Wieder Danke sagen

Spendenaktion Gott-Vater-Glocke

Eine Glocke, die nicht mehr läutet ist wie ein Mensch, dessen Herz aufgehört hat zu schlagen.

Seit Dezember 2017 ist die Gott-Vater-Glocke in der Buchhalde stumm. Der warme, tiefe Klang, der sich nachmittags um drei Uhr über das Ermstal und die Albränder ausbreitete, schweigt aus Sicherheitsgründen. 20 Jahre treuer Dienst, machten dem Glockenjoch zu schaffen. Ein Materialfehler schwächte den Trägerbalken, an dem die 7 Tonnen schwere Glocke hängt. Das Joch bog sich durch und bildete Risse, so dass Läuten nicht mehr möglich war. Somit schweigt ein Dettinger Wahrzeichen und die viertschwerste Glocke von Württemberg.

Die Gott-Vater-Glocke ist eine Liebeserklärung an einen großen Gott. Die Blumenmönche läuteten täglich das „ich mag dich ja so“ in die Region, um den zu ehren, dem sie alles verdanken. Diese Glocke will einfach aber kraftvoll Danke sagen. Anbetung ist die stärkste Reaktion des Glaubens, die höchste Form der Verehrung, die dem Schöpfergott vorbehalten ist. Es ist noch mehr als ein traumhafter Rosenstrauß mit hundert langstieligen roten Rosen. Wenn solch eine tiefe, gehaltvolle Glocke schwingt, ist es wie beim großen Halleluja von Georg Friedrich Händel, bei dessen ersten Aufführung der englische König sich erhob und seine Krone ablegte.

Wo eine Glocke schweigt, schweigt die Botschaft, die sie eigentlich hinaustragen möchte. Für niemand erklingt mehr das, was diese Glocke zu sagen hat. Diese Glocke soll nicht den Frieden oder die Freiheit, sondern Gott selbst hinausläuten.

  

Gott ist – Gott war – Gott schafft

Dies bedeutet höchste Bewegung und Aktivität. Gottes Schaffen – bestätigt durch seine Schöpfung, voll Harmonie, in unendlicher Fülle – alles wohl durchdacht. Nichts hat ER dem Zufall überlassen. Gott klingt mit, wenn diese Glocke läutet.

* eine gewaltige Glocke (ca. 2 m hoch und ca. 2 m Durchmesser) weil Gott in seiner Größe überwältigend ist.

* einen tiefen, warmen Ton, weil Gottes Barmherzigkeit umfängt, unterfängt.

* die schwere Rippe (6.940 kg) damit Gottes kraftvolles Wirken weit und stark gehört wird.

Sieben Tonnen Erz in Form einer schwäbischen Gloriosa sind nur ein Versuch, „Danke“ zu sagen. Danke für Leben und Erleben an der Seite eines unsichtbaren Genies: Gott! Mit der Glocke klingt die Gewissheit, dass Gott lebt, liebt, schenkt, segnet, begnadet, heilt und erlöst. Alle Inschriften bezeugen einen aktiven, einen kämpferischen Gott, der sich das Konzept nicht aus der Hand nehmen lässt, auch in heutiger Zeit nicht.

Gott redet:ER mischt sich ein, ER hat nicht resigniert, ER ist nicht im Laufe der Geschichte verstummt, ER lässt den Dingen nicht ihren Lauf.

Gott hört: ER ist dabei, in allem als Gegenüber anwesend – bei unserem Beten, bei unserem Stöhnen, bei unserem Leiden. Gott hört das Geschrei der Gefolterten, das Stöhnen der Hungernden. Gott hört das Klagen der gebeutelten Schöpfung, den stummen Schrei der abgetriebenen Kinder, die Anbetung der Glaubenden oft mitten in der Nacht. Gott hört mit dem Herzen. Nichts geht ihm verloren.

Jede dieser Eigenschaften Gottes wird in die Welt hinausgerufen, wenn die Glocke ihre Stimme erhebt und läutet. Jedes Läuten bringt in Erinnerung, dass der lebendige Gott auch heute noch dynamisch in unserer Mitte ist.

Für die Anbetung Gottes ist das Beste gerade gut genug. Für den größten Gott das Größte – ER hat es verdient, das ist ER wert, zumal ER dem Land Württemberg über Jahrhunderte reichen geistlichen Segen geschenkt hat.

Sie soll wieder läuten

Sachverständige der Herforder Glockenspezialisten aus Österreich sagten: Sie kann wieder läuten! Das Joch muss mit einem massiveren und höheren Joch ausgetauscht werden. Dazu ist nötig, die Kecharismai-Glocke, die über der Gott-Vater-Glocke schwingt, mitsamt ihrem Glockenstuhl anzuheben, um mehr Raum für das größere Joch zu schaffen. Mit entsprechendem Hebewerkzeug, wird die große Glocke im Glockenturm mit dem neuen Trägerbalken umgerüstet. Mehrere Wochen sind für dieses Projekt veranschlagt, wobei die Bruderschaft mit ihren Haustechnikern einen großen Anteil mit bewältigen wird. Ein Teil der anfallenden Kosten kann von den Blumenmönchen bewältigt werden, doch für den Hauptanteil brauchen sie Ihre Unterstützung. Für eine Summe von 35.000 Euro, braucht es Menschen, die Danke sagen wollen. Diese Glocke soll für das Ermstal und darüber hinaus, den Dank von Menschen zusammenfassen und zum Klingen bringen.

Sagen Sie Danke

Werden Sie zu einem Teil der Dankbarkeit, die Menschen in der Anbetung verbindet. Stehen Sie mit dafür gerade, dass wir alle eine Stimme brauchen, die uns aufbaut und tröstet, die uns wachrüttelt und Mut macht. Engagieren Sie sich, dass zu den vielen Klängen, die auf uns einströmen, solche dazu kommen, die uns innehalten lassen und zum Gebet rufen. Helfen sie mit, dass unsere oft so hektischen Tage, wieder Ankerpunkte der Ruhe erhalten.

Jeder kleine Beitrag bringt eine stumme Stimme wieder zum Reden. Auch wenn sie finanziell nichts dazu beisteuern können, können Sie dieses Anliegen „hinausläuten“, damit in absehbarer Zeit unser aller Dank wieder erklingt. Geben Sie dem die Ehre, dem alle Ehre gebührt. Soli deo gloria.

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Die richtige Antwort

Jesaja 12, 1-6

Was für einen Wochentag haben wir heute? Ich geb’ Ihnen mal `nen kleinen Tipp: Samstag isses nich. Da wär ich nämlich jetzt auf dem Markt. Na – ? Die Glocken läuten, klingelt da was? Klar, wir wissen`s alle. Manche Fragen sind einfach einfach zu beantworten.

Probieren wir also gleich mal eine richtig schwierige: Empfinden Sie Lebenslust – heute morgen, am Sonntag, hier, jetzt? Wenn nicht der Stress mit den Nachbarn, die nervige Tante oder der Zahnarzt wären, dann vielleicht …

Aber so gefragt …

Lebenslust – was ist denn das? Manchmal ist es eben nicht so einfach, die richtige Antwort zu finden oder zu geben. Denken wir ruhig in aller Ruhe nach.

Es geht um die richtige Antwort, unsere Antwort, die Antwort der christlichen Kirche auf Gott selbst – heute, am Sonntag, und weit darüber hinaus.

1. Über den Augenblick hinaus

Gesucht wird ein Wort mit fünf Buchstaben. Raten Sie mit. Der Hauptgewinn ist ein Spaziergang an der frischen Luft mit mir. Ist doch immerhin besser als so ne billige Sammeltasse aus China. Es geht um mehr. Es sind nur fünf Buchstaben, aus denen das kleine Wort besteht, das die Welt verändert: D-A-N-K-E

Ein ganz einfaches Wort, eine Floskel fast, die man artig sagt, wenn man was geschenkt gekriegt hat. An einem durchschnittlichen Samstag bedanke ich mich mindestens fünfhundertmal – bei jedem Kunden, der bei uns was gekauft hat. So gehört sich das. Bin ich ihm auch wirklich dankbar deshalb? Danke sagen und dankbar sein gehört ja eigentlich zusammen. Dadurch, dass wir auf`s Bedanken dressiert sind, geht uns dadurch da und dort die echte, die wirkliche Dankbarkeit verloren. Durch`s Danke sagen müssen schwindet das Danke sagen können. Tief in mir drin bin ich doch eher ein Nörgler, ein Zweifler, ein Haar-in-in-der-Suppe-Sucher, ein leicht unzufriedener, undankbarer Typ. Ich hätt es gerne leichter gehabt im Leben, und überhaupt: mehr Spaß, mehr Geld, mehr Glück. Dankbarkeit ist nicht mein Ding. Das Leben schenkt einem ja nix. Im Lotto hab ich auch noch nicht gewonnen. Da wundert es einen doch nicht, dass ich eher voller Sehnsucht als voller Dankbarkeit bin – im Augenblick.

Die Dankbarkeit gegen Gott läuft immer gegen meine natürliche, menschliche Undankbarkeit. Sie überfordert mich in diesem Augenblick – gestern schon und heute noch. Es ist ein unglaublich anstrengend weiter Weg, weg von mir selbst, hin zu jener ganz anderen Lebenseinstellung, die eigentlich selbstverständlich sein sollte. Es geht aber bei Gott nicht um andressierte Artigkeit, sondern vielmehr um echte Überzeugung. Überzeugung kann nur da wachsen, wo ich sie wachsen lasse – Dankbarkeit, die mehr ist als ein Lippenbekenntnis, die tief in mir meine eigentliche Überzeugung darstellt. Es ist schön, dass der Einzelne sich seine Gedanken macht und kraft seiner Gedanken dankbar wird für dies und das, was der andere am anderen Ende der Welt eher weniger hat. Echte Dankbarkeit ist aber mehr.

