – ER hat es verdient, das ist ER wert, zumal ER dem Land Württemberg über Jahrhunderte reichen geistlichen Segen geschenkt hat.

Sie soll wieder läuten

Sachverständige der Herforder Glockenspezialisten aus Österreich sagten: Sie kann wieder läuten! Das Joch muss mit einem massiveren und höheren Joch ausgetauscht werden. Dazu ist nötig, die Kecharismai-Glocke, die über der Gott-Vater-Glocke schwingt, mitsamt ihrem Glockenstuhl anzuheben, um mehr Raum für das größere Joch zu schaffen. Mit entsprechendem Hebewerkzeug, wird die große Glocke im Glockenturm mit dem neuen Trägerbalken umgerüstet. Mehrere Wochen sind für dieses Projekt veranschlagt, wobei die Bruderschaft mit ihren Haustechnikern einen großen Anteil mit bewältigen wird. Ein Teil der anfallenden Kosten kann von den Blumenmönchen bewältigt werden, doch für den Hauptanteil brauchen sie Ihre Unterstützung. Für eine Summe von 35.000 Euro, braucht es Menschen, die Danke sagen wollen. Diese Glocke soll für das Ermstal und darüber hinaus, den Dank von Menschen zusammenfassen und zum Klingen bringen.

Sagen Sie Danke

Werden Sie zu einem Teil der Dankbarkeit, die Menschen in der Anbetung verbindet. Stehen Sie mit dafür gerade, dass wir alle eine Stimme brauchen, die uns aufbaut und tröstet, die uns wachrüttelt und Mut macht. Engagieren Sie sich, dass zu den vielen Klängen, die auf uns einströmen, solche dazu kommen, die uns innehalten lassen und zum Gebet rufen. Helfen sie mit, dass unsere oft so hektischen Tage, wieder Ankerpunkte der Ruhe erhalten.

Jeder kleine Beitrag bringt eine stumme Stimme wieder zum Reden. Auch wenn sie finanziell nichts dazu beisteuern können, können Sie dieses Anliegen „hinausläuten“, damit in absehbarer Zeit unser aller Dank wieder erklingt. Geben Sie dem die Ehre, dem alle Ehre gebührt. Soli deo gloria.

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Es findet im Kopf statt

-Br. Markus – 1. Mose 4, 1-16

Nach dem gewaltsamen Tod eines 10 Jahre alten Mädchens in Mannheim sitzt die Mutter in Untersuchungshaft. Es besteht der dringende Tatverdacht, dass die 38-jährige ihre Tochter in der Nacht zum Freitag in ihrer Wohnung mit mehreren Messerstichen getötet habe.“ teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.
Mord – es gibt Fälle, da kann man es vielleicht verstehen, in anderen eher nicht. Was läuft schief zwischen zwei Menschen, dass man sich nicht anders zu helfen weiß, als den anderen auszuknipsen, wie man eine lästige Schnecke zertritt?

Kain und Abel – der Brudermord, Mord aus niedrigen Beweggründen (auf einmal bist du nicht mehr da.) Ein Moment, in dem ein Mensch glaubt, unbeobachtet zu sein, tun und lassen zu können, was er selber will, allein.

1. Schuld, die wirklich Schuld ist

Kain schlug seinem Bruder vor: Komm, wir gehen zusammen auf’s Feld. Als sie dort ankamen, fiel er über Abel her und schlug ihn tot.

Hinterhältig, brutal und gemein – ein Mensch ist tot, auf unnatürliche Weise um’s Leben gebracht, kalt gemacht. Gott selbst sei schuld, sagen die Atheisten. Es gäbe keinen vernünftigen Grund, das Opfer von Kain anders zu behandeln, als das von Abel. Wenn es keinen Gott gegeben hätte, gäb es keinen Brudermord. So ganz ohne Gott wär  die Welt dann in Ordnung. Tatsache ist, dass heute noch, mit oder ohne Gott oder irgendwelche religiösen Überzeugungen, gemordet wird. Völkermord – Massenmord- Rufmord – Brudermord – Abtreibung und Krieg – Tötung auf Verlangen.

Man muss also ziemlich naiv sein, wollte man Gott die Schuld für diesen Mord geben, der in einer Zeit passiert, in der das Gebot „Du sollst nicht töten“ noch nicht geschrieben steht. Woher sollte es der Bauer also wissen? War er etwa im rechtsfreien Raum? Ist er da nicht unschuldig, wenn er vom Gebot nichts weiß? Wenn es Gott nicht gibt, gibt es ja auch das Gebot: Du sollst nicht töten!  – nicht. Ist so eine Welt dann besser? Schuld ist Schuld. Schuld bleibt Schuld – dort, wo sich ein Einzelner Rechte herausnimmt, die höher zu sein scheinen, als die Rechte der anderen. Schuld ist keine Erfindung der Kirche. Schuld ereignet sich von selbst – vollautomatisch –   überall dort, wo Menschen sind, miteinander unterwegs. Schuld entsteht nicht nur im Missachten göttlichen Gebots, sondern auch im Missachten des anderen, in der Überbetonung meiner selbst. Es ist das Phänomen von Sünde, das die Bibel „böse“ nennt, das Menschen zu dem macht, was sie eigentlich nicht sind: mordende Bestien. Schuld ist Schuld – wo einer übergriffig wird, aus welchen Motiven auch immer. Spätestens, wenn einer tot ist, lässt sich nichts mehr diskutieren. Der Tod ist endgültig – das ist nicht gut.

Gott allein nimmt sich heraus, Rechte über Leben und Sterben zu besitzen, Herrscher über Leben und Tod zu sein. Jeder Eingriff in dieses Gottesrecht ist Schuld. Ich hab auch noch niemand kennengelernt, der sich gefreut hat, im Krieg auf jemand schießen zu dürfen. Wer das wirklich hat müssen, hört sich ganz anders an, wird von Gott auch anders bewertet. Im wirklichen Leben ist kein Platz für Ballerspiele. Die Schuld, die Gott bei Kain reklamiert, ist aber nicht der Mord, sondern, dass er seine Bestimmung verfehlt hat. Gott hätte von Kain sehen wollen, dass er über seine Mordlust hätte herrschen können. Der erste Schöpfungsauftrag ist Herrschaft über die Sünde. Dieser Knochenjob ist bis in unsere Tage Gottes Idee.

