Wieder Danke sagen

Spendenaktion Gott-Vater-Glocke

Eine Glocke, die nicht mehr läutet ist wie ein Mensch, dessen Herz aufgehört hat zu schlagen.

Seit Dezember 2017 ist die Gott-Vater-Glocke in der Buchhalde stumm. Der warme, tiefe Klang, der sich nachmittags um drei Uhr über das Ermstal und die Albränder ausbreitete, schweigt aus Sicherheitsgründen. 20 Jahre treuer Dienst, machten dem Glockenjoch zu schaffen. Ein Materialfehler schwächte den Trägerbalken, an dem die 7 Tonnen schwere Glocke hängt. Das Joch bog sich durch und bildete Risse, so dass Läuten nicht mehr möglich war. Somit schweigt ein Dettinger Wahrzeichen und die viertschwerste Glocke von Württemberg.

Die Gott-Vater-Glocke ist eine Liebeserklärung an einen großen Gott. Die Blumenmönche läuteten täglich das „ich mag dich ja so“ in die Region, um den zu ehren, dem sie alles verdanken. Diese Glocke will einfach aber kraftvoll Danke sagen. Anbetung ist die stärkste Reaktion des Glaubens, die höchste Form der Verehrung, die dem Schöpfergott vorbehalten ist. Es ist noch mehr als ein traumhafter Rosenstrauß mit hundert langstieligen roten Rosen. Wenn solch eine tiefe, gehaltvolle Glocke schwingt, ist es wie beim großen Halleluja von Georg Friedrich Händel, bei dessen ersten Aufführung der englische König sich erhob und seine Krone ablegte.

Wo eine Glocke schweigt, schweigt die Botschaft, die sie eigentlich hinaustragen möchte. Für niemand erklingt mehr das, was diese Glocke zu sagen hat. Diese Glocke soll nicht den Frieden oder die Freiheit, sondern Gott selbst hinausläuten.

  

Gott ist – Gott war – Gott schafft

Dies bedeutet höchste Bewegung und Aktivität. Gottes Schaffen – bestätigt durch seine Schöpfung, voll Harmonie, in unendlicher Fülle – alles wohl durchdacht. Nichts hat ER dem Zufall überlassen. Gott klingt mit, wenn diese Glocke läutet.

* eine gewaltige Glocke (ca. 2 m hoch und ca. 2 m Durchmesser) weil Gott in seiner Größe überwältigend ist.

* einen tiefen, warmen Ton, weil Gottes Barmherzigkeit umfängt, unterfängt.

* die schwere Rippe (6.940 kg) damit Gottes kraftvolles Wirken weit und stark gehört wird.

Sieben Tonnen Erz in Form einer schwäbischen Gloriosa sind nur ein Versuch, „Danke“ zu sagen. Danke für Leben und Erleben an der Seite eines unsichtbaren Genies: Gott! Mit der Glocke klingt die Gewissheit, dass Gott lebt, liebt, schenkt, segnet, begnadet, heilt und erlöst. Alle Inschriften bezeugen einen aktiven, einen kämpferischen Gott, der sich das Konzept nicht aus der Hand nehmen lässt, auch in heutiger Zeit nicht.

Gott redet:ER mischt sich ein, ER hat nicht resigniert, ER ist nicht im Laufe der Geschichte verstummt, ER lässt den Dingen nicht ihren Lauf.

Gott hört: ER ist dabei, in allem als Gegenüber anwesend – bei unserem Beten, bei unserem Stöhnen, bei unserem Leiden. Gott hört das Geschrei der Gefolterten, das Stöhnen der Hungernden. Gott hört das Klagen der gebeutelten Schöpfung, den stummen Schrei der abgetriebenen Kinder, die Anbetung der Glaubenden oft mitten in der Nacht. Gott hört mit dem Herzen. Nichts geht ihm verloren.

Jede dieser Eigenschaften Gottes wird in die Welt hinausgerufen, wenn die Glocke ihre Stimme erhebt und läutet. Jedes Läuten bringt in Erinnerung, dass der lebendige Gott auch heute noch dynamisch in unserer Mitte ist.

Für die Anbetung Gottes ist das Beste gerade gut genug. Für den größten Gott das Größte – ER hat es verdient, das ist ER wert, zumal ER dem Land Württemberg über Jahrhunderte reichen geistlichen Segen geschenkt hat.

Sie soll wieder läuten

Sachverständige der Herforder Glockenspezialisten aus Österreich sagten: Sie kann wieder läuten! Das Joch muss mit einem massiveren und höheren Joch ausgetauscht werden. Dazu ist nötig, die Kecharismai-Glocke, die über der Gott-Vater-Glocke schwingt, mitsamt ihrem Glockenstuhl anzuheben, um mehr Raum für das größere Joch zu schaffen. Mit entsprechendem Hebewerkzeug, wird die große Glocke im Glockenturm mit dem neuen Trägerbalken umgerüstet. Mehrere Wochen sind für dieses Projekt veranschlagt, wobei die Bruderschaft mit ihren Haustechnikern einen großen Anteil mit bewältigen wird. Ein Teil der anfallenden Kosten kann von den Blumenmönchen bewältigt werden, doch für den Hauptanteil brauchen sie Ihre Unterstützung. Für eine Summe von 35.000 Euro, braucht es Menschen, die Danke sagen wollen. Diese Glocke soll für das Ermstal und darüber hinaus, den Dank von Menschen zusammenfassen und zum Klingen bringen.

Sagen Sie Danke

Werden Sie zu einem Teil der Dankbarkeit, die Menschen in der Anbetung verbindet. Stehen Sie mit dafür gerade, dass wir alle eine Stimme brauchen, die uns aufbaut und tröstet, die uns wachrüttelt und Mut macht. Engagieren Sie sich, dass zu den vielen Klängen, die auf uns einströmen, solche dazu kommen, die uns innehalten lassen und zum Gebet rufen. Helfen sie mit, dass unsere oft so hektischen Tage, wieder Ankerpunkte der Ruhe erhalten.

Jeder kleine Beitrag bringt eine stumme Stimme wieder zum Reden. Auch wenn sie finanziell nichts dazu beisteuern können, können Sie dieses Anliegen „hinausläuten“, damit in absehbarer Zeit unser aller Dank wieder erklingt. Geben Sie dem die Ehre, dem alle Ehre gebührt. Soli deo gloria.

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Die Welt von Morgen

-Br. Markus- Jesaja 65,17-19, 23-25

Morgen ist Montag. Soviel wissen wir. Ist nix ungewöhnliches, ist eigentlich jeden Sonntag so, dass danach Montag ist. Was wir nicht wissen ist, ob es Frost gibt oder nicht. Drei Wetterberichte liefern zu diesem Thema schon drei unterschiedliche Prognosen ab. Wir wissen also nicht wirklich, ob wir morgen vor der Haustür ausrutschen oder nicht. Ist nicht so richtig wichtig, wäre aber schön, wenn man’s wüsste, man könnte sich besser auf den Tag einstellen.

Jesaja richtet seinen Blick in die Zukunft, weit über den morgigen Tag hinaus, weit über die nächste Woche oder über 2020. Sein Blick reicht weit über den Horizont hinaus in Gottes Welt. Gott schafft, Neues Leben, in Neuer Gestalt, das schafft Neues Miteinander.