Dankbarkeit für Gott ist eine Herzensangelegenheit. Es geht darum, diese Dankbarkeit zu empfinden, zu spüren, wie erste Sonnenstrahlen auf der Haut – Dankbarkeit, die man nur dort hat, wo Gott uns berührt. Leider kann man diese Dankbarkeit nicht immer sofort gewinnen, weil in dem Augenblick, in dem Glück geschieht, ich es nicht als solches erkennen kann. Ich treffe häufig Menschen, die mir sagen, dass sie ihr Glück erst sehen konnten, als es nicht mehr vorhanden war – und sei es nur so etwas Schlichtes wie die eigene Gesundheit gewesen. Gerade im Glauben wächst die echte Dankbarkeit, auch aus Besinnung, der Erinnerung an das, was Gott bereits getan hat, natürlich heute tut und morgen tun wird. Den Glücksfaktor Montag kenne ich aber noch nicht, und so ist es kein Raub, aus der Erinnerung an Gottes Güte von gestern und vorgestern zu leben. Echte Dankbarkeit reicht über den Augenblick hinaus, aber nicht nur.

Das reicht auch

2. Über mich selbst hinaus

Ich kann nur wirklich dankbar sein für das, was ich als Glück, das mir geschieht, erkenne. Wenn mir einer ein Eis schenkt, ist der Fall klar. Der Zorn Gottes gehört eher nicht dazu. „Dich will ich loben, o Herr! Du warst zornig auf mich, doch dein Zorn hat sich gelegt, und du hast mich wieder getröstet. Das Dankeslied des Jesaja ist ein viel tiefgründigeres Lied. Dankbar für den Zorn Gottes kann nur sein, wer sich wirklich mit ihm auseinandersetzt. Es geht um eine Lebenseinstellung, die ganz anders ist, als meine persönliche Befindlichkeit im Augenblick. Dankbar gegen Gott kann eben auch dort sein, und gerade dort, wo das Schicksal hart zuschlägt – eben, weil echte Dankbarkeit keine religiöse Selbsttäuschung ist, sondern wache Auseinandersetzung mit mir selbst. Wer mit Gott geht, dem geht`s manchmal auch grottenschlecht, und es bleibt nicht dabei, das nur zu akzeptieren, sondern auch noch dafür dankbar zu sein. Echte Dankbarkeit, wo Gott chirurgisch in mein Leben eingreift, wenn ich über den Stolperstein gefallen bin und mir die tiefe Narbe geholt habe. Würde ich Gott nur da lieben, wo er mir gut getan hat, wäre er bestenfalls mein Sklave. Er ist aber meine Zukunft, und das fordert mich heraus. Die echte Dankbarkeit ist immer eine Überforderung meiner selbst, meiner möglicherweise zu geringen Glaubenskapazität.

Begegnung mit Gott fordert heraus. Nur wer sich herausfordern lässt, kann darin überstehen. Nur durch die Herausforderung im Glauben gelingt es, zu begreifen, dass auch der Zorn Gottes notwendig ist, der Zorn Gottes über Leute wie mich, dass ich nicht ausknipsen kann und anhören muss, was ER mir zu sagen hat.

Der Theologe Voigt sagt: „Ich muss dem zürnenden Gott gegen mich selbst recht geben.“

Eine anspruchsvolle Lebensaufgabe. Genau darin liegt aber auch der Augenblick echter Dankbarkeit, in der es gelingt, zu entdecken, wer Gott wirklich ist: eben kein Monster. Die Barmherzigkeit Gottes ist größer als ich, größer, als meine Schuld, größer als mein Versagen, größer als meine Angst. Gott reicht weit über mich hinaus, über alles, was ich mir vorstellen oder denken kann. Gott handelt an mir, schön und schmerzhaft zugleich. Er handelt aber nicht nur an mir.

Ich bin nicht der- oder diejenige, die einzig und allein seine Barmherzigkeit genießt. Es sind wir. Gott überfordert mich. Das macht uns zur Gemeinschaft, zur Kirche derer, die weit über sich hinaus geliebt werden. Die Erfahrung des Einzelnen wird zur Erfahrung aller, die sich darauf einlassen. So entsteht die Gemeinschaft der Erfahrenen – jetzt und für alle Zeit. Die Kirche derer, die Gott spüren können in der Kraft seiner Vergebung. Die Kirche der Neustarter. Die D-A-N-K-E – die Kirche der Dankbaren.

In dieser Kirche gelingt es in jedem Detail des Lebens, den Atemzug Gottes zu spüren, der in allem ist, was atmet und lebt, wie auch in allen Schmerzen, die damit verbunden sind. Echte Dankbarkeit fordert mich heraus, meine Grenzen zu überwinden. Gott will nicht, dass wir uns auf das fokussieren, was wir nicht können oder glauben zu können, sondern auf das, was er in uns entstehen lassen kann, auf das, was er durch uns wirken kann.

Das reicht

3. Über alles

Es geht um die richtige Antwort auf Gott, auf das, was er tut in mir und durch mich. Man kann das nicht einfach reinschieben und runterschlucken, so wie ne Sahnetorte. Der Gott, der an mir geschieht, ist eher ein Muntermacher. Nicht umsonst ist die christliche Kirche die Kirche der Dankbaren. Es ist nicht die Rede von Danksagung, wie an einen Verstorbenen. Weil Gottes Barmherzigkeit unter uns lebendig ist, entsteht daraus lebendiger Lobpreis, somit ein bisschen Begeisterung um Gottes willen, nicht um irgendetwas zu erreichen, einfach, weil er ist und handelt. Gerade in einer Welt, in der nicht alles ist, wie es wünschenswert wäre.

Unser Dankeschön in einer Welt, die uns rat- und sprachlos macht, in der einem manchmal die Worte fehlen. Gerade da kommt es darauf an, eine Melodie der Dankbarkeit anzustimmen, um sie dem herrschenden Unheil ins Gesicht zu singen. Cantate – so heißt der heutige Sonntag. Er ist speziell dafür gedacht, daran zu erinnern, dass es Grund zum Singen gibt – weil Gott mehr tut, als er unterlässt. Man muss gar nicht alles verstehen. Unser Choral der Dankbarkeit verändert auch nichts. Gott wird nicht größer oder kleiner dadurch, dass wir ihn loben oder preisen. Trotzdem kann unsere Antwort auf ihn wohl kaum betretenes Schweigen sein. Selbst dann, wenn die Welt sich andersrum dreht als wir es wünschen.

Es gab und gibt immer Probleme, die einem die Lust zu Singen rauben. Trotzdem ist da unser Dankeschön für alles, was Gott ist und gibt. Es lässt sich auf viele tausend Arten sagen oder singen. Es gibt das neue und das alte Lied, das der eine oder andere singen kann.

Gestern war bei mir eine Oma auf dem Markt. Sie hatte letztes Jahr eine abgebrochene Restepflanze für 0,50 € aus unserer Pflegeecke gekauft. Sie hat sie sogar durch den Winter gebracht – und jetzt blüht sie und blüht sie und blüht wie verrückt. Oma wollte gar nicht aufhören, von ihrer Pflanze zu schwärmen, von einer todgeweihten Pflanze für 0,50 €.

So viel Grund zur Dankbarkeit hat jeder von uns – selbst unter den schlimmsten Umständen. Nicht nur deshalb ist die richtige Antwort auf das, was Gott gibt, Cantate – gelebtes und gesungenes Dankeschön.

Wer nicht singen kann, kann wenigstens den Takt klopfen. Unser Schlagzeuger steht dabei mit Rat und Tat zur Verfügung. Amen

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Einmal der Größte sein

– Br. Markus – Matthäus 20, 26-28

Heutzutage ist es nur eine Doping-Frage. Wer besser ist, als ich, ist sowieso gedopt – klarer Fall. Die großen Rennen werden von Sportmedizinern gewonnen. Sieger ist, wer die richtige Zahnpasta nimmt – nicht nur im Radsport. Deutschland sucht den Superstar – und so alt wie die Menschheit ist die Frage nach dem oder der Besten seiner Art. „Wer ist der beste Christ?“ fragt der heutige Predigttext – der Größte unter uns, der, der auf dem Treppchen steht, mit oder ohne Freudentränen oder dem goldenen Pokal unterm Arm. Christus verblüfft mit seiner Antwort. Der größte Christ ist der „zu Tische Dienende“, wie es wörtlich übersetzt heißt.

1. Ganz oben unten sein

Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.

Christus stellt sich in den Kontrast zu Welt. Er durchbricht mit seinen Vorstellungen das Gesetz der Evolution. Nicht der, der besser, schneller oder stärker ist, nicht der, der was bewegt und vorneweg geht nicht der, der sein Leben mit großen Augenblicken bereichert, nicht der, der etwas Bleibendes hinterlässt sondern ganz, ganz anders. „Dienen“ und „Dienst“ heißen die zwei Worte, die fett und schwer den Weg nach ganz oben blockieren oder öffnen. „Dienen“ und „Dienst“ – so altbacken wie ungemütlich. „Dienen“ und „Dienst“ so bitter, wie Alltagsfrust – dabei die Angst, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. „Dienen“ und „Dienst“ – schlimmer als Aschenputtel oder Hausfrauendasein. „Dienen“ und „Dienst“ – ohne mit dabei zu sein, wenn vorne die Post abgeht. Schon klar, dass Gottes Reich nicht von dieser Welt ist. Zu anspruchsvoll scheinen die göttlichen Wertvorstellungen, als dass man sich daran gewöhnen könnte.

In Christus werden die Werte der sichtbaren Welt auf den Kopf gestellt – was jetzt nicht heißt, dass man voll einen auf Sklave machen soll, obwohl Paulus an anderer Stelle durchaus von einer Art Sklaverei spricht. Es geht um den wahren Gottesdienst – nicht so, wie Pizzaservice, wo man bestellt und einer was bringt. Es geht um den Dienst Gottes an uns und unseren Dienst an Gott. Gottes Dienst ereignet sich zuerst an uns. Christus lebt und stirbt nicht als Forderung an die Welt, sondern als Geschenk für die Welt. In Christus verkauft sich Gott weit unter Wert – gratis sozusagen.

Ist doch eindeutig zu billig – oder nicht? Christus stirbt auf Golgatha umsonst, ohne, dass er was davon hat. Das würde heutzutage keiner so machen. Nicht gerade ein Traumjob, das Ganze. Für uns heißt das Zauberwort, die göttliche Motivation. Für mich, für Euch und alle, die das nachvollziehen können.
Christus für uns als Lebensauftrag.
Christus für uns als Karriereplan.
Christus für uns in Gewinnbeteiligung.
Christus für uns als Verlustrechnung.
Christus dient uns auf der untersten Stufe, sein Leben, damit wir leben.