Genau dieser Prozess findet im Kopf statt. „Macht euch die Erde untertan“ heißt nicht, dass man sie ausbeute, sondern zu allererst, sich die niedrigen Beweggründe untertan zu machen. Beide Brüder sind dazu geboren, über das eigene Empfinden zu herrschen. Die Schuld, die wirklich Schuld ist, kreidet Gott dem Kain dick an: dass er sich nicht beherrschen kann, dass er ein Sklave seiner Wallungen, seiner Mordlust ist. Das ist es, was Gott bei Kain anmahnt. Der Gedanke daran hat bei Gott das viel höhere Gewicht, als die Tat selbst.

Damit sind wir bei

2. Dem Killerfaktor Gefühl

Da wurde Kain zornig und starrte mit finsterer Miene vor sich hin.

Es fühlt sich eben schlecht an, wenn man zurückgesetzt wird. Das geht allen so. Was passiert denn, wenn Gott unser Opfer verschmäht? Das fühlt sich an wie Zurückweisung – und wer von uns wäre stark genug, Zurückweisung zu ertragen?

Ich habe schon Kunden erlebt, die wurden von der Frau mit dem Blumenstrauß zurückgeschickt, den sie für sie mit bester Absicht gekauft hatten. Wenn da keine Mordlust aufkommt, muss einer als Kühlschrank geboren sein. Kein Mensch kann Zurückweisung wirklich ertragen. Ich kenne keinen. Da gibt man sich Mühe und kriegt ne kalte Dusche als Dank – na Mahlzeit. Irgendwie doch normal, dass da Mordlust aufkeimt. Gekränkte Gefühle, Konflikt zwischen Kopf und Bauch. Es geht um die Schmetterlinge im Bauch, die den Menschen auf die höchsten Höhen tragen oder in die tiefsten Abgründe stürzen können. Die Schmetterlinge von Kain waren eher mörderische Falter. Gefühl – gerade darin unterscheidet sich christliche Weltanschauung vom radikalen Feminismus: in der Bewertung des Gefühls. Gefühle haben alle, Männer wie Frauen gleichermaßen. Der Feminismus predigt: Tue, was Dein Bauchgefühl sagt. Die Bibel will etwas mehr. Sie will nicht nur Gemeinsamkeit von Verstand und Gefühl, sie will darin eine Hierarchie. Gott will den Mensch auch nicht als trockenen Verstandesmensch, sondern als einen gut Ausbalancierten zwischen Gefühl und Verstand.

Den Schöpfungsauftrag kann nur der wahrnehmen, dem Beherrschung von Sünde gelingt – zuerst in einer klaren Hierarchie von Kopf zu Bauch. Selbst wenn man das Gute wirklich will, muss man’s ja erst noch zur Tat werden lassen – was manchmal noch viel schwieriger ist. Kain gibt seinen Gefühlen nach. Er lässt seinen Frust herrschen, schreitet gefühlsgeladen zur gefühlsgesteuerten Tat. Es ist ein unsichtbarer Vollzug, der aus Menschen Mörder macht.

Dabei muss es nicht immer nur Mord sein. Die Angst, zu kurz zu kommen, am Ende der Dumme zu sein, ist nur eine der vielen Panikattacken, mit der der eine oder andere sein Leben hoffnungslos in den Sand gesetzt hat. Sichtbarer Schaden aufgrund unsichtbarer Gedanken – sie finden im Kopf statt.

Nicht umsonst sagt Christus in der Bergrede, daß schon die Sünde in Gedanken Sünde ist, weil sie die Tat bereits kalkuliert, der Handlung vorauseilt. Ein Reinschliddern in irgend etwas kennt die Bibel nicht, weil Gott um die Bauart des Menschen weiß. Gott weiß, dass der Mensch Hirn hat. Gott weiß, dass der Mensch Schmetterlinge im Bauch hat. Gott weiß, dass man beides bewusst und sinnvoll verbinden kann. Deshalb lässt er oberflächliche Ausreden nicht zu. Die Gedanken sind eben nicht frei. Der Gedanke an Mord führt eben nicht zur Sozialarbeit im Krankenhaus, sondern zum Mord. Nur dem Menschen, dem es gelingt, zuzugeben, dass der Gedanke an eine kleine Schlitzohrigkeit die wichtigste Grundlage zu deren Umsetzung ist, kann ernsthaft etwas dagegen tun. Es gibt einen Zusammenhang vom Plan zur Tat. Es geht der Bibel dabei nicht um blütenweißes Denken oder eine gläserne Fantasie. Gott will ein völlig neues Kopfklima. Gott will eine klare Verantwortung für unsichtbare Schaltungsvorgänge in unserem Kopf. Gott will den Mensch nicht mit einer klinisch sterilen Gedankenwelt, aber er will Hygiene des Denkens. Er will, dass wir bewusster denken und bewusster fühlen. Beherrschtes Denken ist ein Schöpfungsauftrag.

Gemeint damit ist die richtige Flugbahn für die Flügel der Fantasie. Man kann sie schwingen, um dem anderen eine Freude zu bereiten, oder um ihn zu hintergehen. Man kann vertrauen oder beargwöhnen. Man kann bauen und pflanzen oder abmurksen. Der Frühling im Hirn findet dann statt, wenn es gelingt, die mörderische Bahn zu unterbrechen, auf der die Mordlust fährt. Vor Gott ist sie offenbar: Unsere inneren Vollzüge, alles Denken, Planen und Streben, das, was uns zum Tun treibt, was uns wirklich bewegt, was sonst keiner sieht. Der Mord offenbart Kain’s Mordgedanken.