1. Neues Leben

17 So spricht der Herr: „Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.

Gott offenbart seinen Zukunftsplan. Es ist ein Bauplan, kein Renovierungskonzept. Die Welt von morgen soll eine völlig neue, ganz andere, wesentlich bessere sein. Die Welt von morgen soll eine Welt sein, wie Gott sie immer wollte, sie aber nicht geworden ist. Gedacht ist an einen Zeitpunkt, der unvorstellbar weit weg oder erschreckend nah ist. Keiner kennt den Zeitpunkt nach unserem Kalender. In jedem Fall aber ist es Zukunft, unsere Zukunft, die auf uns wartet, wenn unser Leben zu Ende geht. Gottes Plan ist dazu gemacht, unserem Leben eine Richtung zu geben, auf die es zustrebt. Leben allein ist der Masterplan.

Eigentlich geht es uns ja gar nicht schlecht. Das Leben, wie es heute ist, hat ja durchaus schöne, angenehme und lebenswerte Momente. Man muss die Welt, so wie sie ist, nicht schlecht reden. Wir haben in der EU soviel Frieden wie lange nicht in der Weltgeschichte, und unsere Sozialsysteme funktionieren. Wozu braucht es neuen Himmel und neue Erde? Ist es da wirklich ein Trick der Kirche, die Welt schlecht zu reden, um eine bessere Welt besser verkaufen zu können? Die Welt von morgen, unsere Zukunft, ist möglicherweise gar nicht so sehr verschieden von unserer. Sie hat nur eines nicht: den Friedhof. Die Welt von morgen ist eine Welt mit ohne, mit ohne den Sensemann, ohne den Schatten des Todes, der hinter uns herzieht und darauf geiert, dass er uns kriegt.

„Alles war sehr gut, was Gott geschaffen hat“ steht im Schöpfungsbericht. Was aber nicht gut ist, ist der schwarze Schatten der Enttäuschung, der hinter allem lauert, dem Leben einen faden Beigeschmack gibt. Gott wollte sie nicht, die tödliche Entfremdung, die geschieht zwischen Mensch und Gott. Gottes Wille ist und war Lebenswille, Leben mit den anderen und nicht auf Kosten des anderen. Gott wollte ihn nicht, den schwarzen Schatten der Cleverness, mit den der eine den anderen zu übervorteilen sucht. Deshalb plant Gott neu, nicht weil alles schlecht wäre, was ist, aber weil es nicht so ist, wie er es sich vorgestellt hat.

Deshalb schafft er

2. Neue Gestalt

Es geht um einen neuen Urknall, einen neuen Planet, durchaus im naturwissenschaftlichen Sinn. Gott will einen neuen Lebensraum, einen neuen Stern, auf dem man wohnen kann.

„Der Löwe wird Heu fressen wie ein Rind“ heißt es im Text.

Man muss gar nicht als Vegetarier geboren sein, um das prophetische Bild zu verstehen. Immer wieder tauchen bei Jesaja starke Bilder einer versöhnten Welt auf. Es ist kein frommer Wunschtraum eines Einzelnen, sondern reale Zukunftsperspektive. Der Traum von einer heilen Welt schafft sie nicht automatisch. Es ist Gottes erste und letzte Idee, der Plan, den er schon immer hatte. Die Welt von morgen soll eine vom Bösen befreite Welt sein – in jeglicher Form. Es braucht nicht mal so viel Fantasie, sich eine solche Welt vorzustellen. Nur so eine Welt kann zukunftsfähig sein. Alles Böse und Dunkle in unserer Welt vernichtet sich selbst und den damit verbundenen Lebensraum. Es ist Wesenszug des Bösen, sich selbst zu zerstören. Das müssen nicht einmal die großen Kriege sein. Oft genügt schon ein klitzekleines einzelnes Wort, um die Welt in Brand zu setzen. Ein einzelnes Wort nur zur falschen Zeit am falschen Ort kann zu einem unfassbar dunklen, schattigen Phänomen werden, zum Krieg. Selbst wenn es nur Kleinkrieg ist, ist es das, was uns zum Sterben führt, auf den Friedhof.

Gottes Welt von morgen will aber eine andere, eine neu geformte Wirklichkeit sein, in der kein Platz mehr für Entgleisungen ist. Gott will einen neuen Planet, der herausgenommen ist aus all den Ungerechtigkeiten unserer Erde. Die Welt von morgen soll eine Welt sein ohne Spielraum für diejenigen, die andere skrupellos über den Tisch ziehen – in welcher Form auch immer. Schon zu der Zeit des Propheten Jesaja schreit das Unrecht zum Himmel. Damals wie heute muss man die Welt nicht schlecht reden, es gibt so schon genügend offensichtliche Missstände in ihr. Die Welt von morgen soll eine Welt ohne Drogenmafia, ohne hinterhältige Giftzwerge, scheinheilige Nachbarn oder bösartige Kollegen sein. Sie soll eine Welt ohne Organhandel, Kindesmissbrauch oder Ausgrenzung sein, eine Welt ohne Fremdenhass, Sozialneid oder fiese Tratschereien. Sie soll ganz ohne die schwarzen Schatten sein, die diese Erde umnebeln, die Schatten des Bösen.

Wie die Gestalt der neuen Welt aussieht, lässt sich nicht vorstellen, schon aber erahnen. „Ich schaffe das“ sagt Gott, „einen neuen Stern“. Ob der dann hinter der Milchstraße links oder rechts liegt, ist dabei nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es auf diesem Stern diese Gerechtigkeit gibt, nach der wir uns hier nur sehnen können. Der neue Stern soll der Platz Gottes sein, wo neues Vertrauen gegründet wird und

3. Neues Miteinander

gelebt wird.

Unsere Zukunft hat angefangen. Die Welt von morgen findet heute schon statt. Heute schon wird in Christus die Welt von morgen wirklich. Das unterscheidet die Vision von Jesaja auch konkret vom Wunsch nach schönen oder besseren Zeiten. Die bessere Welt ist kein Traum. Die Welt von morgen ist heute konkret.

In Christus verwirklicht sich Gottes Idee von einer besseren Welt – heute und hier. In Christus wird dieser Planet zum Stern Gottes, zum Glücksstern für mich, dort, wo ich ihn geschehen lasse. Es ist unsere Aufgabe, die Erde zum Ort Gottes zu formen, zu dem Platz, an dem sich seine Idee von der Welt verwirklichen kann. Wir sind dazu berufen, mit einem unsichtbaren Partner sichtbare Veränderungen zu gestalten. Dass es einfach ist, hat ja keiner gesagt. Die Welt von morgen ist heute schon da, und es ist unsere Aufgabe, sie nicht untergehen zu lassen in all den Schatten und Ängsten der Nacht.

„In unseren Fußstapfen, die gefüllt sind mit Tod“ wie eine Dichterin sagt.

Die Welt von morgen findet heute schon statt, in unserer Welt, in der es noch jede Menge Klagemauern und Friedhöfe gibt, in der die Grabsteine aber nicht das Letzte sind, sondern der Beginn, der Beginn der Welt von morgen.