Gottes Dienst an mir ist eine Leistung, für die ich keine Rechnung schreiben kann, die unbezahlbar ist und bleibt, die mich befreit vom Schatten des Bösen, der über mir lastet. Es ist die größte Freiheit, die ein Mensch erreichen kann. Wir kriegen sie für low. Wäre Gott ein moderner Großkonzern, wäre die Eintrittskarte nach Gethsemane nicht unter 50.000.- zu haben. Das ist kein Witz. Es gibt große Modekonzerne, die verlangen solche Preise allein für Insider- Modeschauen. Den Schatten des Bösen zu verlieren, frei von mir selber zu sein, ist ein hoher Wert, den Gott schenkt. Die Betonung liegt auf „gratis“ , also weit unter Wert – was nicht wertlos heißt. Diese Aktion Gottes ist und soll für die gesamte Kirche ein Leitbild sein. „Sich verschenken“ heißt die Devise, und das klingt ganz anders, als „sich verkaufen“.

Ist wesentlich mehr wert!

Es hilft mir

2. Ganz vorne hinten zu stehen

Es geht um ein unbezahlbares Miteinander zwischen Gott und Mensch. Nur wer was hat, kann auch was geben. Nur wer befreit ist, kann Freiheit schenken. Nur wer geliebt ist, kann auch lieben. Ein ungetanktes Auto läuft nicht. Gottes Dienst an mir macht mich überhaupt erst fähig, selber zu dienen. Im Gottesdienst wird genau genommen überhaupt nicht mehr geherrscht, sondern nur noch gedient. Das ist das wirklich Spannende daran, dass es keinen mehr gibt, der Ansagen macht.

Nicht von dieser Welt – wie schon gesagt. Keiner herrscht mehr, alle dienen sich, aus dem Impuls Gottes heraus, der so eine verrückte Lebensart überhaupt erst möglich macht. Es sollen nicht die Kleinkarierten sein, um die man sich streitet, sondern die kleinen Zeichen der Zuneigung, mit denen man sich erfreut. Zu schön fast, um wahr zu sein. Die Idee Gottes ist völlig frei vom kleingeistigen Kassierdenken. Sie ist so frei, sich zu verschenken, allein zu verschenken, sonst gar nicht.

Unser christliches Denken soll frei sein davon: Was es bringt, ob es lohnt, ob man nicht drauflegen muss oder zu kurz kommt. Wer vom Schatten befreit ist, weiß, dass es viel mehr ist, als man je bezahlen könnte, was Gott bringt – bringt und nicht nimmt.

Gottesdienst mit Rechenschieber geht nicht. Es braucht Freiheit, zu schenken und zu genießen.

Der Theologe Voigt sagt: „Der reife Glaube müsste den Willen Gottes bejahen können, selbst wenn Gott das eigene Glück vernichtet. Erst dann wäre ich darüber hinaus, Gott zum Mittel für meine Zwecke zu erniedrigen.“

Gott ist nicht Mittel zum Zweck und ich bin nicht Mittel zum Zweck. Es läuft nicht auf der Basis der Berechnung. Christen sind nicht Religionsfunktionäre. Zwänge nützen wenig. Es geht um die freie Entfaltung der Sympathie Gottes. Christus dient nicht nur, weil es geschrieben steht, sondern weil seine Liebe seinen Gottesdienst prägt. Das ist das Fundament, auf dem das Ganze steht, die Tradition der Zuneigung, die er gründet. Jeder Gottesdienst ohne diese Zuneigung wäre eine Selbstüberforderung. Es soll auch keine religiöse Mitmenschlichkeit sein oder so eine Art Almosenausschüttung an den anderen. Gott gibt sich ganz. Deshalb soll unser Dienst immer ganz geschehen, auch wenn er nicht gleich den riesigen Spaßfaktor bringt. Es geht um echte Überzeugung, aus der heraus der Dienst geschieht, selbst dann, wenn es nur Kleinigkeiten sind, die es zu tun gibt. Schon ein ganz kleines Lächeln kann große Wirkung zeigen, wenn es von Herzen kommt.

Die Passionszeit ist keine rosige Zeit, der Weg ans Kreuz ein steiniger Weg. Christus geht auf staubiger Straße. Jeder Schritt, den er geht, ist wie ein mühsames Erlernen von Gehorsam. „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen“ sind einige seiner letzten Worte. Es steht nirgends geschrieben, dass überschwängliche Dankbarkeit auf uns wartet. Hinten in der Schlange stehen, nervt. Warten strengt an, warten, dass sich was bewegt, warten, dass man drankommt, wenigstens irgendwann. Wer der Größte sein will, stelle sich hinten an, gehe mit auf dem steinigen Weg. Es geht nicht um ein neues Kirchengesetz zur Versklavung der Frommen, sondern ganz schlicht um Dienstbereitschaft zum Priestertum aller Gläubigen, zur Diakonie der von Gott berührten Menschen. Darin gelingt es, in Gottes Sinn

3. Als Erster der Letzte zu sein

Es ist doch schön, wenn man keinen so hohen Erwartungsdruck hat. Unser Gottesdienst kann niemand beeindrucken und muss niemand beeindrucken. Er geschieht nicht aus mir heraus. Es geht nicht um die besten Plätze im Himmel oder auch auf Erden, es geht darum, sich ansprechen zu lassen, um ein offenes Ohr und ein offenes Auge. Wer anderen eine Freude machen will, fragt nicht zuallererst nach dem Preis. Hätte Christus gefragt, was es bringt und ob es lohnt am Kreuz, wer weiß, wie das ausgegangen wäre.

Als Erster der Letzte zu sein gelingt nicht, wenn man Angst um sich hat. Es ist so verrückt, wie der Glaube selbst. Golgatha – es kann sogar voll der Nachteil sein im Augenblick wo es geschieht. Immer, wenn ich etwas verschenke, hab ich danach etwas weniger – mathematisch gesehen jedenfalls, und es kommt auch nicht immer was zurück, wenn ich was verschenke. Das ist nun einmal so. Es ist die bahnbrechende Erkenntnis Luthers, dass kein Mensch Punkte sammeln kann – egal, wie einer lebt, also sowieso hinten in der Schlange steht.

Die Sünde der Welt ist und bleibt das Allerletzte. Somit ist jeder von uns sowieso der oder die Allerletzte. Ausgenommen ist nur Christus, der hinter  uns steht und dort bis ans Ende der Tage stehen bleibt. Sosehr wir uns auch anstrengen, sind wir nie der Letzte. Hinter uns steht noch einer, der das Licht ausmacht und die Tür zu. Dass Christus hinter uns steht, ist das, was uns Kraft gibt für unseren Dienst, unsere Diakonie, unser Priestertum. Es gibt einen, der als Erster der Letzte war und immer der Letzte bleibt. Seine Auferstehung hat uns erlöst.

Christus macht frei. Christus erlöst vom Zwang, ganz groß rauskommen zu müssen, in der ersten Reihe zu sitzen und dabei zu sein, wenn die Post abgeht. Christus hat die Welt erlöst. Wenn man’s genau überlegt, sind wir genau dadurch die Größten – auf immer und ewig.

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Du bist so viel mehr

Johannes 3, 16-18 – Br. Markus

Beim Auto ist es einfach: Da gibt es die Schwacke-Liste. Da kann man eben mal nachschauen, wie viel die Alte noch wert ist – die alte Limousine, versteht sich. Beim Menschen ist es nicht so einfach. Wie viel ist der grauhaarige 70-jährige noch wert? Wie viel bin ich, wie viel sind Sie oder wir alle den anderen wert? Beim Blumenkauf erkennt man’s klar, wie viel der oder diejenige dem jeweils anderen wert sind. „1,90 € für drei Rosen aus der Resteecke – aber bitte mit viel Grün, damit es was her macht.“ Hatte ich vor zwei Wochen. Die Dame hatte den Valentinstag vergessen und wollte ihrem Lebenspartner nachträglich mal richtig einheizen. An ihren Ohren hing ein halber Juwelierladen, und ihr Nerzmantel war auch kein Billigmodell aus China. Immerhin, 1,90 € für ihren Liebsten! Zugegeben, sie war weit über 60 – andere schenken sich da schon lange nichts mehr, und bekanntlich zählen ja sowieso nur innere Werte.

„Du hast so viel mehr“ spricht Gott zum Menschen, somit zu uns.

1. Die teuerste Geste

Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. „Also hat Gott die Welt geliebt“ übersetzt Luther.

Gott liebt die Welt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Gott ist kein Kind von Traurigkeit – so nach dem Motto „Welt ade, ich bin dein müde“. Er ist genau das Gegenteil davon. Er liebt mit ganzer Kraft. Da ist keine vornehme Zurückhaltung, sondern göttliche Kraft, volle, pralle, ungebremste Sympathie für den Menschen. Gott liebt nicht irgendwann mal irgendwen, sondern heute uns, genau genommen seit Tausenden von Jahren schon alle und alles, was er geschaffen hat. Gott liebt. Er liebt nicht „America first“, sondern die Welt, das heißt alle und alles, Putin inklusive, nicht irgend eine besondere Gruppe mehr oder weniger. Gott liebt größer und stärker, als man träumen kann. Das sprengt den Rahmen unserer Vorstellungskraft. Gott liebt die Welt sogar mit allem, was in ihr hässlich ist.

Das kostet ungeheure Kraft. Er liebt die Erde trotz allem, was daneben geht, unvollkommen oder fehlentwickelt ist. Er liebt mehr, als man meint. Wir sind die Welt, wir sind Gottes Glücksstern, den er zum Strahlen bringen will, trotz allem, was daneben geht. Wir sind die Welt, die Gott liebt, trotz unserer Unfähigkeit, so zu sein, wie wir sein wollen oder könnten. Es gibt keine Vorbedingungen, um von Gott geliebt zu werden, keine Mindestvoraussetzungen oder sonstige Standards. Gott liebt, weil er will und kann und weil er geschaffen hat: uns, was um uns ist und hält und trägt. Starke Leidenschaft ist Gottes Programm. Gott liebt die Welt – und zwar so stark, dass man sich nicht dagegen wehren kann. Er findet sich nicht damit ab, die Liebe nur zu äußern oder anzuzeigen, er beweist sie durch seine teuerste Geste. Er will, dass man seine Liebe nicht nur hört und sieht, sondern dass sie erlebbar wird, so nah und intensiv, wie ein riesen Rosenstrauß voll Duft und voller Blüte. Gott liebt die Welt nicht nur mit warmen Worten, sondern in Christus, seinem Sohn.