Er findet vor Gott eine harte Strafe, aber auch

3. Gottes Rechtsschutz

Gott tötet den Mörder nicht. Er schaut aber auch nicht tatenlos zu. Er lässt den Dingen nicht einfach ihren Lauf. Er hat eine Antwort. Seine Reaktion ist harte Strafe wie Rechtsschutz zugleich. Er sperrt den Mörder nicht ein, sondern aus – aus menschlicher Gemeinschaft. Zum Ruhelosen, Schweifenden, Umhergetriebenen und Heimatlosen soll er werden. Zum anderen soll er unantastbar sein durch ein sichtbares Zeichen, das Gott an ihm setzt. „Das vergossene Blut deines Bruders schreit von der Erde zu mir.“ sagt Gott.

Vor einem irdischen Gericht wär da gar nichts passiert, denn wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter. Für Gottes Justiz gilt eine andere Betrachtungsweise. Das Unheil, das geschieht, klagt sich selbst an. So gibt es keine Schreie, die ungehört verhallen – auch dann nicht, wenn die Welt das anders wahrnimmt. Der Gott, der unser Denken bewertet, sieht und erlebt alle kleinen und versteckten Tode, die gestorben werden – hinein bis in unsere Zeit. Er sieht, was geschieht, verzichtet nicht auf Strafe, weil Strafe für ihn mehr ist als gesellschaftliche Rache. Sein Strafvollzug ist immer ein Vollzug auf Hoffnung, die trotz allem eine Zuwendung ist. Gott geht über den berechtigten Wunsch nach Genugtuung einen Schritt hinaus. Er lässt den Täter leben – wenn auch nicht ungestraft.

In dem Lebenlassen steckt bereits in den Anfängen der Bibel ein Schatten von der Gnade, die Christus heißt. Gott lässt leben, weil er lebenslängliche Umkehr will. Gott lässt leben, weil er lebenslange Besinnung will. Gott lässt leben, weil er lebenslänglich an uns glaubt. Indem der Mensch sein Unrecht als Unrecht akzeptiert, liegt die einzige Möglichkeit für eine gemeinsame Zukunft. Allein in der Kraft des auferstandenen Christus kann der Schöpfungsauftrag gelingen, die Mordlust zu besiegen, wenn sie in uns aufsteigt. Das findet nicht nur im Kopf statt, sondern auch und gerade in der Eucharistie, in der das, was im Kopf stattfindet, eine völlig neue Richtung findet.

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Eine stumme Glocke soll wieder läuten

Es freut mich sehr, dass „betterplace.org“ unserem Glockenprojekt eine Stimme gegeben hat. Über Deutschlands größte Spendenplattform ist es nun möglich, alle Aktionen zur Sanierung unserer großen Gott-Vater-Glocke mitzuverfolgen und kräftig zu unterstützen.
Als erstes soll das massive Eichenholz für das Joch angeschafft werden, an dem die Glocke wieder hängen wird. Dazu haben wir gerade jetzt ein Angebot für das geeignetste Material, für das wir die ersten 7.000 Euro dringend benötigen. Es ist ein Holzbalken, der die optimalen Voraussetzungen mitbringt, um dauerhaft den Anforderungen einer schwingenden Glocke mit 7 Tonnen gerecht zu werden. Solch ein geeignetes Holz ist nicht jederzeit verfügbar.

Wir danken all denen, die sich schon mit engagiert haben, dass ein geschichtsträchtiger Klang wieder seine Stimme erheben kann.

www.betterplace.org/p64427

 

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Weil ich das kann

-Br. Markus  – Jeremia 1, 4-10

Ausreißen und einreißen – Zerstören und verderben – Bauen und pflanzen

Wer von uns wollte so einer sein? Als Gärtner weiß man, wovon man spricht, aber wie ein Lebenstraum hört es sich nicht an. Bauen und pflanzen wohl schon, aber zerstören und verderben – kann so was ein Auftrag, eine Bestimmung Gottes für mich sein? Passt das zu mir, meinem ganz persönlichen Traum, zu meinem Lebensplan, ein Zerstörer und Verderber, eine Ausreißerin und Einreißerin zu sein? Wohl kaum. Ich könnte das nicht“ sagen die meisten – weil da auch Angst ist, Angst, so ganz anders sein zu müssen als ich gern wäre oder meine zu sein, Angst vor dem fremden, ganz anderen Plan für mein Leben. „Ich kann das nicht“ sagen viele und beenden da schon den Plan Gottes für ihr Leben, bevor er überhaupt angefangen hat.

Der Prophet Jeremia tickt anders, nicht nur ein bisschen. Er lässt sich auf das größte Abenteuer ein, das ein Leben zu bieten hat, auf eine Berufung durch Gott.

Die wahre Kirche besteht in der Erwählung und Berufung durch Gott“ sagt Martin Luther (Tischreden).

1. Ich kann gemeint sein

Heutzutage erlebt man Berufungen ja eher nicht. Das liegt nicht daran, dass Gott nicht spricht, sondern daran, dass man ihn nicht hören will, lärmpegelüberdröhnt.  Berufung braucht zuallererst ein offenes Ohr. Wer leise Bedingungen tief in sich stellt, muss sich nicht wundern, wenn Gott nicht spricht. Gottes Wort scheitert nicht an ihm, sondern an mir, an der Mauer in mir, an der Grenze meiner Vorstellungskraft. Berufung kann nur erleben, wer auf Berufungsbedingungen verzichtet. Wer die Stimme Gottes hören will, muss sich total befreien von allen persönlichen Voreingenommenheiten. Gott redet eher selten zu verspannten, verpeilten und verplanten Menschen. Er braucht ein offenes Ohr, einen Menschen, der für ihn bereit ist. Berufung ist ja nicht ein einmaliges Ereignis, das mich irgendwann trifft. Berufung ist ein Lebensprozess, der sich laufend ereignet, lebenslänglich. Ich kann gemeint sein, heute noch, heute wieder, schon wieder, trotzdem und überhaupt. Ich bin gemeint. Gott hat eine Idee für mich, einen schlauen Plan, wer ich bin oder sein könnte, was mein Job  ist hier auf diesem Planet. ER meint mich, um mit mir, für mich und alle anderen einen Weg zu finden, der gut für mich ist und die Welt, die mich umgibt.

