Schatz und Kiste, Flasche und Wein

  1. Korinther 4, 6-10, Predigt: Br. Paidoios

 

Manche morsche Kiste von Moos oder Algen überzogen, schmierig bräunlich, dreckig, verrostet enthält doch Gold. Und wer meint, eine schöne Flasche und ein schönes Etikett garantiere grundsätzlich einen guten Wein darin, ist schon oft fehl gegangen. Gewiss ist es ein höchst erfreuliches Ergebnis, wenn Form und Inhalt sich entsprechen. Eine schöne Seele in einem schönen Körper, das ist toll. Aber wenn man zwischen Beidem wählen müsste, ist auf lange Sicht die schöne Seele verträglicher.

1.  Durchleuchtet

Denn so wie Gott einmal befahl, Licht soll aus der Dunkelheit hervor brechen, so hat sein Licht auch unsere Herzen erhellt. Durch uns sollen nun alle Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus aufstrahlt. Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns.

Wir stehen und sehen die Dinge in einem anderen Licht. Das macht Glauben schön und ist entspannend. Nicht wir müssen leuchten, sondern wir werden angestrahlt im buchstäblichen Sinne. Wir leben unter dem Lächeln und Strahlen Gottes. Das erste Handeln Gottes an dieser Welt, sein gewaltiges Wort: „es werde Licht!“ ist kein Einzelereignis in unendlichen Fernen, sondern ein grundsätzliches und täglich neues Ereignis. Gott selber leuchtet, ist Licht und wo er auftrifft, wird es hell. Gott ist der Energieriese, vor der EON und Wattenfall sich verstecken können. Aufgehängt zwischen den Hauptmasten der Schöpfung, der Erscheinung Jesu auf dieser Erde und der endgültigen Herrlichkeit leuchtet Gott durch alle Zeiten, Geschichten und Geschicke. Kein Land, kein Ort, kein Geschick, keine Not, keine Nacht ist so dunkel, dass nicht Gott darin aufleuchten kann. Das ist unser Schatz, unser Reichtum und das ist unsere Energie: Gott strahlt uns an. „Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich“ – wir gehen alle Zeit unter dem kraftvollen Strahlen Gottes.

2. Durchlitten

Diesen Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche Gefäße sind. Die Schwierigkeiten bedrängen uns von allen Seiten. Wir sind oft ratlos. Von Menschen werden wir verfolgt. Wir werden zu Boden geschlagen. Tagtäglich erfahren wir am eigenen Leib etwas vom Sterben, das Jesus durchlitten hat.

So real das Licht Gottes ist, so wirklich ist auch die Nacht in der es aufstrahlt. Glaube und Bibel sind so wirklich, dass sie die Gebrechen, das Leiden, das Unerlöste, das was weh tut, weder ausblenden, noch fromm übertünchen. Leid darf benannt, beklagt, beweint und durchlebt werden. Wir dürfen vor dem Leid sprachlos sein, verzweifelt, bitter, hoffnungslos. Wir dürfen trauern und wir müssen nicht alles erklären und verstehen können. Es sind menschliche Erfahrungen und das strahlende Licht Gottes gesteht uns diese menschlichen Erfahrungen zu. Wie billig, schmerzhaft und zerstörerisch auch ein frommer Trost sein kann, der Trauer und Auseinandersetzung nicht zulässt, erfahren wir aus vielen Gesprächen und am eigenen Leib.

Gott gewährt uns solche Phasen und ist damit barmherziger und zielstrebiger als mancher Seelsorger und fromme Prediger. ER hält mit uns aus und tröstet wie eine Mutter tröstet. Und eine Mutter erklärt einem weinenden Kind mit aufgeschlagenem Knie auch nicht rein biologisch, wie mit Fibrin und Blutplättchen sich die Wunde wieder schließt. Mancher frommer Trost klingt aber gerade so.

Paulus sagt „ja“ zum Leid und selbst Jesus Christus kannte die Situation wo er Blut und Wasser schwitzte und sich ihm der Schrei los rang: „mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

3. Durchblick

Den kostbaren Schatz tragen wir in uns obwohl wir nur zerbrechliche Gefäße sind. So wird jeder erkennen, dass die außerordentliche Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst. Bedrängt, aber nicht überwältigt; ratlos, aber nicht verzweifelt; verfolgt, aber Zuflucht findend; zu Boden geschlagen, aber nicht umkommend.