Das ist der stärkste Ausdruck, den er der Liebe geben kann, ein Zeichen mit Wirkung – nicht nur ein Zeichen zum Anschauen. Christus ist die teuerste Geste Gottes. Christus wirkt neue Nähe zu Gott – eben und gerade für alle die, die sich weit, weit weg von ihm fühlen: die Welt. Wir auch? Alle, jeder ist gemeint,  die teuerste Geste Gottes zu sehen und entgegen zu nehmen. Jeder ist gemeint, ob er’s glauben kann oder nicht. In Christus spricht Gott jeden an. Eine größere Geste von Liebe kann es nicht geben. Gott meint in Christus alle, alle sind es ihm wert, wirklich alle. Das beinhaltet sämtliche Falschmacher und Falschmacherinnen dieser Erde, die ganze Welt. Gott liebt diese Welt. Er zeigt uns das in Christus. Das ist nicht nur die teuerste Geste, sondern zugleich

2. Das größte Geschenk

Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie zu retten.

Retten statt richten. Da ist nicht die Rede von Zuckerbrot und Peitsche wie beim Nikolaus oder Weihnachtsmann. Gott ist nicht das schwarze Monster für schwer erziehbare Kinder, das die Guten belohnt und die schweren Finger bestraft. Gott tickt anders. Er ist kein Gott der kleinlichen Sympathie für wohlerzogene Menschenkinder. Er ist ein Gott der Sympathie für schlimme Finger. Gottes Zuneigung kann in Christus über unsere Unzulänglichkeit hinwegsehen. Christus ist die Großzügigkeit Gottes, die alles beiseite schafft, was trennend dazwischen steht – zwischen uns und Gott. In Christus schenkt Gott dem Menschen die Gerechtigkeit, die keiner kaufen kann, Gerechtigkeit vor seinen Augen. In Christus rettet Gott den Menschen vor sich selbst, das heißt, seinem eigenen, allzu menschlichen Abgrund, dem menschlichen Hang zu Ungerechtigkeit, Unwahrheit usw. Christus rettet mich vor meiner Fehleinschätzung – und da gibt es so viele Dinge, in denen Menschen sich irren, wenn es auch nur für einen winzigen Augenblick ist, in dem eine falschen Information, ein missverstandenes Wort oder einfach ein komisches Gefühl für katastrophale Folgen sorgen. Christus rettet mich. Das bedeutet aber nicht, dass Gott fünfe gerade sein lässt – so nach dem Motto: „Schwamm drüber, ist ja alles halb so schlimm“.

Gottes Rechtsanspruch ist und bleibt eine steile, unerfüllbare Norm, die so hoch ist, dass keiner sie erfüllen kann. Gott verzichtet nicht auf sein Recht, er ist und bleibt anspruchsvoll. Die Gerechtigkeit in Christus ist aber die einzige Möglichkeit für den Menschen, Gottes Anspruch zu genügen. Gezwungen wird keiner, aber es gibt keine andere Chance. In Christus beschenkt mich Gott mit einer höheren Gerechtigkeit, einer Gerechtigkeit, die nicht von dieser Welt ist, die Gerechtigkeit in seinen Augen. In Christus bin ich der, der ich sein soll – nicht Ritter ohne Furcht und Tadel, sondern trotz Furcht und Tadel. „Gerechter vor Gott“ ist ein wertvoller Titel, wertvoller als ein Doktortitel, schon deshalb, weil er sich weder kaufen noch abschreiben oder selber zu erwerben ist. Man muss ihn sich schenken lassen. Es hat nie etwas mit Logik zu tun, schon aber mit der Logik der Liebe, die Gott antreibt.

Jeder, der sich wach beobachtet, merkt, dass man einem sympathischen Menschen eher etwas verzeiht als einem unsympathischen. Weil Gott die Welt in Christus liebt, verzeiht er der Welt ihre Fehler – ganz gleich, wie viele und welcher Art – was aber nicht bedeutet, dass damit eine Weichwaschmaschine entstanden ist, die man nach Belieben ein- und ausschalten kann. In Christus werden wir so viel mehr, als wir sein können. Wir werden zu von Gott geliebten Wesen, zu denen, die den Traum Gottes verwirklichen, den Traum von einer freien, gerechten, wahrhaftigen Welt. Mit uns will Gott das machen, mit denen, die verrückt genug sind, das zu glauben, dass es auch eine Welt ohne Lug und Trug geben kann. Allein in Christus können wir mehr werden, als Falschmacher unter Falschmachern. Wir können zu denen werden, die Mut haben, das Vertrauen zu wagen. Gezwungen wird keiner. Man muss nichts, aber wir können. Es ist Gottes Gelegenheit, die er bietet, nicht verordnet. Es ist sein offenes Angebot an fantasievolle Lebewesen, am Leben teilzuhaben, an einem Leben, in dem es keine Kerkermauern mehr gibt.

Der Glaube spielt darin die entscheidende Rolle. Er hat die Schlüsselfunktion. Allein durch den Glauben kann es geschehen. Durch den Glauben allein wird Gottes Geschenk greifbar.

Im Glauben wird Christus

3. Zum Richtigen für uns

Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an den einzigen Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil schon gesprochen.

Gott will uns alle haben. Er will uns alle als lebendig sehen, um seinen Traum vom Leben zu verwirklichen. Er zwingt sich aber niemand auf. Der alle liebende Gott ist und bleibt auch ein urteilender Gott. ER ist keiner von denen, die kein klares Bild von dem hätten, was gut und böse ist. Er lässt sein Urteil auch nicht auflösen, was als böse oder lebenszerstörend erkannt wird, wird von Gott auch immer verurteilt. Es gibt keine Sympathie für das lebenszerstörende bei Gott. Das heißt, er urteilt scharf. Gott benennt eine klare Grenzen zwischen dem, was gut und böse ist. Er ist kein Wischi-Waschi-Apostel, wo am Ende irgendwie immer alles gut wird, sondern einer, der eine rote Linie erkennt zwischen dem was gut ist und was nicht.

Christus ist der Richtige für uns. Durch den Glauben gelingt es zwar auch nicht immer, die richtige Entscheidung zu treffen, aber es gelingt, klarer zu sehen, was zum Leben führt und was nicht. Der Glaube macht uns ansprechbar für die Sichtweise Gottes, die weiter reicht als meine eigene. Es herrscht eine neue Offenheit und Klarheit. Christus ist der Richtige für uns. Er will mehr aus unserem Leben machen, als nur ein Vegetieren in der Grauzone. Er will Licht ins Dunkel bringen und in jeden Morast des Lebens, der Menschen in sich gefangen hält. Er will frei uns davon frei machen, etwas darzustellen zu müssen, was wir nicht sind. Christus ist der Richtige für jeden, das das glauben kann und der sich mitnehmen lässt. Der Glaube ist der Schlüssel. Der Glaube schließt die große Welt der Sympathiebeweise Gottes auf. Er lässt uns viel mehr sein, als wir selber sein können. Wir können mit verschlossenen Fenstern und Türen leben oder aufmachen.

Christus ist der Richtige für uns. Es ist unsere Entscheidung. .

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Richtig christlich streiten

Sprüche 9, 7-9

Wer einen Spötter ermahnt, erntet nichts als Verachtung, und wer einen gottlosen Menschen tadelt, wird von ihm gemieden. Darum weise nie einen Spötter zurecht, sonst hasst er dich. Ermahne lieber einen verständigen Menschen, denn er wird dich dafür lieben. Unterweise den Klugen, und er wird noch klüger. Belehre den, der Gott gehorcht, und er wird immer mehr dazulernen.

Als Einsiedler hat man das Problem nicht. Wer mit sich allein im Wald lebt, hat einen entscheidenden Vorteil: Es gibt keinen, der anderer Meinung ist. Wenn ich mit mir allein bin, kann ich immer meiner Meinung sein. Ein tolles Erlebnis, es sei denn, ich hätte zwei Seelen, ach, in einer Brust. Streit entsteht immer dann, wenn mehr als einer im Raum ist, eine andere, eine fremde, eine unbekannte, große Meinung auf mich zukommt. Dann bin ich gefragt, zur Auseinandersetzung anzutreten, mich in Frage stellen zu lassen oder andere in Frage zu stellen. Kein angenehmer oder bequemer Weg, wesentlich unbequemer, als Konflikte totzulächeln, totzuschweigen oder harmonisch zu überdröhnen. Der christliche Weg zum Frieden führt über die anstrengende Auseinandersetzung mit dem anders Denkenden. Es geschieht nicht durch Kreuzzüge, Verleumdungskampagnen oder Messerstechereien, sondern anders. Wir sind weder Friede-Freude-Eierkuchen-Apostel, noch Folterknechte im Namen des Herrn. Wir lächeln oder schießen niemanden tot, wir setzen uns mit ihm auseinander, indem wir richtig christlich streiten.

1. Mimosen und Giftzwerge eignen sich nicht

Weise nie einen Spötter zurecht, sonst hasst er dich.

Wer sich richtig christlich streiten muss, dem muss klar sein, dass es Menschen gibt, mit denen so eine Auseinandersetzung nicht stattfinden kann. Es ist kein ausdrückliches Streitverbot, aber ein guter Rat, nicht mit jedem zu streiten. Der Spötter – andere Übersetzungen nennen ihn „Frevler, gottlos oder den Unbelehrbaren“ – im weiteren Textumfeld auch „Frau Torheit“ genannt. Die christliche Pflicht zur Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Gegenüber, somit auch der Frage nach dem Ziel der Auseinandersetzung. „Unbelehrbar“ – hoffnungslose Fälle gibt es bei Gott nicht, aber es gibt Menschen, mit denen eine Auseinandersetzung schnell zum Kleinkrieg wird, und da ist eine andere Herangehensweise gefragt. Es geht um Mimosen und Giftzwerge. Bei einer Mimose merkt man’s gleich: Sobald man ihre Blätter auch nur sanft berührt, rollt sie sofort alle Blätter ein und macht dicht. Mimosen sehen sogar Streicheleinheiten als Angriff auf ihre Person und riegeln ab. Da kann man nichts machen, da nützen gute und böse Worte nichts. Mimosen sind lieber mit sich selbst allein – und da kann ein Streit genau das Falsche sein – jedenfalls nicht der geeignete Weg, um einen Schritt vorwärts zu kommen.