In Jeremia sieht Gott den Prophet. 25 Jahre alt ist er zum Zeitpunkt seiner Berufung. 25 – schüchtern, zurückhaltend, 650 vor Christus, als Sohn eines Priesters geboren. Man sagt, dass er sensibel sei. Die Berufung, die ihn trifft, passt nicht in sein Persönlichkeitsprofil, ist alles andere als bequem, also kein Traumjob bei Gott und Co. „Nur ein toter Prophet ist ein guter Prophet“ sagen die Machthaber dieser Zeit und meinen das auch so. Selten sterben Propheten zu dieser Zeit eines natürlichen Todes. Den Lebenslauf vieler Propheten ziert ein saftiges Vorstrafenregister mit regelmäßigen Knastaufenthalten. Neben der äußeren Gefahr durch den Staat ist da noch der Konkurrenzneid durch den Priesterstand. Freiberuflicher Prophet in Israel – das ist vergleichbar mit dem Sozialprestige eines Zeugen Jehovas oder abgemusterten RAF-Mitglieds.

Jeremia wird von Gott nicht zum Nichtstun berufen, sondern zu einem miesen, lebensgefährlichen Job. Völlig spaßbefreit scheint Gottes Idee für Jeremia. Die Berufung, die hier geschieht, ist eben keine Entrückungsgeschichte in eine bessere Welt, sondern es ist ein Ruf in den Konflikt mit dieser Welt und was in ihr so danebengeht – bretthart und gemein,  mit aller Kraft, die zur Verfügung steht.

„Ich kann gemeint sein“ sagt Jeremia

2. Ich kann vertrauen

Sage nicht „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen alles, was ich dir gebiete (…) Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 

Berufung ist Vertrauenssache zwischen mir und Gott. Es gibt keine Sicherheiten. Wer Sicherheit sucht, sucht vergebens. Gerade, wo felsenfeste Gewissheiten und unumstößliche Überzeugungen herrschen, ist umso mehr die Frage, wie viel lebendiges Gotteswort sich ereignet. Berufung lässt sich nicht planen wie ein VHS-Abendkurs. Es ist ein energiegeladenes Geschehen zwischen Gott und mir, geprägt durch Vertrauen. Vertrauen allein bestimmt die Tonart. Wer Zertifikate braucht, geht leer aus. Gott gibt sein Wort in den Mund eines Menschen. Er vertraut seine Botschaft Menschen an, die dafür überhaupt nicht qualifiziert sind. Jeremia ist nicht zertifiziert zum Diplomprophet, ist eher eine Wüstenblume als ein Beamter. Gott vertraut sich ihm an. Der Schritt Gottes auf mich zu ist wesentlich riskanter als meine Entscheidung auf Gott zu. Fest steht, dass es für keinen von beiden einfach ist. Es geschieht im Vertrauen allein.

Gott vertraut mir, also kann ich es wagen, ihm zu vertrauen. Was passiert, wenn ich ihm vertraue, und was nicht, ist immer Vertrauensrisiko. Deshalb kann auch der Glaube nie Sicherheit sein, weil ich, der Glaubende, höchst riskant für Gott bin. Nicht selten verunglückt der fromme Mensch an Gottes Seite. Nicht selten sind fromme Menschen enttäuschend vor Gott. Er geht das Risiko ein. Gott riskiert, sein Wort durch Menschen sprechen zu lassen, durch enttäuschende Typen. Das ist mindestens so riskant wie die Besteigung des Nanga Parbat. Es gelingt im Vertrauen allein, dass es ernsthaft geprüft, sorgfältig behandelt und mit Bedacht weitergegeben wird.

„Ich bin zu jung“ sagt Jeremia. Große Verantwortung lastet auf ihm. Wort Gottes zu predigen ist auch nicht wesentlich leichter geworden seit damals. Heute noch Last der Verantwortung – Wort für Wort. Berufung geschieht im Vertrauen. Gott vertraut mir eine Aufgabe an, nicht ich suche mir eine aus. Er kennt mich besser als ich mich. Es steht nirgends, dass die Lebensaufgabe, die Gott mir stellt, einfach, angenehm oder harmonisch ist. Gott fordert heraus, aber er überfordert nicht, er entfaltet, aber er überzieht nicht. Das kann sich streckenweise aber anders anfühlen. Gott vertraut mir, dass mein Vertrauen wachsen kann in dem Maß, in dem ich es wage zu vertrauen. Er hängt mich nicht hin, aber er mutet mir Schwierigkeiten zu, darauf vertrauend, dass ich es kann. Gottes Berufung ereignet sich immer im Schatten meiner Angst. Es ist nicht nur die Angst, zu jung zu sein. Es kann genauso die Angst sein, es nicht mehr zu schaffen, die Angst, zu wenig Zeit zu haben, die Angst, überfordert zu sein, zu wenig ausgebildet, begabt oder begütert zu sein, die Angst vor dem Scheitern, dem Verrat, oder ausgelacht, zu oft enttäuscht oder übervorteilt worden zu sein, die Angst, auf die falschen Leute gehört zu haben. Gottes Ruf ist immer begleitet von Angst. Das wird sich nie ändern. Er ist aber genauso eingebettet in Gottes Treueversprechen, lässt sich aber nur erfahren, wo man es wirklich riskiert, im Vertrauen wagt, im Vertrauen allein.

Gott wagt es mit mir. Den Mut hätte ich nicht gehabt. Es gibt also keinen Grund mehr für mich, es nicht mit ihm zu wagen. Auch wenn mir die passenden Worte fehlen, kann ich es wagen, Gottes Prophet zu sein, weil es nicht meine, sondern seine Worte sind, die ich übertragen soll. Für jede Berufung gilt das Prinzip des Vertrauens in Gott allein. Ich kann darauf vertrauen, dass Gottes Worte die richtigen sind, auch dann, wenn sie mich in Schwierigkeit bringen, wenn ich sein Bote bin.

Der Gott, der mich riskiert, vertraut auf mich, daß ich ihn so weit verstehen kann.