 

 

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Heilige Zerrissenheit

Br. Markus – Römer 7, 14-25 a

Manche Menschen erwarten von ihrer Religion genau das Gleiche, wie von einem Schaumbad: Man legt sich rein und fühlt sich wohl drin. Mmmmm…. – tut richtig gut. Wenn möglich, mit Lavendelduft oder Maiglöckchen. Maiglöckchen geht auch. Es muss nur schön warm sein, gerne auch heiß, jetzt in der kalten Jahreszeit. Dafür hat man den Glauben doch, dass er einem gut tut – oder nicht? Man braucht schließlich was, an dem man sich aufrichten oder festhalten kann. Der Glaube soll hell sein, schön oder bunt, das Zerbrochene heilen, Tränen trocken und Freude bringen – oder nicht? Der Mensch braucht einen Traum, den er träumen kann, gerade wenn das wirkliche Leben so ganz anders ist. Da stört einer wie Paulus eher, wenn er darauf hinweist, dass der christliche Glaube etwas anders ist, dass er zwar Freude, Hoffnung und Licht bringt, aber eben auch heilige Zerrissenheit. Es geht um einen lebenslänglichen Konflikt, den Streit, der unverzichtbarer Bestandteil unseres Glaubens ist.

1. Zerrissen

15 Ich verstehe ja selber nicht, was ich tue. Das Gute, das ich mir vornehme, tue ich nicht; aber was ich verabscheue, das tue ich.

Es ist nie die Idee Gottes gewesen, den Menschen zu einem Zerrissenen zu machen, zu einem, der mit sich selber hadert und sich selber fremd geworden ist. Es ist eher eine Wirkung Gottes, dass der Mensch das Dunkle in sich bemerkt. Paulus ist einer, der mit felsenfester Gewissheit als Saulus andere verfolgt und gejagt hat, im festen Glauben, das Richtige zu tun. Je größer der Glaube an mich, desto kleiner der Glaube an Christus. Da ist es schon Christus selbst, der mein Trugbild über mich zerreißen muss. Je länger und gerechter ich lebe, umso größer die Gefahr, mich selbst falsch einzuschätzen. Das Dunkle in mir trägt oft einen Heiligenschein, und das ist das Tückische daran, das mich blendet und in die Irre führt. Wer ich bin und was gut ist in mir, stelle ich nicht selber fest, sondern das Gesetz des Guten, das von Gott, von außerhalb auf mich einwirkt.

Es gibt Schwerverbrecher, die sich für Gutmenschen halten, zum Beispiel Roland saß fast sein ganzes Leben wegen Raubmord hinter Gittern. Er sieht sich eher als ein Robin Hood, er habe nur deren Tresor ausgeräumt, die ohnehin zuviel hatten, sagt er. Paulus lügt sich selbst nicht in die Tasche, versucht sich nicht schöner zu machen, als er wirklich ist. Er lässt die Wahrheit Gottes über sich zu, die seine eigene Wahrheit über sich zerreißt. Nicht ich und mein Bauchgefühl, sondern das Gesetz Gottes entscheidet, was gut ist und was nicht. Das ist schmerzhaft und tröstlich zugleich, weil es nie einfach ist, eine wirklich objektive Bewertung zu finden. Im Kern ist es immer die Frage, ob ich selber bestimme, was gut und böse ist, oder es von außen bestimmen lasse.

Christus enthüllt mir die Wahrheit über mich. Das ist manchmal erschreckend und manchmal auch sehr tröstlich, in jedem Fall aber nicht meine eigene Einschätzung. Wer ich wirklich bin, entscheidet nicht nur das Gesetz oder nur mein Gewissen, sondern die darin gelebte Auseinandersetzung. Diese Christenpflicht nimmt Paulus wahr und erkennt die damit verbundenen Schwierigkeiten. Es geht nicht nur um den schlichten Konflikt zwischen Kopf und Bauch, die Zerrissenheit ist tiefer. „Das Gute, das ich tun will, tu ich nicht“ ist ja nicht nur ein christliches oder religiöses Problem.

Jeder Mensch kämpft mit sich im Konflikt von Wort und Tat. Mit oder ohne Religion ist es immer schwierig, das Gute, das ich tun will, auch zu tun. Eigentlich will doch jeder das Gute. Die Frage ist nur, was genau das Gute ist. Selbst wenn man das genau weiß, beginnt der Konflikt erst, das Gute in die Tat umzusetzen. Menschen ändern ihre Sichtweisen mit der Zeit oder den Erfahrungen, die sie machen. Gottes Gesetz bleibt, fordert heraus, in der jeweils neuen Situation neue Verwendung zu finden. Das ist unsere entscheidende Lebensaufgabe. Christus will dabei nicht immun machen, sondern dass ich noch erschrecken kann über mich, den Sünder. Es geht nicht darum, künstliche Zerknirschung über nicht vollbrachte Sünden zu üben, sondern die Sünde real einzuschätzen, die mich

2. Gefangen nimmt

„Deshalb werde ich niemals das Gute tun können, so sehr ich mich auch darum bemühe.“

Es klingt wie gescheitert, ist aber nur eine nüchterne Feststellung. Paulus kommt, wie Luther, an den gleichen Punkt wie Luther auf der Suche nach Gerechtigkeit. Es ist einfach nur die Feststellung, dass es selbst mit größtem Einsatz nicht zu schaffen ist. Ich kann und werde nie so sein, wie ich sein sollte. Die Sünde oder das Böse ist von mir nicht kontrollierbar. Das ist keine Ausrede oder Duckmäuserei. Sowohl Paulus als auch Luther haben sich ernsthaft damit auseinandergesetzt. Das Böse hat eine unbezwingbare Macht. Sie nimmt den Menschen gefangen – nicht nur in den ganz offiziellen Sünden wie Mord oder Totschlag. Das Böse schleicht sich auch und gerade in die frömmsten Übungen ein, um dort seine finstere Macht auszuüben. Gerade im Bemühen, ein gesetzestreues Leben zu führen, schlummert die Gefahr. Im Gefühl, ein besonders Heiliger zu sein, steckt viel mehr Finsternis, als man glauben kann.

Jeder Christ ist und bleibt eine Behausung der Sünde, auch wenn er noch so fleißig betet, singt und predigt. Diese evangelische Erkenntnis tut richtig weh, wenn man sie tiefgreifend verinnerlicht. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was mich vor Gott rechtfertigen könnte. Ich kann nicht, so sehr ich auch will. Ob ich will oder auch nicht, ich bin nicht in der Lage, vor Gott gerecht zu sein. „Wir sind allzumal Sünder“ formuliert Luther und mein eben damit diese finstere Macht, die lebenslänglich auf den Menschen einwirkt, immer im Konflikt, es eigentlich besser zu wissen. Die Sünde wohnt in mir, obwohl ich es besser weiß, auch in meinen frommen Aktivitäten. Es gibt keine religiöse Keimfreiheit, sondern immer nur Zwiespalt, Hin- und Hergerissensein.