Schwieriger wird es mit Giftzwergen. So manch einer, der als Schneewittchen daherkommt, ist tief in sich drin ein Giftzwerg oder eine Giftzwergin, hübsch lackiert, voll guter Umgangsformen, aber äußerst hinterhältig. Es geht die Rede von „toxischen Menschen“ – Menschen, die anderen das Dasein vergiften, verbohrt, uninformiert, uneinsichtig, unbelehrbar. Der Unbelehrbare weiß sich im Recht – die anderen haben Unrecht. Unbelehrbare überschreiten Grenzen. Sie mischen sich in die Angelegenheiten anderer rücksichtslos ein. Unbelehrbare haben stille Erwartungen an andere, die nicht ausgesprochen werden. Hält man sie nicht ein, wird man dafür bestraft. Unbelehrbare lügen, um ihre Interessen durchzusetzen, intrigieren und verleumden. Sie streuen Gerüchte, verschweigen wichtige Einzelheiten, nur um selber an’s Ziel zu kommen. Unbelehrbare sind oft eifersüchtig, nehmen selten Rücksicht, wollen eher selten was zurückgeben  und so weiter und so fort.

Giftzwerge, Spötter, Frevler – hier hat ein Streitgespräch keinen Sinn, weil es keine Veränderung bewirkt, im Gegenteil Hass erzeugt. Auseinandersetzung im christlichen Sinn hat aber immer das Ziel, zu einer Veränderung zu führen, in die richtige Richtung. Wenn aber Hass entsteht, ist dieses Ziel verfehlt, der Streit kein Streit mehr, sondern Zickenzoff.

Genau das soll nicht sein, sonst hätten wir

2. Zickenzoff statt Streit

Christlichen Zickenzoff gibt es nicht. Bei jedem Streitgespräch ist die Gefahr, dass es zum Zoff wird, Ermahnung, die danebengeht, zum Kleinkrieg – oder ganz entgleist. Aus Angst davor kann man auf die Auseinandersetzung ganz verzichten, man verzichtet aber dann auf ein wichtiges Stück Miteinander, genau genommen auf die Zukunft.

Ermahne lieber einen verständigen Menschen, er wird dich dafür lieben.“

Ermahnen, rügen, züchtigen, tadeln und bestrafen – streiten sollen wir mit verständigen Menschen. Eine Friede-Freude-Eierkuchen-Kultur würde die Probleme der Welt nicht lösen. Das ist in der Kirche nicht anders, als in der Welt. Verzichtet man auf die offene Auseinandersetzung, findet sie unterschwellig statt, Grabenkrieg im Stillen. Man kann dann nicht vom Frieden reden, wenn stille Grabenkriege toben, ungelöste Konflikte im Raum sind. Es ist nicht der Friede Gottes, wenn keiner sich mehr was zu sagen traut. Auch wenn der andere lächelt, ist es kein Friede, wenn ein ungelöstes Problem im Dunklen schlummert. Friede ist erst dann, wenn auch die stillen Konflikte beseitigt sind, und die lassen sich nur durch Auseinandersetzung überwinden. In jedem Menschen schlummert ein kleiner Giftzwerg. In jedem von uns schlummern stille Erwartungen, die an den anderen gestellt werden. In jedem von uns ist ein Stück Unbelehrbarkeit. Wo das alles im Dunkeln bleibt, bleibt es, wie es ist, selbst da, wo wir gemeinsam einen Zehnerpack Choräle singen, gemeinsam beten, feiern, fasten.

Christliche Gemeinde, Gemeinschaft der Glaubenden, will aber wesentlich mehr sein: echtes Miteinander. Das macht den Streit notwendig, damit er christlicher Streit ist. Echtes Bemühen um den anderen, gerade dann, wenn dieser Vollpfosten nicht in mein Bild passt, das ich ganz im Stillen von ihm habe. Christliche Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie vom gegenseitigen Kümmern und Ermahnen geprägt ist, also christliche Streitkultur hat. Die Ermahnung des Verständigen ist unverzichtbares Gestaltungswerkzeug des Glaubens, nicht aus Besserwisser- oder Besserfühlerei, als vielmehr aus dem Ringen um den wirklich richtigen Weg. Wo die Friede-Freude-Eierkuchen-Kultur mit der richtig christlichen Streitkultur verwechselt wird, entsteht religiöse Fata Morgana, Scheinharmonie, die es nicht wirklich gibt. Zum Frieden in Gottes Sinn kann man nur finden, wo alle Stimmen gehört worden sind, was aber nie bedeuten kann, dass alle immer einer Meinung sind.

Das macht die Sache spannend, aber auch anstrengend. Der Streit mit dem Verständigen hat eine große Kraft. So anstrengend, wie er ist, so große Möglichkeiten liegen drin – anders, als beim Zickenzoff. Wenn es nur darum geht, dem anderen zu beweisen, wer der Bessere ist, geht’s in die Hose. Es geht um das gemeinsame Ziel. Der Streit ist dann ein christlicher Streit, wenn das gemeinsame Ziel dasselbe ist. Deshalb muss vor jeder richtig christliche Auseinandersetzung geklärt sein, ob man um das gleiche Ziel streitet. Wenn nicht, muss man zuerst klären, um welches Ziel man streiten will, sonst entgleist die Auseinandersetzung zum Zickenzoff.

Einfacher ist es, so zu tun, als wäre man einer Meinung. Besser ist es, mal aus der Deckung zu gehen und die Sichtweise des anderen auszuhalten. Es ist nicht damit getan, die eigene Meinung möglichst unfiltriert und laut in die Prärie zu krähen. Viel wichtiger ist, erst mal hinzuhören, was der oder die anderen jeweils zu sagen haben. Wo das gelingt, können ungeahnte neue Wege entstehen, wo es misslingt, herrscht Zickenzoff. Die Kunst ist, auch damit zu leben, dass es mal daneben geht, und es trotzdem wieder zu versuchen. Schlimmer als der Konflikt ist nur der ungelöste Konflikt, der ist unsterblich. Er lebt genau so lange, wie man vermeidet, ihn zu lösen.

3. Das gemeinsame Ziel entscheidet

Weise nie einen Spötter zurecht, ermahne lieber einen verständigen Menschen.

Wenn du deinen Bruder sündigen siehst, weise ihn zurecht, heißt es im Neuen Testament. Der rote Faden, der sich durch die Bibel zieht, ist klar auf Christus ausgerichtet. Wo Christus das Ziel ist, geht es nicht darum, sich gegenseitig niederzumähen, sondern miteinander zu gestalten, miteinander aufzustehen. Gemeinsam zu leben statt aneinander zugrunde zu gehen – so heißt das Ziel des Neuen Testaments. Christus ist das Leben. Dieses gemeinsame Leben kommt nicht über Nacht aus dem Überraschungsei, sondern reift beständig heran, ist beständige Auseinandersetzung mit allem, was eher nach Sterben aussieht. Das eine vom anderen zu unterscheiden, ist die wahre Schwierigkeit – wer unbelehrbar ist und wer nicht.

Ich habe noch nie einen Streit erlebt, bei dem eine Partei der Überzeugung war, den falschen Standpunkt zu vertreten. Es gut zu meinen bedeutet aber noch lange nicht, es richtig zu machen. Wo Christus das Ziel ist, löst sich dieses Problem auch nicht von selbst – im Gegenteil. Wo Christus das Ziel ist, soll das Ziel aber gemeinsam und nicht im Alleingang erreicht werden. Das beinhaltet die anstrengende Aufgabe, sich mit dem anstrengenden anderen auseinanderzusetzen. Gerade da, wo der andere in die falsche Richtung läuft, ist umso mehr Einspruch von uns gefordert. Wo aber unser Einspruch ständig auf taube Ohren stößt, redet die Bibel von Torheit. „Beratungsresistent“ würde man heute sagen. Man kann den anderen ja auch nicht vor sich selber schützen. Wenn Christus das gemeinsame Ziel ist, herrscht das gemeinsame Bewusstsein, sich verändern zu müssen, in Bewegung zu bleiben. Dort ist es wichtig, richtig christlich zu streiten.

Wo das nicht der Fall ist, ist es besser, darauf zu verzichten, weil religiöser Zickenzoff nur Hass erzeugt. In Christus entscheidet sich, was jeweils richtig christlich ist.

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Herr, da bin ich

-Br. Markus- 2. Mose 3, 1-10

„Hallo … ist hier die 110 …. Ja, bei mir brennt’s … Schon, aber nicht richtig …. Ja, eigentlich nicht. Ne – es brennt irgendwie nicht richtig… Ja, er brennt, aber er verbrennt nicht. … Was meinen Sie? … Ja, ich hab auch schon gegoogelt, was für eine Art Feuer das ist, aber irgendwas stimmt hier am Berg nicht, ich hab keinen richtigen Empfang…. Was? …. Ich hab nix geraucht …. Also, hören Sie mal!“

So oder so ähnlich würde es sich heute anhören, wenn der Dornbusch brennt – nicht nur brennt, sondern auch spricht. Entweder ein Fall für die Feuerwehr – oder den Arzt, wie man das eben so macht, wenn einer Stimmen hört und keiner spricht.

Bei Mose ist es anders, ganz anders sogar. Er nimmt ein ganz außerordentliches Ereignis zum Anlass, seinen Lebens- und Karriereplan total zu verändern aufgrund einer einzigen Begegnung, einer Begegnung der anderen Art. Er gründet damit eine Tradition, die noch heute in der christlichen Kirche lebt: die Tradition, sich zur Verfügung zu stellen, die Tradition der Bereitschaft.

1. Wo Gott mich braucht

Mose ist nicht auf dem Selbstfindungstrip im Ayersrock im Ulurukatapark, um zu überlegen, wie er sich am besten selbst verwirklichen könnte. Schon klar, man findet die Arbeit, die man liebt, nicht über Nacht. Es geht ja auch nicht nur um Arbeit. Überhaupt läuft bei Mose einiges anders, als es heute so laufen würde. Er ist keiner von denen, die sich ein Leben lang alle Türen offen halten, um nichts zu verpassen. Schafe hüten am Horeb ist eher ein Aussteiger- als ein Karriereplan. Der Mörder Mose, der den Aufseher erschlagen hat, davor höchstrangiger Offizier in der Streitmacht des Pharao war – jetzt Schafe hütend – eher unter- als überfordert. Es ist nicht seine Idee, vom Führer der Schafe zum Führer des Volkes aufzusteigen. Es ist nicht seine Idee, geboren in der Hitze der Wüste, auf krause Gedanken gekommen, es ist Gottes Plan.
anders, als Mose sich denken kann,
anders als er will,
anders, als er sich gedacht hat.

