Anders als erwartet

-Br. Markus- Jeremia 23, 5-8

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – erst eins, dann – – – merkt man, dass man vergessen hat, Streichhölzer zu kaufen. Dann, wenn sie nicht so ruhig und beschaulich ist, so romantisch im Kerzenschein, die ruhige und besinnliche Zeit, ist sie irgendwie anders, stimmt etwas nicht mit dem was ist und dem, was man erwartet hat. Wenn die gelbe Tulpe rot blüht, statt Sonne Regen scheint, plötzlich alles aus ist, ist alles anders, als erwartet. Um Veränderung, um Zukunft geht es heute morgen, um Zukunft aber nicht allein. Es geht um das, was Zukunft ist und sein kann, aber auch um unsere Erwartung, unseren Umgang, unsere Einstellung auf das, was kommt. Der Prophet Jeremia folgt mit seiner Prognose keinem Rechenmodell, sondern der Kraft seiner Vision, die er hat, sieht auf das, was kommt.
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1. Schöner, als ein Traum

Schön, wenn man noch träumen kann, das Leben überhaupt kein Alptraum ist, wenn man nach vorne schaut und voll Ideen ist, vergisst, was geht und gehen kann, wenn nicht der Alltagsfrust alle Träume zerstört hat und sich nicht novembergrau in unsere Seele frisst. Schön, wenn da noch mehr ist, als die Enttäuschung des Philosophen, der uns prophezeit: „Es kommt selten was Besseres.“ Was wirklich kommt, wissen wir nicht. Manchmal kommt es noch schlimmer, manchmal kommt es viel schöner als erwartet. Erst gestern, erst letzte Woche haben wir viel besser verkauft, als ich zu glauben gewagt hätte. Die Mauer ist weg. Das Leben überrascht auch im November manchmal mit fröhlicheren Farben als grau. Keiner kann heute wissen, was morgen ist, aber jeder Mensch kann heute schon an morgen denken, an das, was ist oder sein könnte. Der Mensch unterscheidet sich vom Affen darin, dass er vorausschauend handeln kann. Trotzdem ist da ein Unterschied zwischen Erwartung und Traum. Beides ist auf die Zukunft ausgerichtet, aber mit einem ganz entscheidenden Unterschied. Erwartung ist kein Traum – christliche Erwartung erst recht nicht. Träume folgen Wünschen, Erwartungen nicht. Erwartung hat einen Grund, einen konkreten Anlass. Wenn ich ein Paket erwarte, dann deshalb, weil ich vorher eins bestellt hab. Jeder Mensch wünscht sich eine bessere Welt  ohne Krieg, Hass und Gewalt. Alle träumen von einem besseren Leben, frei von Zwietracht und Hinterlist.

Bestellen lässt sich das aber nicht. Schön wie Erinnerungen an die gute alte Zeit kann er sein, unser Traum von einer viel besseren Wirklichkeit. Das macht unsere Wirklichkeit aber nur um 0,0 Prozent besser. Es funktioniert nicht, eine bessere Welt zu träumen. Zu viele sind schon gescheitert an diesem traumhaften Traum. Unsere Erwartung ist geprägt von einer klaren Hoffnung, die in Christus konkret ist, mehr als ein Traum. Es geht um die Frage von Recht und Gerechtigkeit, die soviel größer ist, als man träumen kann.

„Der neue König wird weise regieren und in seinem Land für Recht und Gerechtigkeit sorgen“ heißt es im Text.

Es geht um
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2. Erwartung mit Aussicht

Das alte Israel träumt, träumt mit ganzer Kraft von einem neuen König, einem Macher, der das hat, was der bisherige König nicht hat: Gerechtigkeit. Man muss da nicht ins alte Israel reisen, um schlimme Verhältnisse vorzufinden. Die Wirklichkeit ist rauer, härter, niederschmetternder, als wir es glauben wollen. Heute noch ist die Welt, so, dass sie nach Recht und Gerechtigkeit schreit. Man muss dazu nicht die weltpolitische Bühne betreten. Es gelingt uns allen wirklich nicht, so zu sein, wie wir sein sollten, gerne wären oder sogar wissen, wie wir sein müssten. Es ist der ganz normale Mensch, der unrecht ist, im Unrecht ganz allein, wenn er im Kampf um sich selbst Unrecht zulässt, unrecht lebt. Es ist der eigene Überlebenstrieb, der Unrecht verursacht, anderen Schmerzen zufügt. Die Suche nach dem größten Stück des Kuchens lässt für andere immer kleiner Stücke, manchmal nur noch krümelgroß, zurück. Das ist unser aller Missgeschick, dass wir’s nicht hinkriegen, für andere zu denken und zu lieben und zu denken – und so gibt’s Krieg. Der Krieg, wer mehr kriegt, ist immer und überall – nicht nur in großen, sondern manchmal in winzig kleinen, ganz normalen, zickigen Streitigkeiten. Jeder von uns kann ein Mini-Putin und überall ein kleines Afghanistan sein. Da muss man nicht erst zum Nachbarn hinüberschauen. Die Art von Gerechtigkeit, die diese Welt braucht, ist nicht von dieser Welt. Sie ist anders, ganz anders, als ein Politiker sie geben kann. Sie ist tiefer und reicht weiter, als der Einzelne sieht. Das ist der große Konflikt im alten Israel, der Erwartungskonflikt, in dem Israel lebt. Israel erwartet das Unmögliche. Keine politische Kraft dieser Welt kann Recht und Gerechtigkeit herstellen, kein Kanzler oder König, keine Fraktion oder Parlament – keiner! Im Härtefall entscheidet jeder nach dem Überlebensprinzip. Zum eigenen Vorteil heißt: Nachteil des anderen.