Auch der frömmste Christ trägt in sich einen Zwang zum Unrecht, eine Regelmäßigkeit des Unrechts und eine Unentrinnbarkeit aus dem Unrecht. Es bleibt an einem kleben, so sehr man sich nach Freiheit sehnt. Es steht nirgends geschrieben, dass die Kirche sündlose Menschen macht. Christus hilft, die Sünde als Sünde zu erkennen und zu überstehen. Darin liegt auch die Grundlage, dass er

3. Befreit

Ich bin bereits befreit. So befinde ich mich in einem inneren Zwiespalt. Mit meinem Denken und Sehen folge ich zwar dem Gesetz Gottes, mit meinen Taten aber dem Gesetz der Sünde. Es gibt kein Christsein ohne diesen Konflikt – Auseinandersetzung zwischen Wort und Tat. Wer mehr verspricht, produziert Opium für’s Volk. Christsein ist immer Christsein in Zerrissenheit. Christus befreit nie von diesem inneren Konflikt, aber er befreit unseren Willen. Christus stellt unser Denken und Wollen in eine neue Abhängigkeit. Nicht meine Kraft und Größe entscheidet, sondern seine. Seine Größe gibt meinem Willen eine ganz andere Kraft. Mein Wille ist dann nicht mehr abhängig von meinem Körper, Charakter, Gedanken oder Gefühlen, nicht nur von meinen Fantasien oder Erinnerungen. Es ist ein neuer Wille, der nicht unterliegt. In Christus wird mein Wille in einen neuen Zusammenhang gestellt, in den Zusammenhang der rechtfertigenden Kraft. Das macht ihn stark, stärker als alles andere, was früher war, willensstark. In Christus lässt Gott meinen Willen zu einem freien Willen werden, der ja sagen kann zu einer helfenden Hand, die aus den Dunkelheiten des Lebens heraus hilft ins Licht der göttlichen Gegenwart.

Meine Zerrissenheit wird darin heilig, dass ich sie annehme, die helfende Hand, weil ich verstanden hab, dass ich Christsein gar nicht alleine kann. Ich muss mir dazu helfen lassen.

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Du darfst

– Br. Markus – Tim. 4, 4-5

„Einer geht noch“ ist so was ähnliches wie mein Lebensmotto. Nicht, was Sie denken, auch nicht die Sahnetorte, ne – es geht um den 7. oder 8. Kaffee. Die allermeisten Medizinmänner und –frauen um mich herum warnen mich eindrücklich. Es sei nicht gut für mich und überhaupt müsse man weniger dies oder das esse oder trinken, wolle man an seinem 182. Geburtstag noch richtig fit sein. Gegrilltes auf keinen Fall! Zum persönlichen Wohlbefinden gehöre die vegane Glückskapsel, die einen richtig fit und zufrieden macht, erhältlich in Ihrer Internetapotheke – sagen sie. „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut.“ sagt der heutige Predigttext und durchbricht damit viele Einengungen, die Menschen sich machen, nicht nur ernährungstechnischer Art. Es geht dabei nicht um einen Freibrief für ungebremste Völlerei oder um einen Psycho-Power-Plan. Es geht um eine grundlegende Lebenseinstellung, die viel mit Genießen zu tun hat.

Es geht um unseren Schöpfungsauftrag, Gott zu genießen, das Leben zu genießen und alles, was er geschaffen hat.

 

1. Weil ich ein Geschenk bin

Alles, was Gott geschaffen hat

Es ist immer eine Frage von unserem Selbstverständnis. So manch eine Depression wurzelt in der Erkenntnis, dass der Mensch ein dummer Zufall kurz hinter Affe & Co. ist. Wenn ich meinen Planeten und mich als dummen Zufall verstehe, muss ich mich logischerweise selbst als Zufallsprodukt begreifen, beliebig, als gute oder weniger gute Laune der Natur. Das prägt mich, mein Selbst, mein Denken, mein Leben. Entdecke ich mich selbst als Gottes Absicht, als geliebtes und gewolltes Wesen, sieht die Welt ganz anders aus. Nicht umsonst ist die Frage nach den eigenen Wurzeln immer prägend für ein Leben. Sie und ich, wir sin  Gottes Absicht, winziger Teil jenes unendlichen Alls, Teil des Ganzen, Teil von allem, was Gott geschaffen hat. Ich bin Gottes Geschenk – nicht nur so, für sich allein und zum Selber-dran-freuen, das sicher auch, aber nicht nur. Ich bin für mich gemacht, aber auch für die anderen, für diese Welt, für alles, was atmet und lebt um mich herum und zuallererst auch für Gott. Ich bin nicht einfach nur so, egal woher ich komm und wohin ich geh, sondern ich bin konkret, so, wie nur ich bin, rede oder denke, für ein konkretes Ziel, zu sein. Die Erde ist um ein unverwechselbares Exemplar reicher, schöner und wertvoller durch mich. Zugleich ist sie dadurch auch schwieriger, nerviger und anstrengender geworden. Das macht aber nix, denn ich bin in ihr Teil eines mich übertreffenden Plans. Gott will mich, mich allein, so wie ich bin, um Teil von allem zu sein, alles zu machen, zu formen und zu wagen.

Ich bin ich – das kostet nix, weil es Gottes Geschenk an mich und die Welt ist. Ich darf, ohne zu zahlen, sein. Der Glaube an Gott hilft mir, das zu erkennen, Gottes Handschrift in mir zu sehen, mich selbst so zu begreifen und daraus eine der wichtigsten Lebenseinstellungen zu entwickeln: die Dankbarkeit. Ich bin ein Geschenk – das ist wirklich unglaublich, aber wahr. Auch wenn ich mich nicht wie ein Geschenk anfühle, ist es Gottes Wahrheit mit mir. Selbst, wenn ich im Knast ende oder am Galgen, bin ich Geschenk, auch dann, wenn ich es im Sarg noch nicht begriffen habe. So wie ich ist sonst keiner. Das ist so Gottes Absicht. Das ist das total Verrückte daran, und dass ich es entdecken und glauben und genießen kann.

Deshalb

2. Genieße ich

Alles ist gut, nichts ist schlecht.

Nur wer sich selbst genießt, kann Gottes Schöpfungsauftrag wahrnehmen. Wer mit sich selber nicht im Reinen ist, vollbringt möglicherweise beachtliche, moralisch einwandfreie Leistungen, es bleibt aber eine Art Krampf. Gott will für Genießer sein. Er will Lebensfreude und Genuss. Dankbarkeit lässt sich nicht befehlen, und Gott will sie nicht befehlen. Dankbarkeit ist eine Empfindung, die man spürt, aus der man lebt oder eben auch nicht. Es geht um eine wahrhaftige Grundeinstellung, nicht um anerzogene äußerliche Höflichkeit. Es ist zuallererst wichtig, Gott zu genießen, bevor man dafür Danke sagen kann. Wäre es kein wirkliches Empfinden sondern nur anerzogene Höflichkeit, bliebe das Ganze eine wertlose Hülle. Dankbarkeit ist das Ziel, Dankbarkeit das Programm.

Alle Religionen dieser Welt, auch die moderne Psychologie, sind sich da einig, dass der dankbare Mensch glücklicher und besser lebt, als der undankbare. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es aber den Unterschied. Es ist richtig, wir können nicht gleichzeitig wütend und fröhlich sein. Wenn wir jetzt die zehn schönsten Momente der letzten Woche aufschreiben, können wir damit tatsächlich die 50 unschönen Momente in den Hintergrund drücken, durch Fixierung auf das Angenehme das weniger schöne verdrängen. Moderne Psycho-Power-Pläne funktionieren so – und genau da ist der Unterschied, in den unangenehmen Dingen, die genauso da sind wie die angenehmen. Ich esse ein tolles Menü in einer Welt, an deren Unterkante Menschen hungers sterben. Ich genieße meine Freiheit in einer Welt, in der andere hinter Kerkermauern umkommen. Der eine erbt das große Vermögen und der andere einen Berg Schulden.