Berufung durch Gott ist meistens anders, als ich mir das gedacht hab. Lebenspläne werden von mir selbst entwickelt. Gottes Plan wird von Gott gemacht, kommt von außen auf mich zu. Natürlich ist meine innere Stimme mit im Spiel. Es ist aber nicht meine innere Stimme, die mich beruft. Soviel kritische Auseinandersetzung mit mir selber muss sein. Es ist nicht die innere Stimme des Mose, die ihn zum Führer macht, sonst wäre die Welt bald voller Führer – eher dann Verführer – wie immer man das nennen mag. Gott beruft Mose. Das ist der Unterschied. Es ist nicht die Besinnung auf seine Stärken oder Begabungen. Mose sieht sich für den Job als unbegabt. Es ist Gottes Anruf. Es ist nicht das, was sich richtig anfühlt oder viel verspricht, es ist Gottes Wort allein. Wo Gott mich braucht, sagt ER, nicht ich, alles andere wäre Selbstbetrug.

Zum Professor an der Universität wird man von der Universität berufen, nicht aus dem Bauch heraus. Gott beruft mich, nicht ich. Es ist ein Wort, das er zu mir spricht. Ich bin die Antwort, nicht das Wort. Meine Idee ist richtig und wichtig, aber ER ist der erste Impuls, wichtiger als ich. Er kennt mich besser als ich. Er sieht Dinge in mir, die ich nicht sehen kann. Auch wenn ich zu nichts zu gebrauchen bin, hat Gott einen Plan, weil er das wahre Potential in mir sieht, das größer ist, als ich glauben kann. Es ist immer wieder in der Bibel von gewaltigen Karrieren die Rede. Trotzdem ist nicht jeder ein Mose oder David, der vom Hütejunge zum Kanzler wird.

Es ist kein Schema, das Gott anwendet, kein 7-Stufen-Plan, wie jeder schnell zum Führer von irgendwas wird. Berufung ist mehr, ist nicht der göttliche Weg ins Glück mit mir.  Berufungsgeschichten der Bibel sind auch Berufungen zu 40 Jahren Wüstenwanderung mit einem motzenden, unzufriedenen Nörgelhaufen an der Backe, der irgendwie immer blöde Probleme macht. Berufungen der Bibel haben selten den Charakter von Höhenflügen, eher den von beinharten Enttäuschungen. Gottes Weg mit mir führt mich nicht aufs Traumschiff, sondern aufs Kamel in die Wüste – jedenfalls bei Mose. Der Ruf ereignet sich mitten im Alltag, auf der alltäglichen Suche nach besserem Futter für die Schafe, also nicht bei einer Sitzmeditation im Sonnenaufgang, sondern bei schnöder, absolut stinknormaler Arbeit. Beim Schwitzen unter Schafen ist es ganz plötzlich da, das Gotteswort. Es kommt unerwartet, dass Gott spricht. Mose meditiert den brennenden Dornbusch nicht herbei. Gott spricht aus dem Dornbusch in den Alltag. Das macht den Alltag sehr plötzlich zum heiligen Raum der Begegnung. Ganz plötzlich wird die Ziegenwiese zur Kathedrale, zum Ort, an dem Gott vernehmbar wird – ein gigantischer Augenblick, der Moment der Herausforderung mindestens, eher der Überforderung.

Gott weiß, wo ich gebraucht werde. Dort

2. Ist mein Platz

Darum geh nach Ägypten, Mose! Ich sende dich zum Pharao, denn du sollst mein Volk Israel aus Ägypten herausführen!

Zum eigenen Pflegevater gehen, ihm sagen, dass jetzt Schluss ist mit DDR und Verstoß gegen jede gängige Konvention  – und dann abhauen mit zigtausend Mann – es ist kein Traumjob, der auf Mose wartet, lebensgefährlich  und unbequem. Der Exodus, der Weg durch die Wüste, wartet, nicht die Kreuzfahrt an Bord der „MS-Halleluja“.

Wir hatten ja jetzt die Gelegenheit, mit einer schönen Fähre ein paar Kilometer zu fahren. Das fühlt sich schon gut an, wenn dann der Kellner artig fragt „Bevorzugen Sie das Steak eher medium oder well done, Sir?“ Meine Schwestern haben mich noch nie „Sir“ genannt, das wollen wir jetzt aber demnächst einführen.

40 Jahre Wüste sind Gottes Programm für Mose und sein Volk. 40 Jahre Probleme auf dem Weg in ein gelobtes Land, das so verschwommen am Horizont schimmert, wie für Columbus sein Amerika. Kein Wunder, dass Mose nicht gleich total begeistert ist. Der Job, den Gott zu bieten hat, ist eher schwierig. Er überfordert nicht direkt, sieht aber schon wie eine Überforderung aus. Gott verspricht nicht, Mose glücklich zu machen. Er verspricht eine sinnvolle Lebensaufgabe – das ist ein Unterschied. Berufung ist nicht dazu geeignet, eine Glücksgarantie zu geben. Es macht aber glücklich, Erfüllung zu finden, die in jeder gelebten Berufung ist. Trotz allem ist es auch ein schmerzhafter Weg, weil jede gelebte Berufung auf Unebenheiten stößt, auf Dürre und Hitze der Wüste.

Jede religiöse Strömung, die vergisst, dass Israels Weg durch die Wüste geht, geht in die Irre. Es ist der von Gott gewiesene, somit von Gott unterstützte Weg, der Weg, auf dem er sich erweisen wird und kann. Er ist deshalb kein trostloser Weg und auch keine Überforderung, weil Gott speziell in der Wüste für die Wüste fit macht, so, dass man in der Wüste den wüsten Leuten trotzen kann. Das ist das Geheimnis des Exodus, das Gott auf der Strecke seinem Volk offenbaren will, dass es sich lohnt, sich in die Abhängigkeit Gottes zu begeben, obwohl diese Abhängigkeit manchmal wehtut. Gott will Mose für die Wüste. Er macht ihn fit für die Wüste, so, dass er vorausgehen kann.

Mose fehlt alles, was man für so einen Job braucht. Er hat weder den „Master of Sand und Steine“ noch den „Bachelor für Disteln, Dürre und Trockenheit“ – von psychologischer Betreuung störrischer Israeliten ganz zu schweigen.

Alles, was er brauchen wird, liegt in Gottes Hand, der Hand des Rufenden. Es braucht nur

3. Meine Bereitschaft

Herr, da bin ich.

Mose stellt sich dem Ruf, dem rufenden Wort aus dem Dornbusch. Natürlich ist da auch Angst, Neugier. Natürlich sind da auch viele Bedenken vor so einem riskanten Job. Mose ist eben keiner von denen, die mit Begeisterung in glühende Kohlen springen, um den anderen zu zeigen, was für ein toller Hecht er ist. Im weiteren Verlauf des Textes bringt Mose eine Menge Bedenken ein, die jeder ganz normale Mensch hat bei so einem Riesenprojekt. „Herr, da bin ich“ und „Herr, ich kann nicht“ sind von ein- und demselben Mann gesprochen. Mose weiß, dass der Hut zwei Nummern zu groß ist, den er tragen soll. Er ist kein unerschrockener Held des Glaubens, der ohne zu zucken losreitet, unerschrocken, voll felsenfester Gewissheit. Mose sagt nicht: „Heute gehört uns Ägypten, und morgen des ganze Suezkanal.“ Ne, so läuft das nicht. Die Bereitschaft, aufzustehen und loszugehen, ist immer ein Kampf. Seit Mose ist das so, ist heute noch so.

So manch einer, der begeistert losgerannt ist, ist steckengeblieben, als die Begeisterung nachgelassen hat. Im heißen Sand der Sahara stirbt die Begeisterung schneller, als man glaubt. Allein der Glaube kann helfen, die Wüste zu durchqueren. Es ist keine Schande, einzugestehen, dass man dabei nicht immer voll felsenfester Gewissheit ist. Mose ist das nicht. Der Katalog seiner Einwände füllt nahezu zwei weitere Kapitel der Bibel. Er weiß, dass es schief gehen kann. Jeder, der sich auf den Weg der Berufung macht, weiß, dass es nicht einfach ist.

Auch wenn es heute nicht der brennende Dornbusch ist, der zu uns redet, so ist doch das Wort Gottes dieselbe Kraft, dieselbe Herausforderung. Jeder kann sie hören, der sie hören will. Die Stimme der Berufung ist heute noch zu vernehmen – auf andere Art, aber immer noch da, wo ein Mensch wirklich still genug ist, um zu hören  – still im Sinne von aufmerksam für das, was Gott in Christus wirklich zu sagen hat. Es geht nicht um stille Selbstbespiegelung, es geht um stille Erfahrung des rufenden Gottes.

Wer durch keine Tür geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr die Türen eine nach der anderen zu“ erkennt Paul Roth in einem Gedicht.

Es ist ein lebenslanger Prozess, Berufung zu finden, in Erfahrung zu bringen, wo Gott mich braucht, wann, in welchem Augenblick, zu was. Es braucht dann keine Helden mehr, nur einen einzigen, eher schlichten Satz: „Herr, da bin ich.“

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Angekommen

– Br. Markus – Johannes 12, 44-50

„Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Die Dame aus dem Navi lässt keine Zweifel aufkommen – wir haben`s geschafft, wir sind da, da wo wir hinwollten. Wenn der Flieger wieder aufsetzt, der Zug in den Bahnhof rollt oder die Fähre anlegt, ist der Fall klar: Wir sind angekommen. Was beim Verreisen so leicht ist, ist beim Versenden von Worten schon schwerer. So manches Wort, das gesprochen wird, erreicht den anderen nicht – den, der direkt neben mir steht, so, als ob tausende Kilometer zwischen uns wären.

An Weihnachten kommt Gott in Christus zu uns – und kommt nicht an – bei manchen schon, nicht aber bei allen. Es ist fast wie bei einem Geschenk, das, obwohl es ankommt, nicht ankommt oder aber verschmäht wird. Damit es besser oder sicher ankommt, gibt es den heutigen Predigttext. Christus verdeutlicht sein Lebenswerk, den Sinn seines Wirkens, das Ziel seiner Mission.