Tägliche Sterbenserfahrung, die uns mit Jesu Leiden auch mit seiner Auferstehung verbinden. Der Durchblick nach diesem Paulustext ist vielfältig und macht das Leben lebenswert. Zum einen gilt es, den Schatz Gottes nicht aus den Augen zu verlieren. Aus und in der Gewissheit leben, dass Gott Licht unbegrenzt leuchtet. So wie die Sonne, die leuchtet – auch wenn wir hier auf Erden manchmal nur eine graue Wolkenwand sehen – die hellen Streifen und die Möglichkeiten Gottes entdecken.

Es ist faszinierend, dass der vom Hals an abwärts gelähmte Samuel Koch, der bei allen Verrichtungen Hilfe braucht, eine unendlich lange Liste aufstellen kann von dem was er noch kann und von dem wofür er dankbar ist. Es lohnt sich, das Buch zu lesen und diese Liste zu studieren.

Es lohn sich, in den dunklen Zeiten zu erkennen, was immer noch gut und oft leider uns so selbstverständlich ist. Der leuchtende Gott will uns auch solchen Situationen sein Licht zur Verfügung stellen, dass wir durchblicken.

Das zweite ist die Grunderkenntnis, dass wir den kostbaren Schatz des Glaubens und Lebens in zerbrechlichen Gefäßen tragen. Man möchte auf jedem öffentlichen Platz, in jeder Stadt und in jedem Dorf und vor jeder Kirche eine Säule aufstellen, auf der diese Wort eingemeißelt sind: Wir tragen den Schatz Gottes in zerbrechlichen Gefäßen. Hören wir endlich auf, uns selbst und andere zu überfordern, indem wir von einer heilen und problemlosen Welt träumen, indem wir Ideale hoch halten, indem wir nach dem perfekten Glauben, nach der perfekten Bruderschaft, nach der perfekten Gemeinde, nach dem immer funktionierenden Gebet und einem Leben ohne Probleme und Lasten streben. Befreien wir uns, nur an der Form herum zu polieren und dabei den Inhalt zu vernachlässigen. Beenden wir den kindischen Jammer, dass der gute Wein eben doch noch besser schmecken würde, wenn das Glas einen Goldrand zusätzlich hätte.

Möge das Strahlen Gottes unsere auch oft verkehrten Auffassungen erleuchten. Der von Gott initiierte Durchblick geht noch weiter. Genau solche Dinge sind nötig, dass Gottes Handeln groß wird und bleibt. Nicht wir strahlen, sondern Gott in uns. Nicht wir siegen, sondern Gott in uns. Nicht wir wirken, sondern es ist die Kraft Gottes, die in und durch uns wirkt.

Vogt schreibt: „Starke, imponierende Menschen würde das Subjekt sein Gottes, das Übermaß seiner Kraft verdecken.“

Manches mal braucht es Leiden und Grenzen, dass wir selber und andere entdecken, dass nicht wir die Macher sind, sondern dass alles von Gott kommt.

Und noch ein Durchblick strahlt unter Gottes Licht auf: Leiden ist sinnvoll. Bitte auch hier genau hinschauen und zuhören: Leiden ist nicht in sich sinnvoll. Wer das behauptet, hat die Tiefendimension des Leidens noch nicht erfahren und erfasst. Leiden ist aber dennoch sinnvoll, weil es eine Brücke zur Gottesnähe ist. Wir haben recht gehört: Gerade im Leiden erfahren wir die so oft ersehnte, unmittelbare Gottesnähe. Es ist die Gottesnähe mit dem leidenden Christus und damit erwächst eine ganz neue Sicht. Im Leiden sind wir Christus nahe. Im Leiden ist uns Christus nahe. Gerade an diesem so schmerzhaften Punkt erfahren wir eine Verschmelzung mit Gott und so erkannt und so gelebt ist Leiden sinnvoll. Auch hier brauchen wir das Aufleuchten Gottes, dass wir diese Zusammenhänge entdecken und leben können. Das Licht Gottes scheint, Gott strahlt auch uns jeden Morgen neu an. Wenden wir IHM unser Gesicht und unser Leben zu, dass auch wir leuchten.

Wir sind dazu gemacht, durchblickend, leidend und schwach das Strahlen Gottes zu vervielfältigen. Amen.

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Über brtheophilos

Ein Blumenmönch in Gott verliebt. Mag Menschen, Blumen und Worte die Herzen erobern.
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