3. Ich kann dabei ich selber sein

Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Gott hat für mich eine Idee, einen Plan, der sicher anders als meiner ist, was aber nicht heißt, dass er mich mir selbst entfremden wollte. Er will Beweglichkeit zwischen uns, zwischen Gott und mir. Er will meine Inspirationsquelle sein, frische Lebensidee. Im Vertrauen zwischen Gott und mir geht es nicht immer darum, was für mich wünschenswert ist oder nicht, sondern vor allem, wie Gott sich verwirklicht unter uns und durch uns. Das fordert mich heraus zur Beweglichkeit in Gott. In Christus beruft Gott zum Priestertum aller Gläubigen, zur Lebensaufgabe, die größer ist als mein eigener geistiger Wendekreis. Das fordert mich heraus, jeden Tag neu zu erlernen, was meine Berufung ist und was nicht. Lebendige Auseinandersetzung im Vertrauen – Christus befreit vom Zwang, mir selbst zu genügen. Ich genüge in Gott. Nicht meine, sondern seine Worte erlösen die Welt. Es genügt, wenn einer, der dazu beauftragt ist, diese Worte spricht. Jede Lebensentscheidung ist und bleibt Risiko. Berufung ist dementsprechend riskant, aber bereichert durch eine göttliche Garantie. Darin schlummert gewaltige Energie, gibt mir die Kraft, ganz neue Wege zu gehen, neu aufzubrechen oder woanders anzukommen oder auch zu verharren. Der Weg, den Gott in mir sieht, ist der größtmögliche Weg, den ein Mensch gehen kann, breiter noch als die Autobahn. Er steckt voller Dynamit des Lebens. Gott ruft über die Grenzen meiner Vorstellungskraft hinein in neue Welten und Horizonte.

Ich kann das sowieso nicht, aber ich kann mich bewegen lassen zu ihm. In Christus ist es weniger die Frage, ob und was ich kann als vielmehr die Frage, was Gott in mir bewegt. Ich kann alles, was Gott in mir sieht. Weil ich das kann, kann ich sogar predigen, wenn ich nicht dazu tauge (sieht man ja an mir).

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Goldberg-Variationen als Silbermannklänge

Das besondere Musik-Ereignis:

Als „Höhepunkt der barocken Variationskunst“ und „eine der schwierigsten Klavierkompositionen“ gelten sie, die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach, ursprünglich komponiert für Cembalo, häufig interpretiert von berühmten Pianisten.

Dieses Meisterwerk eines großen Komponisten auch mit der Orgel als Königin der Instrumente kreativ zu entfalten, hat sich Felix Hell, Weltklasse-Konzertorganist aus den USA, zum Ziel gesetzt.

Am Sonntag. 22. Juli 2018, bringt er es in eigener Bearbeitung auf der nach Gottfried Silbermann disponierten Orgel der EBK-Blumenmönche zum Klingen.

Das Konzert findet um 17 Uhr in der EBK-Klosterkirche, Schubertstr. 18, 72581 Dettingen/Buchhalde  statt, der Eintritt ist frei.

https://xn--ebk-blumenmnche-jtb.de//Aktuell/veranstaltungen.aspx

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Der Lebensflüsterer

-Br. Markus- Apostelgeschichte 8, 26-39

„Als Pferdeflüsterer bezeichnet man Menschen, die besonders gut mit Pferden umgehen können. Sie verwenden dafür spezielle Methoden der Kommunikation. Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, das Verhalten und die Körpersprache von Pferden zu verstehen. Daher sind gute Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen die Grundvoraussetzung. Das erlernte Wissen über die sogenannte Pferdesprache wird genutzt, um mittels Gesten mit den Tieren in Kontakt zu treten. Der heutige Pferdeflüsterer flüstert mit seinen Pferden. Er verzichtet auf Gewaltmethoden wie Schmerzeinwirkung auf den Kopf, Peitschenhiebe und das Anbrüllen. (Wikipedia)

Als „Lebensflüsterer“ bezeichnet man Menschen, die besonders gut mit anderen Menschen umgehen können. Dafür sind gute Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen hilfreich – und viel, viel mehr.

1.          Vom Wort bewegt

Ein Engel des Herrn forderte Philippus auf: „Geh in Richtung Süden, und zwar auf die einsame Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt.“

Philippus machte sich sofort auf den Weg. Es ist heiß, drückend heiß – vielleicht nicht so schwül, aber noch viel heißer als hier bei uns, Mittagszeit – nicht einmal die Verrückten gehen um diese Uhrzeit in südlichen Ländern raus. Die Straße von Jerusalem nach Gaza ist eine der weltwichtigsten Handelsstraßen in der Zeit des Textes, vergleichbar mit unserer A 3 von Frankfurt nach Köln. Wer von uns würde um Mitternacht an die Autobahn A 3 gehen zum Missionseinsatz? Um Mitternacht fährt auf der dicht befahrenen Autobahn kaum jemand, so wenig wie in der Mittagshitze von Jerusalem nach Gaza.

„Ein Engel des Herrn forderte Philippus auf“

Es ist hier keine sorgfältig geplante Evangelisation, sondern ein wilder Ein-Mann-Einsatz zu einer völlig unmöglichen Uhrzeit. Der Engel des Herrn ruft – nicht zu einem durch persönliche Stille und gründliche Meditation vorbereiteten Einsatz in kirchlichen Räumen. Der Engel des Herrn ruft auf den heißen Asphalt, in den Dreck der Piste, zu einem äußerst unwahrscheinlichen Treffen, ins Gedröhn des Werktags. Gottes Stimme, die Stimme des Engels, ereignet sich eben nicht, wenn ich es will, sondern wenn Gott spricht – ist ganz normal. Der andere redet, wenn er es will, nicht wenn ich meine, dass er mir was sagen müsste. Gott spricht nicht dann, wenn ich es plane, sondern wenn er will – jetzt oder nachher. Gott spricht nicht dann, wenn ich es plane – sondern wenn er will. Gottes Augenblick kann in meiner Ruhe oder in meiner Unruhe sein. Es ist in jedem Fall seine, also nicht meine Entscheidung.