In Christus stellt Gott sein Profil in die Welt.

1. Hier ist Gott

„Wer an mich glaubt, der glaubt in Wahrheit an den, der mich gesandt hat.

Weihnachten – Gott kommt in die Welt. Er kommt in Christus an, betritt unseren Boden. Der unsichtbare Gott wird zu einem sichtbaren Menschen in unserer sichtbaren Welt. Christus ist mehr als eine Reise Gottes, so wie von a nach b oder seiner Zeit in unsere. Christus ist die Verwandlung Gottes in einen Menschen. Das ist so unfassbar groß, dass es bis heute trennend zwischen den Religionen steht. Christus ist nicht die
Nr. 2 neben dem einen Gott, er ist keine weitere Figur, wie im griechischen Götterhimmel, sondern Gott selbst, der eine, einzige Gott in einer anderen Gestalt. Christus ist Gott selbst, der sich nicht zu schade war, Mensch zu sein, Mensch unter Menschen, menschlich klein, Menschen ausgeliefert. Das ist unser Glaubensinhalt, unverzichtbarer Bestandteil des Glaubens. Christus ist Gott selbst, das Wort, das unter uns zeltet.

Der Theologe Voigt sagt sinngemäß: Gott wird selbst ein Stück Welt. Er wird es so sehr, dass man das Göttliche ganz übersehen kann, ja übersehen muss.

Hier ist Gott. Er kommt in Christus an, wird zum Stück Welt, das Christus heißt. Christus ist sicher auch Prophet oder Bote, wie ihn der Islam versteht, Wunderheiler oder Lehrer, aber weit darüber hinaus der verwandelnde Gott, der zum Verwechseln ähnliche menschliche Gott, der nicht über Cherubim thront, sondern mitten unter uns liegt, krippen-groß, relativ klein. Gott ist in Christus verwechselbar geworden, verwechselbar mit einem Menschen, weil er menschlicher geworden ist, als man glauben kann – was aber nicht heißt, dass er nur Mensch wäre  und aufgehört hätte, Gott zu sein. Er ist nicht nur Bruder unter Brüder, sonst wäre der Glaube an ihn nur das Für-wahr-halten eines außergewöhnlichen Menschen. Der christliche Glaube hat eine größer gefasste Vorstellung von Gott. Wir glauben Gott nicht als starre Figur, sondern als wandlungsfähige Macht. „Am Anfang war das Wort, Gott war das Wort, in ihm war das Leben.“ Ganz gleich, in welcher Gestalt oder Form sich Gott zeigt, es bleibt ein und derselbe Gott, ein nicht zu kategorisierendes Wesen.

Christus verweist nicht umsonst zurück auf den Vater. Der christliche Glaube richtet sich nicht auf Menschen, Personen oder Sachen aus, sondern immer auf Gott allein. Christus glauben ist etwas anderes als eine Übertragung meiner Wünsche und Sehnsüchte in eine bessere Welt. Christus glauben heißt, aufmerksam werden für Gott, der in Menschengestalt angekommen ist, hier ist, jetzt, ansprechbar für alles, was sich keiner zu sagen traut. Hier ist Gott in Christus. Er tritt streckenweise total ungöttlich auf, so zweifelhaft in seiner Erscheinung, dass es viele selbst heute noch nicht glauben können. Zu ungöttlich erst recht sein Scheitern am Kreuz, zu wenig heil, zu wenig glanzvoll, zu wenig entspannt scheint er, als dass man so was heute noch glauben könnte. Genau deshalb verkündet es Jesus laut – nicht leise, wie es modern geworden ist, sondern laut, dass er ein Gott zum Anfassen ist, ein anderer, als Rache- oder Glücksgötter sind, die Menschen erdacht haben. Christus ist Gott, mit dem man reden kann, einer, der sich zum Mensch gewandelt hat und zurück und trotzdem geblieben ist, wer er ist: Gott.

Hier ist Gott, und somit auch

2. Hier ist das Licht

Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht länger in der Dunkelheit leben muss.

Da sind Millionen Lichter über der Stadt, Millionen von Sternen leuchten bei klarem Wetter in den Nachthimmel hinein. Wenn die Sonne untergegangen ist, hilft der elektrische Strom, ein wenig klarer zu sehen. Romantischer ist nur noch der Kerzenschein. Natürlich braucht der Mensch Licht zum Leben.

Was aber heißt es, Licht der Welt zu sein? Christus ist ja nicht die Cappuccino-Strategie Gottes, bei der man an was Schönes, Warmes, Helles glauben muss, um ein bisschen Glanz für’s arme Dasein zu gewinnen. Christus ist das Gegenteil aller  Finsternis, die uns umgibt. Das hat durchaus was Warmes, Helles wie von einer Kerze, die in der Dunkelheit scheint, viel mehr aber etwas von jenem harten Kontrast, der zwischen Licht und Dunkel ist. Man kann nicht gleichzeitig nass und trocken sein. Das Licht der Welt zu sein, bedeutet, in der Auseinandersetzung mit der Finsternis zu stehen, was alles andere als bequem ist.

„Hier ist das Licht“ bedeutet: Hier ist weniger Platz für Finsternis – und das ist ein Konflikt. Finsternis versteht die Bibel nicht nur als Mord und Totschlag, Lug und Betrug oder das lähmende Entsetzen, das entsteht oder die Ratlosigkeit aus all dem, was daneben geht auf dem Planet. Finsternis ist zu allererst da, wo sich der Mensch abriegelt gegen Gott. Finsternis ist eine Art der Verschlossenheit, des Sich-Versperrens gegen Gott. Finsternis ist Verstandesmissbrauch gegen Gott. Finsternis ist Gefühlsmissbrauch gegen Gott. Finsternis ist Freiheitsmissbrauch gegen Gott.

Die daraus folgenden Taten sind nur die Wirkung einer beschatteten oder unbeleuchteten Denkweise. Darin schlummert unglaublich viel Zoff – eben weil es nicht nur die Nicht-Christen sind, die die Welt verdunkeln, sondern manchmal auch wir Christen selbst, auch die Kirche, das müssen wir uns eingestehen. Man kann sich auch voll fester religiöser Überzeugung gegen Gott abriegeln, also finster sein, solange man sich nur einredet, zu den Erleuchteten zu gehören. Vielleicht ist das sogar die schlimmste Art des Beschattetseins. Golgatha ist ein Beispiel davon.

Es geht um Verschlossenheit bei frommen und nicht-frommen Menschen. Christus strahlt in die Verschlossenheit. Er will klar machen, dass es total anders sein kann, als ich es persönlich wahrnehme.

Der Theologe Voigt sagt: „Es hat nicht viel Sinn, denen, die das Licht nicht kennen, einreden zu wollen, sie tappten im Dunkeln.“ Und er führt aus „zur Erhellung der Welt tragen auch solche bei, die Jesus nicht kennen.“

Von Christus erleuchtet sein bedeutet also nicht, es immer besser zu wissen als die armen, umnachteten anderen. Erleuchtet sein bedeutet, wach zu werden, bei ausreichend Sonnenschein zu prüfen, ob meine Empfindungen wirklich richtig sind, ob ich es wirklich richtig verstanden hab, ob ich es wirklich richtig gemacht habe. Hätte das die Kirche immer getan, hätte man z.B. die Eisenbahn nie zum Werk des Teufels erklären müssen, und ob der Papst der Antichrist ist, selbst wenn der Vatikan Verbindungen zur Mafia hat, wollte ich nicht mit Sicherheit behaupten. Schlimmer dabei ist, dass es Menschen gibt, die eben deshalb nicht an Christus glauben wollen oder können, weil sie zu Recht die Verdunklung befürchten, die religiöse Beschränktheit verursacht. „Hier ist das Licht“ ruft Christus, und ruft dazu auf, sich in den hellen, heißen Scheinwerfer Gottes zu stellen.

Nur in diesem Licht ist auch das Leben.

3. Hier ist das Leben

Ich bin nicht als Richter in die Welt gekommen, sondern als ihr Retter …. Was Gott mir aufgetragen hat zu sagen, führt euch zum Leben.

In Christus ist das Leben eingetroffen – das Leben, das nur einer geben kann, das Leben, das so ganz anders ist, als das, was wir auf dem Friedhof abgeben müssen. Alles, was Gott ist und tut, ist bestimmt von diesem Lebensplan. Von Anbeginn der Schöpfung geht es um nichts anderes – sonst hätte Gott den Urknall nicht knallen lassen, ohne seinen Lebensplan. Gott will Leben, nichts anderes. Somit will Christus und wir, Religion und Kirche nichts anderes. Wir hören nicht am Grabstein damit auf. Wir sind die Weitermacher, die Überleber. Unersättlich folgen wir Gottes Plan. Er ist lebendig bei uns angekommen und will, dass wir bei ihm lebendig ankommen. So einfach ist der Plan. Wir sind nicht die Sachwalter von Hölle, Tod und Teufel, sondern Mitgestalter des göttlichen Lebensplans. Leben ist unsere Zukunft, Leben ist der Masterplan. Er will nicht, dass wir uns mit den kleinen oder größeren Schweinereien selber ausbremsen oder abtöten.

Er will Leben ohne den Schatten, Leben im Licht. Das ist mehr, als nur ein Lichtblick. Es ist unsere Zukunft, die heute schon da ist. Hier ist das Leben. Es steht vor uns wie ein großes Paket, das der Weihnachtsmann abgeliefert hat, ein großes Paket mit gigantischer Aussicht: Leben im Licht. Es kann nur ein Leben in dieser Helligkeitsstufe sein, alles andere überlebt nicht.

Das Licht ist angekommen. Man kann es nicht schöner sagen als Papst Johannes Paul II: „Reißt die Türen weit auf für Christus.“ 

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Die Straße des Trostes

-Br. Markus- Jesaja 40, 1-8

In Frankreich gibt’s so was ähnliches, 311 km von Lyon nach Marseille. Sie heißt Autoroute de Soleil, „Straße der Sonne“. Schöner Name für eine Autobahn, klingt schon ganz anders als „Drackensteiner Hang“ oder „Hunsrück“. „Straße der Sonne“ – gebaut für hunderttausende Urlauber, um in den Süden zu rollen, gute Laune zu tanken in Nizza, Monaco oder Cannes, strahlend wie das wolkenlose Blau des Himmels über der Cote d’Azur. In Wirklichkeit ist diese Straße aber nicht ganz so sonnig, wie der Name verspricht. Am 16. Februar 1980 kam es eben auf dieser Straße zum längsten Stau der Welt. 176 km Blockade, 176 km Abgas, 176 km Frust statt Soleil – meiner Meinung nach hätte dieses Straße sowieso „Autoroude de Fondrière“ heißen müssen (zu deutsch: Schlagloch).Aber mich fragt ja keiner. Für so was nehmen die dann auch noch Maut.

