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Für immer und ewig

Br. Markus – Joh. 14,15-19

In unserem Kühlschrank steht ein „Tropischer Früchtetraum“. Auf seiner Unterseite steht, gedruckt oder geklebt, wie lange er unter uns sein wird – also falls Willi ihn nicht schon vorher vernascht. „Verfallsdatum“ nennt man das – mindestens haltbar bis … Von Geburt an, quasi, weiß er, wann es mit ihm zu Ende geht, der Yoghurt. Man gewöhnt sich daran, darauf zu achten, wann es zu Ende geht, wie lange er hält, quasi genießbar ist. Schon klar, kein Ding hält ewig, erst recht nicht so ein tropischer Früchtetraum. Einzig der Stracchiatella – Becher ist noch schlechter dran, der erreicht oft nicht mal sein eigenes Verfallsdatum. Ob man als Yoghurt geboren ist oder nicht – irgendwann ist es vorbei – oder nicht?

Der heutige Text ist auch eine Endstation. Er berichtet von einem, der geht, aber viel mehr noch von einem, der kommt – nicht nur kommt, sondern auch bleibt, für immer bleibt, auf ewig da ist.

1. Wir sind nicht allein

19 Schon bald werde ich nicht mehr auf dieser Welt sein, und niemand wird mich mehr sehen. Nur ihr, ihr werdet mich sehen. Und weil ich lebe, werdet auch ihr leben.

Es sieht aus wie der große Abschied. Christus geht, geht hinaus in diese andere Welt, aus der er gekommen ist, die keiner sehen kann, von der man vermuten muß oder glauben kann, dass sie überhaupt da ist, eben weil man nicht wirklich beweisen kann, dass es ihn überhaupt gibt, jenen überirdisch großen Raum, „Welt Gottes“ genannt. Christus geht, bricht auf, um zurückzugehen, dahin, woher er gekommen war, um Brot für die Welt und Hoffnung für alle zu sein, zurück in jene andere Welt, hinterlässt er hier und vor den Augen der Jünger, vor unseren Augen, ein Loch. Es klafft eine Lücke, ein Hohlraum in unserer Welt, die so zu einer Welt ohne sichtbaren Christus geworden ist oder mindestens geworden zu sein scheint. In ihr sieht man ihn nicht, Christus, den Auferstandenen. Er scheint nicht mehr da zu sein seit damals, einfach ausgerissen, abgehauen aus der sichtbaren Welt, die uns umgibt und erdrückt mit allem, was so gar nicht nach Christus aussieht in ihr. Er hat sich vom Acker gemacht, so scheint es, und lässt uns dabei zurück. Die glaubende Kirche sieht ihn nicht mehr in unserer sichtbaren Welt. Wir sehen die Krisen und Probleme, die es gibt, aber Christus nicht mehr. Krankheit, Krieg, Neid oder Streit sind vor unseren Augen jeden Tag da. Christus scheint abgelaufen seit jener Zeit, das Problem bleibt.

Es ist nicht der Abschied eines großen Vordenkers oder Gelehrten, es ist nicht so wie auf dem Friedhof, wenn gar nichts mehr bleibt. Es ist nur ein Wechsel von unserer Wirklichkeit in eine andere. Christus geht nicht einfach so über Nacht oder durch den Hinterausgang. Er geht schon, aber er lässt sich selber zurück, in anderer Form zwar, aber deutlich da. Nicht nur im Augenblick, im Moment, wo er geht, sondern für länger, für immer und ewig. Sein Geist, der Geist Gottes, der Heilige Geist, bleibt zurück, um ansprechbar zu sein. Der Geist Gottes bleibt, wenn Christus geht, auf immer und ewig – wenn auch nicht sichtbar, doch trotzdem da. Christus lässt uns nicht allein, nicht einmal die, die sich alleingelassen fühlen. Er kettet sich an uns in einem Treueversprechen, das ohne Verfallsdatum ist, von allen Ermüdungserscheinungen frei. Es ist sein Geist, der uns bleibt, für uns überall ansprechbar ist, mitten unter uns aushält, an unserer Seite bleibt.

2. Der andere Helfer

16 Dann werde ich den Vater bitten, dass er euch an meiner Stelle einen Helfer gibt, der für immer bei euch bleibt. Dies ist der Geist der Wahrheit.

Christus geht, der Geist der Wahrheit bleibt zurück, hier in unserer Welt, auf diesem Planet, auf dem so viel gelogen und betrogen, geschummelt und getrickst wird. Der Geist der Wahrheit – was sollen wir denn damit? Jeder von uns hat doch seine persönliche, ganz eigene Wahrheit, die jeweils für sich auch richtig ist oder nicht. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – und so kann man doch auch damit zufrieden sein, dassjeder seine eigene Lebenswahrheit hat – oder nicht?