Ich rede auch nur, wenn ich was zu sagen hab. Gott spricht, wenn er was zu sagen hat. Lebensflüsterer kann nur sein, wer das verstanden hat. Lebensflüsterer kann nur sein, wer ansprechbar ist. Lebensflüsterer kann nur sein, wer leise geworden ist, so leise, dass er das Flüstern der Engel hören kann. Das hat nichts mit Spinnerei zu tun. Gerade dann, wenn ich Gott zwinge, zu meiner Zeit zu reden, ist die Gefahr einer Einbildung umso größer. Gottes Wort bricht in meinen Alltag ein, nicht ich in Gottes Welt. Engel kann nur hören oder sehen, wer die eigene Erwartung zurückschraubt. Es kann im Garten sein, es kann im Büro, beim Einkaufen, unterwegs oder sonst wo sein, dass das Flüstern eines Engels mich stört, wachrüttelt, erschreckt oder zurücknimmt – eben weil nicht meine Einbildung, sondern ein anderer spricht. Das Flüstern des Engels kann eine Störung sein, selbst meines frommen Lebensplans. Nur dort, wo ich beweglich werde, nur dort, wo ich auch hören will, kann es mich erreichen, das lebensschaffende Wort. Wer einen Engel hören will, muss von 0 bis 24 h das Ohr aufmachen, wie eine Hotline, immer und überall. Heiliges Wort trifft mich auch am unheiligen Ort. Heiliges Wort erreicht mich auch und gerade, wo ich mich weit, weit weg von Gott fühle. Es erreicht mich und gibt mir Mut.

Lebensflüsterer

2.          Trauen sich raus

Christen sollen Lebensflüsterer sein, lebendig gemacht durch Gottes Wort andere lebendig machen. Das Wort bleibt nicht allein. Dort wo es allein bleibt, ist es nicht Gottes Wort. Es ist lebensschaffendes Wort, das zum anderen führt, zu dem, der Leben braucht. Das fordert ungemein heraus, weil man die eigene Grenze überwinden muss, die Angst. Als ich das erste Mal auf dem Wochenmarkt war, hab ich mich kaum getraut, jemand anzusprechen. Der Schritt hin zum anderen sprengt oft den Rahmen meiner Vorstellung, meiner Sympathie oder Einstellung. Es ist eben nicht die Stimme Gottes, die mich zu meinem Lieblingsmenschen ruft, sondern zum ach so anderen Anderen. Da ist es gefordert, sich aus dem Gebüsch der eigenen Angst herauszuwagen. Es liegt doch nicht daran, dass wir keine Gelegenheit hätten. Die Straßen der Stadt sind voll von Hofbeamten, die vorbeifahren. Die Straßen sind voll von Menschen, die unsere Unterstützung brauchen. Angst ist ganz normal. Es gibt immer tausend Gründe den Mann oder die Frau, die Gott uns schickt, vorbeifahren zu lassen, gar nicht erst aufzubrechen aus Angst, es könnte schief gehen. Zu viele schlechte Erfahrungen hat man ja immer schon gemacht.

Am christlichen Glauben kann man teilnehmen. Zu den Abenteuern des Glaubens muss jeder für sich selbst aufbrechen“ sagt der Theologe Jetter.

Der Andere ist immer ein Risiko. Ich aber auch. Lebensflüsterer kann man nur sein, wenn man den Mut hat, dabei baden zu gehen, zu scheitern oder aufzulaufen. Das hat nichts mit Selbstzerstörung zu tun. Es ist einfach nur das ganz normale Berufsrisiko des christlichen Glaubens. Vertrauen muss immer gewagt werden. Gott will, dass wir es wagen, zu lieben – auch das, was gar nicht liebenswert scheint. Gott will, dass wir uns rauswagen aus dem Unterholz unserer Ängste, Ahnungen und Befürchtungen – hinein in den weiten Raum des lebensschaffenden Wortes.

In der Welt habt ihr Angst“ sagt Christus.

Die Angst ist ganz normal. Der Glaube verdrängt auch keine Angst. Er glaubt trotz aller Angst, und es steht nirgends geschrieben, dass man dabei keine Narben abkriegt. Die Aufgabe des Philippus ist es, mitzufahren mit diesem unbekannten schwarzen Mann, der soviel reicher, mächtiger und gebildeter ist als er selbst. Es besteht das Risiko, hinter der nächsten Sanddüne ausgeraubt, ermordet, übervorteilt oder sonst wie beschädigt zu werden. Es gäbe tausend berechtigte Gründe, nicht mitzufahren, daheim zu bleiben und auf die nächste Gelegenheit zu warten.

Lebensflüsterer tun das nicht.

3.          Sie fahren mit

Es wäre viel risikofreier gewesen, hätte Philippus dem Hofbeamten ein Traktat oder einen Link für’s Internet besorgt, wo er sich hätte können schlau machen oder so. Er tut das nicht. Er fährt mit, mit dem anderen, mit auf Risiko. Christliche Nächstenliebe versteht sich nicht als Besserwisserei, die man dem anderen schnell auf’s Auge drückt. Es geht um wesentlich mehr. Gott gewinnt den Mensch durch Hingabe. Das prägt den Weg für alle, die ihn gehen wollen. „Seite an Seite“ heißt sein Konzept, nicht „von oben runter“ und auch nicht „mit Gewalt. Durch sein Wort macht er lebendig, durch sein Wort gewinnt er in uns Gestalt, und durch uns will er sich neben die anderen setzen, die sich schwer tun, zu glauben. Gottes Wort will in uns die Gestalt gewinnen, die uns zu Lebensflüsterern macht, zu Menschen, die Leben nicht nur haben, sondern weitergeben, auch durch Drüber-Reden, durch lebendige Mission. Ob man dabei flüstert oder nicht, ist eigentlich egal. Die Lautstärke spielt keine Rolle, die Art und Weise aber schon.

Lebensflüsterer haben Einfühlungsvermögen in den anderen. Man muss ja nicht die Pferdesprache sprechen. Es reicht schon, Worte zu finden, die der andere versteht und auch das Tempo, in dem der andere geht. Mitfahren kann auch Zuhören sein, zuhören, wenn’s harte, beleidigende, kritische oder verzweifelte Worte sind, die der andere spricht. Mitfahren heißt in jedem Fall, bereit zum Risiko „Enttäuschung“ sein. Gott will mich, dass ich derjenige bin, der sich an die Seite des anderen setzt. Gott will mich, um durch mich auf den anderen zu lauschen. Gott will mich, um das warme Herz am kalten Ende dieser Welt zu sein. Gott will mich, um lebensschaffendes Wort statt sterbende Hoffnung zu sein.