Nicht immer hält die Straße das, was ihr Name verspricht. Deshalb ist es umso schöner, wenn man eine Straße hat, bei der das anders ist, eine Straße, die viel mehr hält, als sie verspricht.

1. Die Wüste

„Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste!….

Der Prophet erkennt einen neuen Weg, eine ganz andere Art von Straße, die es braucht, um hinauszugelangen aus der Dunkelheit, der Sackgasse der Zeit. Jesaja sieht eine Straße, wo nur Wüste ist, kein Weg zu sein scheint, Ausweglosigkeit. Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere noch an die B28 neu, wie lange es gedauert hat. Jahrzehntelange Suche, endlose Diskussion, Baubeginn, als keiner mehr dran geglaubt hat – und das bei einer ganz normalen Bundesstraße. Die Straße des Trostes ist ein ganz neuer, ein ganz anderer, völlig verrückter Weg, dementsprechend gestaltet sich die Planungsphase für ihn. Der neue Weg Gottes zum Menschen hat ein ganz außerordentliches Plan-Feststellungs-Verfahren. Es ändert den Flächennutzungsplan von Grund auf. Gott will in Christus in die Wüste gehen, durch die Wüste einen neuen Weg bauen, eine Autobahn der Hoffnung in die Wüste der Menschheit.

Das ist mehr, als nur eine Brücke über den Abgrund, das ist das Projekt des Jahrtausends, wenn nicht der Zeit überhaupt. Eine Straße des Trostes für eine untröstliche Welt, eine Straße des Lichts in eine verdunkelte Zeit, eine Straße der Hoffnung, wo nichts mehr zu hoffen bleibt. Gott ist und war immer ein Straßenbauer. Er ist definitiv kein Maurer, niemals ein Mauer-Bauer. Gott baut Wege in die Wüste, keine Mauern an die Grenze. Er schafft Wege hinaus, keine Endstationen oder Schlagbäume. Es geht um die Wüste, in der der Mensch lebt, wenn er ohne Gott lebt.

die Wüste Angst, die Wüste Nacht, die Wüste Sorge, und die Wüste Panik…

Jeder von uns hat seine eigene Wüste. Die Wüstenabgründe, die in jedem Mensch schlummern und sich auftun, sobald er ohne Gott unterwegs ist. Die Wüste Schuld, die im Laufe jedes Lebens ganz automatisch entsteht, ob man will oder nicht. Es bringt nichts, sich was vorzumachen oder abzuhauen. Wüste ist unser Schicksal, weil ein Leben, ohne schuldig zu werden, unmöglich ist. Es ist nur eine Frage, wie hoch oder tief die Berge der Schuld sind, die der Einzelne produziert, und wie ehrlich man zu sich selber ist. Schuld ist eben keine erlernte Angst, die entsteht aus Mangel an Vernunft, Schuld ist etwas ganz anderes, als nur ein Schuldgefühl. Schuld ist die Wüste, die entsteht, wenn ich die Interessen des anderen verletze. Schuld ist die Wüste, die entsteht, wo ich die Interessen Gottes missachte. Schuld ist die Wüste, die entsteht, wo ich den anderen ausblende. Verdorrt, ausgetrocknet, rissig, versandet, verstaubt und unfruchtbar ist diese Art zu leben, selbst da, wo man sie mit grellbunten Farben überlackiert, aufhübscht oder wegdiskutiert. Wüste bleibt Wüste – ob ich sie erkennen will oder nicht. Noch schlimmer, wenn die Religion missbraucht wird, um in anderen Schuldgefühle zu erzeugen. Das ist nicht Gottes Plan – sich selber einzugestehen aber schon.

Dort kann echter, tiefer Trost entstehen, durch

2. Das Wort

Die Straße des Trostes hat eine einzigartige Statik, haltbarer als Stahlbeton. Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken, aber das Wort unseres Gottes bleibt gültig für immer und ewig.“

Gottes Wort garantiert die Tragfähigkeit. Die Straße des Trostes ist kein billiger Ausweg aus selber gemachten Problemen. Die Straße des Trostes ist der einzige Weg der bleibt, wenn alle anderen Gassen zur Sackgasse geworden sind. Gottes Trost wird gerade darin zum starken Trost, dass er wird in Echtzeit, bei wirklichen Schwierigkeiten im wirklichen Leben. Eben darin liegt ein gewaltiger Unterschied zu allen anderen billigen Trostpflastern. Gottes Wort ist kein „Kopf hoch, wird schon wieder“ nach dem Aufmunterungsprinzip. Auch kein: „Immer, wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ So schön das klingt, so wenig ist es dafür tauglich, echter Trost zu sein – gerade dann, wenn von irgendwo eher irgendwie gar nichts kommt oder noch mehr als man ertragen kann. Die Straße des Trostes ist kein Boulevard der schönen Worte oder rosaroten Versprechungen. Es ist manchmal nicht halb so schlimm, sondern doppelt so schlimm, wie es aussieht, und es gibt Situationen, in denen der größte Optimist nicht mehr weiter weiß.

Genau da fängt Gott in Christus erst an: am Ende meines Optimismus. Es steht nirgends geschrieben, dass ein Christ nicht optimistisch sein darf. Optimismus ist bestenfalls die halbe Miete. Was mach ich sonst, wenn mir die Felle davon schwimmen, wenn ich erkenne, dass ich die Ziele meines Lebens nicht erreiche, der gute Eindruck, den ich von mir hatte, langsam nachlässt, der Zahn der Zeit an meinem Felsen „Überzeugungen“ nagt, wenns draußen länger dunkel bleibt und kälter, als erwartet, und überhaupt alles so ganz anders ist, als man mir versprochen hat wenn ich aus Versehen genau falsch rum gefahren bin und gar nicht gemerkt hab, dass ich mich im Kreise dreh – wie im Labyrinth, verstrickt in falsche Erwartungen und zu hohe Träume, irrige Ideen. Die Straße des Trostes braucht man nicht dann, wenn man sich einbildet, falsch gefahren zu sein, sondern wenn man falsch gefahren ist. Wenn die letzte Eigentrostreserve verbraucht ist, fängt Christus an.

Der Tröster, den der Vater senden wird, ist kein Vertröster, sondern ein echter Mann des Zuspruchs – nicht nur für die eigene, ganz persönliche Trostlosigkeit, sondern für die Trostlosigkeit der Welt, die mich umgibt. Es entsteht auch ohne meine Schuld Trostlosigkeit, Dunkelheit und Wüste in der Welt, Entsetzen, das mich sprachlos macht. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – dann steht der nächste Selbstmordattentäter vor der Tür – und keiner kann etwas dafür. Man muss nicht Trump oder Putin heißen, um Schuld am Elend der Welt zu sein. Es ereignet sich von ganz allein, in Syrien, im Kongo und in Afghanistan. Wollte man eine Liste der Trostlosigkeiten anfertigen, würde wohl der Papiervorrat ausgehen. Starken Trost brauche ich auch dann, wenn ich gar nichts dafür kann, auch dann, gerade dann, wenn das Unheil überraschend über mich hereinbricht, aus dem Nichts auftaucht und mir den Schlaf raubt. Wenn das Böse unerklärbar ist wie blinder Hass und fanatische Wut, auch dann braucht es Worte, die schwerer wiegen als alle Worte dieser Welt.

Es braucht diese neue Straße, den

3. Asphalt für die Ewigkeit

In Christus will Gott einen neuen Weg. Er baut eine völlig neue Straße zum Menschen, breiter, gerader, schneller. An Weihnachten wird die Sache konkret. Da wird nicht länger verhandelt oder geprüft, da ist Baubeginn. Die Straße des Trostes kommt in die Welt, schafft eine neue Verbindung von Gott zu uns und umgedreht, beidseitig befahrbar. Es beginnt schon vor zweitausend Jahren, dauert immer noch an und reicht in die Zukunft hinein. Die Straße des Trostes soll eine alles mit allem verbindende, weltumspannende Straße, eine unendliche Piste sein durch Raum und Zeit. In Christus entsteht Gottes Asphalt für die Ewigkeit. Auf dieser Straße werden wir, wer wir wirklich sind: getröstete Tröster. Auf dieser Straße ereignet sich Gott. Christus blendet die Schuld nicht aus, ganz im Gegenteil. In Christus finden wir Kraft, unsere Schuld anzuschauen. In Christus steht Gott für uns gerade, weil keiner von uns für sich selber gerade stehen kann. Nicht durch Schönreden, Ausblenden oder Überdröhnen, sondern durch Geradestehen für uns entsteht der einzige, wirklich brauchbare, der echte, tiefgreifende Trost, der Trost, der seinen Namen auch wirklich verdient, die Straße auf der man fahren kann. Gott steht für mich gerade. Das allein vermag die Welt zu trösten, dass einer da ist, der sie einfach wegwischen kann, die Schuldenberge von heute, damals und morgen.

In Christus entsteht eine Straße, die die Welt verändert, stärker als es die Europabrücke oder irgend eine andere Straße kann. Die Straße des Trostes ist ein interaktives Bauwerk, das alle verwandelt, die es benutzen. Auf ihr sind alle Menschen gleich, gleichermaßen untröstlich, gleichermaßen getröstet, gleichermaßen zum Tröster geworden. Auf der Straße des Trostes gibt es keinen Unterschied, weil alle Menschen gleichermaßen auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen sind. Die Straße des Trostes ist die einzige Straße der Welt, die unser Denken in dieser Weise verändern kann. Gott bricht sich Bahn zu uns. Es gibt eine neue Schiene, die Straße der Verwandlung.

Vor tausenden Jahren hat Jesaja in einer Vision erkannt, dass so eine Straße kommen wird, einen unendlichen Weg der Barmherzigkeit, der alle, die sie genießen, gleichermaßen zu Bauarbeitern des Trostes macht. Somit spornt der Ruf des Propheten in der Wüste heute noch an: „Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut eine Straße durch die Steppe für unseren Gott.

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