Die Gerechtigkeit Gottes ist größer als Gerechtigkeit, die Menschen sich geben können. Sie folgt einem klaren Prinzip. Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Glaube, Sanftmut und Enthaltsamkeit …. sind politisch nicht herstellbar. Die Gerechtigkeit Gottes kommt von anderswo. Sie wirkt Veränderung von innen heraus. Aus Barmherzigkeit verwandelt sich die Welt. Das ist ganz anders, anders als erwartet. Gerechtigkeit Gottes ist Überzeugung des einzelnen Menschen, nicht Programm von außen, obwohl es die äußeren Umstände ändert. Es ist kein Traum. Würde sich nichts an äußeren Umständen ändern, wäre es Traum. Christliche Erwartungshaltung führt aber zur greifbaren Veränderung in der Welt. Der König, der erwartet wird, ist nicht der König der Barmherzigkeitsverordnungen, sondern der gelebten Barmherzigkeit. Christus schafft kein Hingabegesetz, sondern gibt sich. „Meine Gerechtigkeit ist nicht mein eigenes Werk“ so heißt das neue Gesetz, das einzige Gesetz, das Aussicht auf Erfolg hat. Nicht ich, der andere, der neue Mann, auf den sich unsere Aufmerksamkeit richten soll, hat die alleinige Gerechtigkeitskompetenz. Er allein weiß, was wirklich gerecht ist. Es ist eine ganz andere Herrschaftsform, die entsteht, die einzige, die wirklich Aussicht auf Erfolg hat.

Nicht ich – Christus in mir wird zum
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3. Prägenden Lichtblick

Jeremia kündigt einen neuen Herrscher an, der inzwischen gekommen ist, anders, als erwartet. In Christus hat sich ein neues Lebensziel ausgeformt. Eine neue Erwartungshaltung ist entstanden. „Nicht ich“ – das heißt: „eher er“. Die neue Partnerschaft, die seither möglich ist, schafft wirkliche Hoffnung. Unser Dunkel ist nicht mehr dunkel, unsere Finsternis erstrahlt im hellen Licht.

Lichtpartnerschaft in Christus schafft atemberaubende Aussicht, schön wie der Schein einer Kerze auf dem Adventskranz, aber auch unruhig, wie nur eine lebendige Flamme sein kann. Partnerschaft im Licht kann eine höchst beunruhigende Angelegenheit sein, wenn alte Gewohnheiten, festgefahrene Überzeugung, immer richtige Ansichten plötzlich anders aussehen. Besinnung ist mehr als ein Schäferstündchen mit Räuchermännchen und Co. Echte Besinnung im Kerzenschein lässt Licht auf alles fallen, was im Schatten eines Jahres ist und war. „Frommes Gehabe zählt nicht.“ sagt der Theologe Voigt. Lichtpartnerschaft will mehr sein.

Christus ist der prägende Lichtblick im Schatten meiner selbst. Das ist die alles entscheidende Botschaft Jeremias. Da ist einer, der nicht beschattet ist, auch darin und auch dann noch, wenn der helle Schein ganz anders leuchtet als erwartet und sich anders anfühlt. Die Christusrevolution kommt ohne rohe Gewalt, aber mit gewaltiger Kraft. Sie rückt alles ins richtige Licht, gerade das, was nicht entspricht. Das kann ein gewaltiges Erdbeben sein. Was das ist und sein kann, zeigt sich im Kerzenschein der Besinnung – Adventsbesonnenheit. Nur im Licht der Barmherzigkeit wird er zum Lichtblick, der Blick auf die Welt und mich selbst, zum prägenden Lichtblick für alles, was ansteht im eher dunklen Novembergrau. Der prägende Lichtblick macht es, dass die Welt ganz anders aussieht, als erwartet. Sie erstrahlt im hellen Schein der Barmherzigkeit eines neuen Königs – wie gesagt, oft anders, als erwartet.

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Über brtheophilos

Ein Blumenmönch in Gott verliebt. Mag Menschen, Blumen und Worte die Herzen erobern.
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