Wenn mich das böse Schicksal trifft, ist ein Psychoprogramm zu wenig, um mich wirklich dankbar zu machen. Ich finde nichts mehr, was gut und angenehm ist, mit dem ich das Unangenehme übertrumpfen könnte. Die raue Wirklichkeit zwingt mich zum Duell mit ihr. Die Dankbarkeit in Gott zeigt eben darin ihre große Kraft, dass sie gerade inmitten einer kaputten und zerstörten Welt überlebt. Schon klar, die glücklichsten Menschen der Erde leben in Dänemark oder Norwegen, wo es schon gewissen Wohlstand gibt. Dort, wo es angenehm zu leben ist, fällt es leichter. Die Dankbarkeit gegen Gott findet ihren eigenen Weg, versucht in schwer zu verstehenden Schwierigkeiten, Gottes Absicht darin zu finden – eben, weil wir wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, sondern auch ganz anders sein kann.

„Die Kuh sagt nicht danke zum Gras.“ sagt ein Sprichwort aus Haiti – weil sie davon ausgeht, dass es selbstverständlich ist, dass Gras da ist. In der Dankbarkeit gegen Gott wird man aufmerksamer für die scheinbar selbstverständlichen Dinge. Wenn die Ernte verbrannt oder verdorrt ist, muss einem klar werden, dass reicher Ertrag und pralle Früchte nicht selbstverständlich sind. Ein gelungenes Leben, eine lange Freundschaft, eine intakte Familie sind ja nicht selbstverständlich. Es kann eben auch ganz anders ausgehen, anders, als geplant.

Wer die Zuwendungen Gottes genießt, merkt, dass überhaupt nichts selbstverständlich ist und man überhaupt kein Recht auf irgend etwas hat, erst recht nicht darauf, erfolgreich, schön oder gesund zu sein.

Wer Gott genießt, wird

3. Für alles dankbar

… nichts ist schlecht, für das wir Gott danken.  Durch das Wort Gottes und das Gebet wird alles rein

Christliche Dankbarkeit wird immer konkret, wirkt sich im Leben aus, nicht nur darin, dass wir an Erntedank ein paar dicke Birnen oder Kürbisse auf den Altar legen und alles hübsch dekorieren. Das soll so sein und ist `ne tolle Sache, wenn pralle Beeren und reife Früchte gute Laune machen. Dankbares Genießen bleibt dabei aber nicht stehen. Es findet Ausdruck im Gebet. Unser Gespräch mit Gott soll nicht nur die Adresse sein für unseren Dank, sondern zugleich die Prüfstelle für das, was gut ist und was nicht. Wie viel gut ist und wie viel nicht, entscheidet sich in diesem Wortwechsel. Unsere Dankbarkeit bleibt nicht auf sich selbst gerichtet, sondern blickt hinaus, weitet den Blick für die Welt. Wer Gottes Sympathie genießt, genießt nie wortlos, sondern genießt fragend – zum Beispiel: Wie viel Porsche brauche ich, wenn anderswo auf der Welt noch Kamel geritten wird. Oder wie viel Armani oder Gucci muss sein, um mit den Unbekleideten und Frierenden dieser Welt noch mithalten zu können. Alles darf ich genießen, was sich betend genießen lässt.

Das ist berauschend viel wie auch erschreckend wenig – je nach dem, wo ich stehe. Ich darf und soll Genießer sein, Genießer der göttlichen Großzügigkeit. Mein Genuss soll ein heiliger Genuss sein – von allem und mit allem. Das weitet mich aus und engt mich ein durch mein Dankgebet, das ich spreche und lebe. Ich darf … – die faszinierende Freiheit genießen, soviel zu naschen, wofür ich noch guten Gewissens danke sagen kann. Das ist mehr, als ich glauben kann, und weniger, als ich vermag.

Ich entscheide selbst, wie viel und was. Es kann die doppelte Portion sein oder das halbe Maß, es kann alles oder nichts sein. Solang ich dafür noch danke sagen kann, darf ich das, weil: alles gut ist, was Gott geschaffen hat.

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Es findet im Kopf statt

-Br. Markus – 1. Mose 4, 1-16

Nach dem gewaltsamen Tod eines 10 Jahre alten Mädchens in Mannheim sitzt die Mutter in Untersuchungshaft. Es besteht der dringende Tatverdacht, dass die 38-jährige ihre Tochter in der Nacht zum Freitag in ihrer Wohnung mit mehreren Messerstichen getötet habe.“ teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.
Mord – es gibt Fälle, da kann man es vielleicht verstehen, in anderen eher nicht. Was läuft schief zwischen zwei Menschen, dass man sich nicht anders zu helfen weiß, als den anderen auszuknipsen, wie man eine lästige Schnecke zertritt?

Kain und Abel – der Brudermord, Mord aus niedrigen Beweggründen (auf einmal bist du nicht mehr da.) Ein Moment, in dem ein Mensch glaubt, unbeobachtet zu sein, tun und lassen zu können, was er selber will, allein.

1. Schuld, die wirklich Schuld ist

Kain schlug seinem Bruder vor: Komm, wir gehen zusammen auf’s Feld. Als sie dort ankamen, fiel er über Abel her und schlug ihn tot.

Hinterhältig, brutal und gemein – ein Mensch ist tot, auf unnatürliche Weise um’s Leben gebracht, kalt gemacht. Gott selbst sei schuld, sagen die Atheisten. Es gäbe keinen vernünftigen Grund, das Opfer von Kain anders zu behandeln, als das von Abel. Wenn es keinen Gott gegeben hätte, gäb es keinen Brudermord. So ganz ohne Gott wär  die Welt dann in Ordnung. Tatsache ist, dass heute noch, mit oder ohne Gott oder irgendwelche religiösen Überzeugungen, gemordet wird. Völkermord – Massenmord- Rufmord – Brudermord – Abtreibung und Krieg – Tötung auf Verlangen.

Man muss also ziemlich naiv sein, wollte man Gott die Schuld für diesen Mord geben, der in einer Zeit passiert, in der das Gebot „Du sollst nicht töten“ noch nicht geschrieben steht. Woher sollte es der Bauer also wissen? War er etwa im rechtsfreien Raum? Ist er da nicht unschuldig, wenn er vom Gebot nichts weiß? Wenn es Gott nicht gibt, gibt es ja auch das Gebot: Du sollst nicht töten!  – nicht. Ist so eine Welt dann besser? Schuld ist Schuld. Schuld bleibt Schuld – dort, wo sich ein Einzelner Rechte herausnimmt, die höher zu sein scheinen, als die Rechte der anderen. Schuld ist keine Erfindung der Kirche. Schuld ereignet sich von selbst – vollautomatisch –   überall dort, wo Menschen sind, miteinander unterwegs. Schuld entsteht nicht nur im Missachten göttlichen Gebots, sondern auch im Missachten des anderen, in der Überbetonung meiner selbst. Es ist das Phänomen von Sünde, das die Bibel „böse“ nennt, das Menschen zu dem macht, was sie eigentlich nicht sind: mordende Bestien. Schuld ist Schuld – wo einer übergriffig wird, aus welchen Motiven auch immer. Spätestens, wenn einer tot ist, lässt sich nichts mehr diskutieren. Der Tod ist endgültig – das ist nicht gut.