Es ist nicht  wichtig, ob ich zu müde, zu gestresst, ausgelaugt oder unsicher dazu bin. Das Wort des Lebens wirkt in sich allein. Es braucht nur einen, der es weitersagt. Jeder kann das sein, jeder soll das sein, jeder auf seine Art – jeder, der es erlebt hat. Jeder Christ soll ein Lebensflüsterer sein, einer, der sich die Zeit nimmt, die er gar nicht hat, um sich an die Seite eines anderen zu setzen, der ein Kapitel oder das ganze Leben, die Welt oder sich selbst nicht versteht.

Wir können das sein. Wir sollen das sein: die Flüsterer des Lebens. Es gibt keine schönere Nachricht, die man erzählen kann.

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Sollen und sein

  1. Joh. 1, 5 – 2,6 – Br. Markus

Ich bin mir nie ganz sicher gewesen, ob es eine Gunst oder eine Härte des Schicksals war. Das hat so eine Art „Lehrerinnentrauma“ in mir hinterlassen. Ja, es waren immer reichlich Lehrerinnen vorhanden, die meinten, mir sagen zu müssen, wie ich sein soll.
– Ich soll nicht zu frech sein.
– Ich soll nicht so faul sein.
– Ich soll artig danke sagen.
– Ich soll nicht den Unterricht stören.
– Ich soll die anderen nicht ärgern.
Ich  könnte es noch nachts im Schlaf aufsagen, was ich alles nicht soll. Da ist dann aber noch das Wildpferd in mir, dem es gewaltig auf die Hufe haut, wenn einer daherkommt, der mir sagen will, was ich tun oder lassen soll.

Im Johannesbrief geht es um mehr. Es geht nicht um moralische Anweisung oder verkrustete Vorschrift, auch nicht um Besserwisserei. Er schreibt, wie Christen sein sollen – wie unser Sollen zum Sein wird und unser Sein sein soll.

1.     Wenn die Gebote zu Bruch gegangen sind

Wenn wir behaupten, sündlos zu sein, betrügen wir uns selbst. Dann ist kein Fünkchen Wahrheit in uns.

Es geht um Sünde. Gemeint ist dabei nicht alles was Spaß macht und deshalb verboten ist oder der Kirschenklau beim Nachbar. Es reicht wesentlich tiefer. Sünde ist mehr als eine moralische Verfehlung. Sünde lässt sich nicht kategorisieren, wie in Flensburg. Sünde lässt sich nicht einordnen in ein Schema. Sünde ist weitaus tückischer. Sünde ist ein böses Phänomen, so böse, dass es oft nicht als Sünde erkannt wird. Zu einfach hat man es sich leider auch in der Kirche gemacht, indem man sich beim Thema „Sünde“ nur auf moralische Verfehlungen fokussiert hat. Sünde ist nicht die Erfindung der Kirche, die benutzt wird, um dem Menschen ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Die schlimmsten Sünden sind gerade die, die gesündigt werden im festen Glauben, das Richtige zu tun, die Sünden, die nicht als Sünde erkannt werden.

Zu allererst und vor allem ist Glaube: Erkennen von Sünde. Das ist nicht so einfach wie im Straßenverkehr. Ob man Verkehrssünder ist oder nicht, lässt sich einfach klären. Sünde als Sünde zu erkennen, ist viel schwerer, weil das Leben vielschichtiger und tiefer ist, als die deutsche Straßenverkehrsordnung. Sünde ist mehr als ein Verstoß gegen eine Vorschrift. Geht man dem Urtext nach, bedeutet Sünde „das Ziel verfehlen.“

Wer sündigt, verfehlt das Ziel. Es geht bei Sündigen deshalb auch nie um Bevormundung, es geht ums Ziel, Ziel erreichen oder nicht.  Wer sündigt, erreicht sein Ziel nicht – nicht mehr und nicht weniger. Er läuft ganz einfach ins Leere, dran vorbei sozusagen. Wer sündigt, erreicht seine Berufung nicht. Es ist unser aller Berufung, Mensch vor Gott zu sein, die wir erreichen oder nicht. Mensch vor Gott kann nur der Gerechte sein. Dem steht die Sünde im Weg, weil sie unsere Gerechtigkeit raubt.

Es geht dabei nicht um ein paar geklaute Äpfel –denn was wäre dann mit all den Menschen, die vor lauter Hunger einfach das genommen haben, was zu kriegen war. Die Geschichte der Menschheit und der Kirche ist gesäumt von zerbrochenen Geboten. Was ist, wenn man schießen muss, obwohl man nicht töten will? Was ist, wenn man lügen muss, obwohl man die Wahrheit liebt? Es gibt ungezählte Konflikte im Leben, die nicht mit platter Moral oder schnellen Antworten zu bedienen sind. Dann, wenn alles ganz anders ist, andere Umstände, andere Parameter gelten, muss jeder Gedanke, jede Tat neu geprüft und bedacht werden.

Und genau da ist auch die Gefahr, und nicht nur da, dass man sich selbst betrügt, trotz bestem Wissen und Gewissen falsche Entscheidungen trifft. Gerade die Kirchengeschichte ist voll davon. Zu viele Hexen wurden verbrannt im festen Glauben an den Herrn. Selbst heute noch begegnet man Menschen, die so gnadenlos erleuchtet sind, dass einem Angst werden kann, die genau wissen, was jeweils der andere zu tun hat.