Gott allein nimmt sich heraus, Rechte über Leben und Sterben zu besitzen, Herrscher über Leben und Tod zu sein. Jeder Eingriff in dieses Gottesrecht ist Schuld. Ich hab auch noch niemand kennengelernt, der sich gefreut hat, im Krieg auf jemand schießen zu dürfen. Wer das wirklich hat müssen, hört sich ganz anders an, wird von Gott auch anders bewertet. Im wirklichen Leben ist kein Platz für Ballerspiele. Die Schuld, die Gott bei Kain reklamiert, ist aber nicht der Mord, sondern, dass er seine Bestimmung verfehlt hat. Gott hätte von Kain sehen wollen, dass er über seine Mordlust hätte herrschen können. Der erste Schöpfungsauftrag ist Herrschaft über die Sünde. Dieser Knochenjob ist bis in unsere Tage Gottes Idee.

Genau dieser Prozess findet im Kopf statt. „Macht euch die Erde untertan“ heißt nicht, dass man sie ausbeute, sondern zu allererst, sich die niedrigen Beweggründe untertan zu machen. Beide Brüder sind dazu geboren, über das eigene Empfinden zu herrschen. Die Schuld, die wirklich Schuld ist, kreidet Gott dem Kain dick an: dass er sich nicht beherrschen kann, dass er ein Sklave seiner Wallungen, seiner Mordlust ist. Das ist es, was Gott bei Kain anmahnt. Der Gedanke daran hat bei Gott das viel höhere Gewicht, als die Tat selbst.

Damit sind wir bei

2. Dem Killerfaktor Gefühl

Da wurde Kain zornig und starrte mit finsterer Miene vor sich hin.

Es fühlt sich eben schlecht an, wenn man zurückgesetzt wird. Das geht allen so. Was passiert denn, wenn Gott unser Opfer verschmäht? Das fühlt sich an wie Zurückweisung – und wer von uns wäre stark genug, Zurückweisung zu ertragen?

Ich habe schon Kunden erlebt, die wurden von der Frau mit dem Blumenstrauß zurückgeschickt, den sie für sie mit bester Absicht gekauft hatten. Wenn da keine Mordlust aufkommt, muss einer als Kühlschrank geboren sein. Kein Mensch kann Zurückweisung wirklich ertragen. Ich kenne keinen. Da gibt man sich Mühe und kriegt ne kalte Dusche als Dank – na Mahlzeit. Irgendwie doch normal, dass da Mordlust aufkeimt. Gekränkte Gefühle, Konflikt zwischen Kopf und Bauch. Es geht um die Schmetterlinge im Bauch, die den Menschen auf die höchsten Höhen tragen oder in die tiefsten Abgründe stürzen können. Die Schmetterlinge von Kain waren eher mörderische Falter. Gefühl – gerade darin unterscheidet sich christliche Weltanschauung vom radikalen Feminismus: in der Bewertung des Gefühls. Gefühle haben alle, Männer wie Frauen gleichermaßen. Der Feminismus predigt: Tue, was Dein Bauchgefühl sagt. Die Bibel will etwas mehr. Sie will nicht nur Gemeinsamkeit von Verstand und Gefühl, sie will darin eine Hierarchie. Gott will den Mensch auch nicht als trockenen Verstandesmensch, sondern als einen gut Ausbalancierten zwischen Gefühl und Verstand.

Den Schöpfungsauftrag kann nur der wahrnehmen, dem Beherrschung von Sünde gelingt – zuerst in einer klaren Hierarchie von Kopf zu Bauch. Selbst wenn man das Gute wirklich will, muss man’s ja erst noch zur Tat werden lassen – was manchmal noch viel schwieriger ist. Kain gibt seinen Gefühlen nach. Er lässt seinen Frust herrschen, schreitet gefühlsgeladen zur gefühlsgesteuerten Tat. Es ist ein unsichtbarer Vollzug, der aus Menschen Mörder macht.

Dabei muss es nicht immer nur Mord sein. Die Angst, zu kurz zu kommen, am Ende der Dumme zu sein, ist nur eine der vielen Panikattacken, mit der der eine oder andere sein Leben hoffnungslos in den Sand gesetzt hat. Sichtbarer Schaden aufgrund unsichtbarer Gedanken – sie finden im Kopf statt.

Nicht umsonst sagt Christus in der Bergrede, daß schon die Sünde in Gedanken Sünde ist, weil sie die Tat bereits kalkuliert, der Handlung vorauseilt. Ein Reinschliddern in irgend etwas kennt die Bibel nicht, weil Gott um die Bauart des Menschen weiß. Gott weiß, dass der Mensch Hirn hat. Gott weiß, dass der Mensch Schmetterlinge im Bauch hat. Gott weiß, dass man beides bewusst und sinnvoll verbinden kann. Deshalb lässt er oberflächliche Ausreden nicht zu. Die Gedanken sind eben nicht frei. Der Gedanke an Mord führt eben nicht zur Sozialarbeit im Krankenhaus, sondern zum Mord. Nur dem Menschen, dem es gelingt, zuzugeben, dass der Gedanke an eine kleine Schlitzohrigkeit die wichtigste Grundlage zu deren Umsetzung ist, kann ernsthaft etwas dagegen tun. Es gibt einen Zusammenhang vom Plan zur Tat. Es geht der Bibel dabei nicht um blütenweißes Denken oder eine gläserne Fantasie. Gott will ein völlig neues Kopfklima. Gott will eine klare Verantwortung für unsichtbare Schaltungsvorgänge in unserem Kopf. Gott will den Mensch nicht mit einer klinisch sterilen Gedankenwelt, aber er will Hygiene des Denkens. Er will, dass wir bewusster denken und bewusster fühlen. Beherrschtes Denken ist ein Schöpfungsauftrag.

Gemeint damit ist die richtige Flugbahn für die Flügel der Fantasie. Man kann sie schwingen, um dem anderen eine Freude zu bereiten, oder um ihn zu hintergehen. Man kann vertrauen oder beargwöhnen. Man kann bauen und pflanzen oder abmurksen. Der Frühling im Hirn findet dann statt, wenn es gelingt, die mörderische Bahn zu unterbrechen, auf der die Mordlust fährt. Vor Gott ist sie offenbar: Unsere inneren Vollzüge, alles Denken, Planen und Streben, das, was uns zum Tun treibt, was uns wirklich bewegt, was sonst keiner sieht. Der Mord offenbart Kain’s Mordgedanken.

Er findet vor Gott eine harte Strafe, aber auch

3. Gottes Rechtsschutz

Gott tötet den Mörder nicht. Er schaut aber auch nicht tatenlos zu. Er lässt den Dingen nicht einfach ihren Lauf. Er hat eine Antwort. Seine Reaktion ist harte Strafe wie Rechtsschutz zugleich. Er sperrt den Mörder nicht ein, sondern aus – aus menschlicher Gemeinschaft. Zum Ruhelosen, Schweifenden, Umhergetriebenen und Heimatlosen soll er werden. Zum anderen soll er unantastbar sein durch ein sichtbares Zeichen, das Gott an ihm setzt. „Das vergossene Blut deines Bruders schreit von der Erde zu mir.“ sagt Gott.

Vor einem irdischen Gericht wär da gar nichts passiert, denn wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter. Für Gottes Justiz gilt eine andere Betrachtungsweise. Das Unheil, das geschieht, klagt sich selbst an. So gibt es keine Schreie, die ungehört verhallen – auch dann nicht, wenn die Welt das anders wahrnimmt. Der Gott, der unser Denken bewertet, sieht und erlebt alle kleinen und versteckten Tode, die gestorben werden – hinein bis in unsere Zeit. Er sieht, was geschieht, verzichtet nicht auf Strafe, weil Strafe für ihn mehr ist als gesellschaftliche Rache. Sein Strafvollzug ist immer ein Vollzug auf Hoffnung, die trotz allem eine Zuwendung ist. Gott geht über den berechtigten Wunsch nach Genugtuung einen Schritt hinaus. Er lässt den Täter leben – wenn auch nicht ungestraft.

In dem Lebenlassen steckt bereits in den Anfängen der Bibel ein Schatten von der Gnade, die Christus heißt. Gott lässt leben, weil er lebenslängliche Umkehr will. Gott lässt leben, weil er lebenslange Besinnung will. Gott lässt leben, weil er lebenslänglich an uns glaubt. Indem der Mensch sein Unrecht als Unrecht akzeptiert, liegt die einzige Möglichkeit für eine gemeinsame Zukunft. Allein in der Kraft des auferstandenen Christus kann der Schöpfungsauftrag gelingen, die Mordlust zu besiegen, wenn sie in uns aufsteigt. Das findet nicht nur im Kopf statt, sondern auch und gerade in der Eucharistie, in der das, was im Kopf stattfindet, eine völlig neue Richtung findet.

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Eine stumme Glocke soll wieder läuten

Es freut mich sehr, dass „betterplace.org“ unserem Glockenprojekt eine Stimme gegeben hat. Über Deutschlands größte Spendenplattform ist es nun möglich, alle Aktionen zur Sanierung unserer großen Gott-Vater-Glocke mitzuverfolgen und kräftig zu unterstützen.
Als erstes soll das massive Eichenholz für das Joch angeschafft werden, an dem die Glocke wieder hängen wird. Dazu haben wir gerade jetzt ein Angebot für das geeignetste Material, für das wir die ersten 7.000 Euro dringend benötigen. Es ist ein Holzbalken, der die optimalen Voraussetzungen mitbringt, um dauerhaft den Anforderungen einer schwingenden Glocke mit 7 Tonnen gerecht zu werden. Solch ein geeignetes Holz ist nicht jederzeit verfügbar.

Wir danken all denen, die sich schon mit engagiert haben, dass ein geschichtsträchtiger Klang wieder seine Stimme erheben kann.

www.betterplace.org/p64427

 

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Weil ich das kann

-Br. Markus  – Jeremia 1, 4-10

Ausreißen und einreißen – Zerstören und verderben – Bauen und pflanzen

Wer von uns wollte so einer sein? Als Gärtner weiß man, wovon man spricht, aber wie ein Lebenstraum hört es sich nicht an. Bauen und pflanzen wohl schon, aber zerstören und verderben – kann so was ein Auftrag, eine Bestimmung Gottes für mich sein? Passt das zu mir, meinem ganz persönlichen Traum, zu meinem Lebensplan, ein Zerstörer und Verderber, eine Ausreißerin und Einreißerin zu sein? Wohl kaum. Ich könnte das nicht“ sagen die meisten – weil da auch Angst ist, Angst, so ganz anders sein zu müssen als ich gern wäre oder meine zu sein, Angst vor dem fremden, ganz anderen Plan für mein Leben. „Ich kann das nicht“ sagen viele und beenden da schon den Plan Gottes für ihr Leben, bevor er überhaupt angefangen hat.

Der Prophet Jeremia tickt anders, nicht nur ein bisschen. Er lässt sich auf das größte Abenteuer ein, das ein Leben zu bieten hat, auf eine Berufung durch Gott.

Die wahre Kirche besteht in der Erwählung und Berufung durch Gott“ sagt Martin Luther (Tischreden).

1. Ich kann gemeint sein

Heutzutage erlebt man Berufungen ja eher nicht. Das liegt nicht daran, dass Gott nicht spricht, sondern daran, dass man ihn nicht hören will, lärmpegelüberdröhnt.  Berufung braucht zuallererst ein offenes Ohr. Wer leise Bedingungen tief in sich stellt, muss sich nicht wundern, wenn Gott nicht spricht. Gottes Wort scheitert nicht an ihm, sondern an mir, an der Mauer in mir, an der Grenze meiner Vorstellungskraft. Berufung kann nur erleben, wer auf Berufungsbedingungen verzichtet. Wer die Stimme Gottes hören will, muss sich total befreien von allen persönlichen Voreingenommenheiten. Gott redet eher selten zu verspannten, verpeilten und verplanten Menschen. Er braucht ein offenes Ohr, einen Menschen, der für ihn bereit ist. Berufung ist ja nicht ein einmaliges Ereignis, das mich irgendwann trifft. Berufung ist ein Lebensprozess, der sich laufend ereignet, lebenslänglich. Ich kann gemeint sein, heute noch, heute wieder, schon wieder, trotzdem und überhaupt. Ich bin gemeint. Gott hat eine Idee für mich, einen schlauen Plan, wer ich bin oder sein könnte, was mein Job  ist hier auf diesem Planet. ER meint mich, um mit mir, für mich und alle anderen einen Weg zu finden, der gut für mich ist und die Welt, die mich umgibt.

In Jeremia sieht Gott den Prophet. 25 Jahre alt ist er zum Zeitpunkt seiner Berufung. 25 – schüchtern, zurückhaltend, 650 vor Christus, als Sohn eines Priesters geboren. Man sagt, dass er sensibel sei. Die Berufung, die ihn trifft, passt nicht in sein Persönlichkeitsprofil, ist alles andere als bequem, also kein Traumjob bei Gott und Co. „Nur ein toter Prophet ist ein guter Prophet“ sagen die Machthaber dieser Zeit und meinen das auch so. Selten sterben Propheten zu dieser Zeit eines natürlichen Todes. Den Lebenslauf vieler Propheten ziert ein saftiges Vorstrafenregister mit regelmäßigen Knastaufenthalten. Neben der äußeren Gefahr durch den Staat ist da noch der Konkurrenzneid durch den Priesterstand. Freiberuflicher Prophet in Israel – das ist vergleichbar mit dem Sozialprestige eines Zeugen Jehovas oder abgemusterten RAF-Mitglieds.

Jeremia wird von Gott nicht zum Nichtstun berufen, sondern zu einem miesen, lebensgefährlichen Job. Völlig spaßbefreit scheint Gottes Idee für Jeremia. Die Berufung, die hier geschieht, ist eben keine Entrückungsgeschichte in eine bessere Welt, sondern es ist ein Ruf in den Konflikt mit dieser Welt und was in ihr so danebengeht – bretthart und gemein,  mit aller Kraft, die zur Verfügung steht.