Der Satz, daß wir Sünder sind, ist die erste wahre Aussage, die ein Mensch, der ins Licht Gottes tritt, macht.“ (Iwand)

Wer bemerkt, dass er das Ziel verfehlt hat, ist ganz nah an Gott. In der Erschütterung über mich beginnt sich Gottes Wahrheit zu verwirklichen, meine Zweideutigkeit zu beenden. Wem die Gebote zu Bruch gegangen sind, dem fällt auf, dass es mehr braucht als Schilder, Vorschriften und Hinweistafeln – und dass es oft nicht ausreicht, nur vor sich selber gradzustehen – eben weil ich manchmal für mich selbst nicht geradestehen kann. Die Begegnung mit Gott macht nicht klein, aber sie macht mich meiner Größe bewusst und sie lässt mich die Tatsache aushalten, dass ich nicht so toll bin, wie ich von mir dachte – und ich gar nicht so sein kann, wie ich sein soll.

Ich werde

2.     Ganz von allein gerecht

Gott will in uns sein Gegenüber sehen, Eindeutigkeit in Wort und Tat. Gott will in uns die Gerechten sehen, als die er uns geschaffen hat – und da ist soviel Zweideutigkeit, soviel Zweifel und soviel Angst, soviel Unvermögen, zu sein, wie ich sein soll. Ich kann nicht derjenige sein, den Gott in mir sieht. Ich kann nicht gerecht sein, schon allein, weil es viel zu viel Dinge gibt, die ich nicht sehen, prüfen und beurteilen kann. Trotzdem sieht Gott Gerechtigkeit in mir, spürbare, wirksame Gerechtigkeit in mir, dessen Auge so oft getrübt ist von eigenen Sichtweisen und dessen Ohr voll von Trommeln in eigener Sache ist. Trotzdem ist da die Gerechtigkeit, die hineinscheint in meine Ungerechtigkeit und die so viel heller ist als alles, was ich leisten kann.

Es ist nicht der Glaube, der sündlos macht, und es ist nicht der Glaube, der gerecht macht. Es ist die Gerechtigkeit Gottes, die sich an dem ereignet, der seine Sünde erkennen kann. Wer nicht merkt, dass er das Ziel verfehlt hat, kann nicht umkehren, um neu zu starten. Er fährt immer weiter im selben alten Trott. Die Gerechtigkeit Gottes unterbricht meine Selbstgerechtigkeit. Das macht den Unterschied. Ich sündige immer dann, wenn mir die Hoffnung verloren geht und ich es nicht mehr glauben kann, dass es auch anders geht, als ich selber ermessen kann. Die Gerechtigkeit Gottes folgt keinem fassbaren Prinzip. Sie vertraut sich demjenigen an, der darauf vertrauen kann.

Es ist nicht mein Training oder mein „Stärker machen“, es ist Geschenk Gottes, wenn ich gerecht sein kann inmitten des korrupten Dschungels. Es ist Geschenk Gottes, wenn ich die Wahrheit sagen kann, wo der Irrtum herrscht. Es ist Geschenk, wenn ich verzeihen kann. Es ist Geschenk, wenn ich es hören kann – auch das, was nie gesagt wurde. Es kommt von ganz allein, nicht durch mich, ich bin zu klein dazu. Es braucht größeres Herz und größeres Denken als ich es generieren kann. Es ist mein Fehler, dass ich nicht groß genug denken kann. Ich brauche einen, der diesen Job für mich erledigt.

Wirksam kann die Gerechtigkeit Gottes nur in den Menschen werden, die ihn wirken lassen, nicht in denen, die versuchen, wirksam zu sein. Christen werden immer Sünder sein, Zielverfehler, die einen brauchen, der Barmherzigkeit übt. Wir können nicht im Licht wandeln, wenn kein Licht da ist, das erhellt.

An Gottes Seite entstehen keine „Null-Fehler-Typen“, es entsteht aber

3.     Der utopische Mensch

Es steht nicht in der Bibel, sondern im Wörterbuch: Utopie ist die Vorstellung von vollkommener Gerechtigkeit. Gott leistet sich eine wirklichkeitsfremde Vorstellung von Menschen. Er träumt von vollendeten Gerechten. Gott träumt von Menschen, die in Einheit leben von Wort und Tat.

„Doch wer nach dem lebt, was Gott gesagt hat, an dem zeigt sich Gottes ganze Liebe. Daran ist zu erkennen, ob wir wirklich mit Christus verbunden sind.“

Gott belässt es nicht beim Träumen. Er erfüllt sich seinen Traum in Christus, der in uns Wirkung zeigt. Nicht ich in ihm, sondern er in mir verwandelt die Welt. Christus allein! Weder logisches Denken noch kluge Schlussfolgerung ebnen den Weg zu Gott. Christus allein!

Deshalb kann es auch keine mystische Erfahrung oder Ekstase ein, sondern Christus allein. Die Kraft, die Gebote zu halten, kann aus keiner anderen Quelle kommen. Selbst dann noch ereignet sie sich auf dem schwankenden Boden unserer Wankelmütigkeit. Aber auch wenn sie da und dort strauchelt, zeigt sie doch messbare Wirkung. Das ist das Entscheidende.

Gottes Utopie verwirklicht sich. Unser Leben  hat damit ein erstrebenswertes Ziel: vollendete Gerechtigkeit. Und wie jede Baustelle, die mal fertig werden soll, muss zuerst einmal angefangen werden. In Christus fängt Gott an, startet täglich neu. Heute in mir und durch mich startet die bessere Welt. Ich kann das – auch wenn ich mir’s nicht zutrau. Ich kann anders als nur ängstlich, kleinkariert oder zaghaft. Ich kann mindestens einen halben Zentimeter größer, als ich mir zutraue. Christus in mir – nicht ich, kann der oder diejenige sein, den Gott in mir sieht, den vollendeten Gerechten.

Das ist das eucharistische Prinzip. Gott schenkt voll ein. Er hat, was es ohne ihn nicht gibt: den vollen Ausgleich. Er sieht, was keiner sehen kann. Das beruhigt und beunruhigt ungemein. Es macht den Glauben nicht zur schweißtreibenden Arbeit an moralischen Normen, sondern zum Aufbruch des Vertrauens, hinein in ein offenes Gespräch mit einem, dem man alles sagen kann, auch das, was ich mir selbst verschwieg.

In Christus allein kann ich der sein, der ich sein soll, ohne mich nach irgend einer Seite zu verbiegen. Wir können so sein, wie wir sein sollen. Amen.

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