„Ich kann gemeint sein“ sagt Jeremia

2. Ich kann vertrauen

Sage nicht „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen alles, was ich dir gebiete (…) Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 

Berufung ist Vertrauenssache zwischen mir und Gott. Es gibt keine Sicherheiten. Wer Sicherheit sucht, sucht vergebens. Gerade, wo felsenfeste Gewissheiten und unumstößliche Überzeugungen herrschen, ist umso mehr die Frage, wie viel lebendiges Gotteswort sich ereignet. Berufung lässt sich nicht planen wie ein VHS-Abendkurs. Es ist ein energiegeladenes Geschehen zwischen Gott und mir, geprägt durch Vertrauen. Vertrauen allein bestimmt die Tonart. Wer Zertifikate braucht, geht leer aus. Gott gibt sein Wort in den Mund eines Menschen. Er vertraut seine Botschaft Menschen an, die dafür überhaupt nicht qualifiziert sind. Jeremia ist nicht zertifiziert zum Diplomprophet, ist eher eine Wüstenblume als ein Beamter. Gott vertraut sich ihm an. Der Schritt Gottes auf mich zu ist wesentlich riskanter als meine Entscheidung auf Gott zu. Fest steht, dass es für keinen von beiden einfach ist. Es geschieht im Vertrauen allein.

Gott vertraut mir, also kann ich es wagen, ihm zu vertrauen. Was passiert, wenn ich ihm vertraue, und was nicht, ist immer Vertrauensrisiko. Deshalb kann auch der Glaube nie Sicherheit sein, weil ich, der Glaubende, höchst riskant für Gott bin. Nicht selten verunglückt der fromme Mensch an Gottes Seite. Nicht selten sind fromme Menschen enttäuschend vor Gott. Er geht das Risiko ein. Gott riskiert, sein Wort durch Menschen sprechen zu lassen, durch enttäuschende Typen. Das ist mindestens so riskant wie die Besteigung des Nanga Parbat. Es gelingt im Vertrauen allein, dass es ernsthaft geprüft, sorgfältig behandelt und mit Bedacht weitergegeben wird.

„Ich bin zu jung“ sagt Jeremia. Große Verantwortung lastet auf ihm. Wort Gottes zu predigen ist auch nicht wesentlich leichter geworden seit damals. Heute noch Last der Verantwortung – Wort für Wort. Berufung geschieht im Vertrauen. Gott vertraut mir eine Aufgabe an, nicht ich suche mir eine aus. Er kennt mich besser als ich mich. Es steht nirgends, dass die Lebensaufgabe, die Gott mir stellt, einfach, angenehm oder harmonisch ist. Gott fordert heraus, aber er überfordert nicht, er entfaltet, aber er überzieht nicht. Das kann sich streckenweise aber anders anfühlen. Gott vertraut mir, dass mein Vertrauen wachsen kann in dem Maß, in dem ich es wage zu vertrauen. Er hängt mich nicht hin, aber er mutet mir Schwierigkeiten zu, darauf vertrauend, dass ich es kann. Gottes Berufung ereignet sich immer im Schatten meiner Angst. Es ist nicht nur die Angst, zu jung zu sein. Es kann genauso die Angst sein, es nicht mehr zu schaffen, die Angst, zu wenig Zeit zu haben, die Angst, überfordert zu sein, zu wenig ausgebildet, begabt oder begütert zu sein, die Angst vor dem Scheitern, dem Verrat, oder ausgelacht, zu oft enttäuscht oder übervorteilt worden zu sein, die Angst, auf die falschen Leute gehört zu haben. Gottes Ruf ist immer begleitet von Angst. Das wird sich nie ändern. Er ist aber genauso eingebettet in Gottes Treueversprechen, lässt sich aber nur erfahren, wo man es wirklich riskiert, im Vertrauen wagt, im Vertrauen allein.

Gott wagt es mit mir. Den Mut hätte ich nicht gehabt. Es gibt also keinen Grund mehr für mich, es nicht mit ihm zu wagen. Auch wenn mir die passenden Worte fehlen, kann ich es wagen, Gottes Prophet zu sein, weil es nicht meine, sondern seine Worte sind, die ich übertragen soll. Für jede Berufung gilt das Prinzip des Vertrauens in Gott allein. Ich kann darauf vertrauen, dass Gottes Worte die richtigen sind, auch dann, wenn sie mich in Schwierigkeit bringen, wenn ich sein Bote bin.

Der Gott, der mich riskiert, vertraut auf mich, daß ich ihn so weit verstehen kann.

3. Ich kann dabei ich selber sein

Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Gott hat für mich eine Idee, einen Plan, der sicher anders als meiner ist, was aber nicht heißt, dass er mich mir selbst entfremden wollte. Er will Beweglichkeit zwischen uns, zwischen Gott und mir. Er will meine Inspirationsquelle sein, frische Lebensidee. Im Vertrauen zwischen Gott und mir geht es nicht immer darum, was für mich wünschenswert ist oder nicht, sondern vor allem, wie Gott sich verwirklicht unter uns und durch uns. Das fordert mich heraus zur Beweglichkeit in Gott. In Christus beruft Gott zum Priestertum aller Gläubigen, zur Lebensaufgabe, die größer ist als mein eigener geistiger Wendekreis. Das fordert mich heraus, jeden Tag neu zu erlernen, was meine Berufung ist und was nicht. Lebendige Auseinandersetzung im Vertrauen – Christus befreit vom Zwang, mir selbst zu genügen. Ich genüge in Gott. Nicht meine, sondern seine Worte erlösen die Welt. Es genügt, wenn einer, der dazu beauftragt ist, diese Worte spricht. Jede Lebensentscheidung ist und bleibt Risiko. Berufung ist dementsprechend riskant, aber bereichert durch eine göttliche Garantie. Darin schlummert gewaltige Energie, gibt mir die Kraft, ganz neue Wege zu gehen, neu aufzubrechen oder woanders anzukommen oder auch zu verharren. Der Weg, den Gott in mir sieht, ist der größtmögliche Weg, den ein Mensch gehen kann, breiter noch als die Autobahn. Er steckt voller Dynamit des Lebens. Gott ruft über die Grenzen meiner Vorstellungskraft hinein in neue Welten und Horizonte.

Ich kann das sowieso nicht, aber ich kann mich bewegen lassen zu ihm. In Christus ist es weniger die Frage, ob und was ich kann als vielmehr die Frage, was Gott in mir bewegt. Ich kann alles, was Gott in mir sieht. Weil ich das kann, kann ich sogar predigen, wenn ich nicht dazu tauge (sieht man ja an mir).

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Goldberg-Variationen als Silbermannklänge

Das besondere Musik-Ereignis:

Als „Höhepunkt der barocken Variationskunst“ und „eine der schwierigsten Klavierkompositionen“ gelten sie, die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach, ursprünglich komponiert für Cembalo, häufig interpretiert von berühmten Pianisten.

Dieses Meisterwerk eines großen Komponisten auch mit der Orgel als Königin der Instrumente kreativ zu entfalten, hat sich Felix Hell, Weltklasse-Konzertorganist aus den USA, zum Ziel gesetzt.

Am Sonntag. 22. Juli 2018, bringt er es in eigener Bearbeitung auf der nach Gottfried Silbermann disponierten Orgel der EBK-Blumenmönche zum Klingen.

Das Konzert findet um 17 Uhr in der EBK-Klosterkirche, Schubertstr. 18, 72581 Dettingen/Buchhalde  statt, der Eintritt ist frei.

https://xn--ebk-blumenmnche-jtb.de//Aktuell/veranstaltungen.aspx

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