Ich kenne jede Menge Menschen, die damit zufrieden sind, ihre jeweils eigene Wahrheit zu kennen und – zu verteidigen, ohne Rücksicht auf Verluste, versteht sich. So abwegig ist das gar nicht. Es gibt ein Problem und fünf mögliche Sichtweisen, oder 25 mögliche Sichtweisen – je nach dem, wie viel Leute betroffen sind, sogar 500 oder 5.000 Sichtweisen. Was Wahrheit ist, weiß dabei keiner so genau, verschwimmt zu einem unscharfen Bild in der Fülle der Meinungen.

Der Heilige Geist lässt sich nicht darauf beschränken, ausschließlich Geist der Wahrheit zu sein. Er ist wesentlich mehr, ist aber auch Wahrheitsgeist – nicht irgendeiner Wahrheit unter vielen, auch nicht der Wahrheit, die man gemeinsam beschließen kann. Gottes Wahrheitsbegriff ist größer, er ist einzigartig und eindeutig. Gott sieht die Wahrheit als Wirklichkeit, über allen persönlichen Sichtweisen. Gott sieht Wahrheit als das, was Tatsache ist. Sein Heiliger Geist ist der Geist, der allen Scheinwahrheiten widerspricht. Nicht umsonst ist es der Geist, den die Welt nicht kennt. Man muss sich dabei nicht einmal als ein verkanntes Genie fühlen. Gottes Geist unterliegt nie meinen persönlichen Wahrnehmungen. Das ist brutal und sehr tröstlich zugleich. Es tröstet mich, wenn andere falsch über mich denken und es fordert mich heraus, wenn ich falsch über andere denke. Gottes Wahrheit kann ich mir nicht zurechtbiegen, sie ist Wahrheit in sich. Der Geist der Wahrheit ist der Geist, der frei ist von persönlichen Einfärbungen jeder Art. Christus sieht mich, wie ich wirklich bin. Wenn ich das Gute wirklich gewollt habe, sieht er das selbst da, wo ich es falsch angefangen hab. Wenn ich getrickst hab, sieht er das, selbst wenn es mit lauter frommen Worten ausgeführt war. In dieser Spannung stehen wir vor dem Heiligen Geist.

Ich war kürzlich zu einer privaten Feier eingeladen. Da war ein anderer Gast der Meinung, daß es in der Kirche ausnahmslos und überhaupt nur um’s Geld gehe, das den Leuten aus der Tasche gezogen wird. Der Herr war dermaßen von seiner These überzeugt, daß es absolut unmöglich war, die Wahrheit an’s Licht zu bringen. Kein Einzelfall. Es schlummern viele Konflikte zwischen Menschen darin, daß die persönlichen Wahrnehmungen über die Wahrheit als solche gestellt werden. Der Geist Gottes, der ewig bleibt, ist und bleibt der übergeordnete Geist über alle Scheinwahrheiten und Wahrheitsgefühle hinaus. Vor Gottes Angesicht zählt das, was ist, nicht mehr und auch nicht weniger. Dieser Geist Gottes ist unser Begleiter, unser Beschirmer und Beschützer, unser Tränentrockner und Tröster, unser Verteidiger, der leise Zweite, der nie von unserer Seite weicht. Die Stunde des Abschieds, in der Christus geht, ist die Stunde seiner dauerhaften Anwesenheit an unserer Seite, selbst wenn alles im Leben in die Hose geht, das Leben sich leer und nutzlos anfühlt. Gottes Wahrheit über mich ist größer als ich. ER ist mein Anwalt im Prozeß gegen mich, selbst wenn ich mich selber verurteilen muss. ER ist der andere Helfer, der an meiner Seite geht, mehr als ein „gelber Engel“, hilft in den Pleiten und Pannen des Lebens die richtige Richtung zu gewinnen, der Helfer, auf den man sich verlassen kann, wenn die anderen einen schon lange verlassen haben.

Gott ist in Christus durch seinen Heiligen Geist

3. In unserer Mitte gegenwärtig

Das ist die Botschaft von Pfingsten, dass Gott nicht weggeht, nicht von unserer Seite weicht, in seinem Heiligen Geist mit uns durch die Wüsten und Höllen dieser Welt wie auch über ihre Sonnenwiesen geht. Da ist ein Geist, in dem Gottes Treueversprechen lebendig ist, so lebendig, daß es uns helfen kann, die Welt zu einer besseren Welt zu formen, so lange sie steht. Es ist ein Geist, kein Gespenst, das mit uns geht, ein Geist der uns beflügeln oder bremsen kann –  mitreisen zu den Abenteuer des Glaubens oder stoppen bei allzu hohem Seegang. Es ist der lebendige Atem Gottes, der alles, was lebt, verwandelt – mindestens den, der das glauben kann. Es ist keine neue Denkrichtung, der man sich anschließen kann oder stille Überlegung, aufgrund der sich eine neue Folgerung ergibt. Der Heilige Geist offenbart sich. Er bewegt den, der das glauben kann, hin zur Erkenntnis.

Der Theologe Stählin sagt: „Man kann diesen Geist nicht kennen, ohne ihn zu haben, denn man vermag immer nur das wirklich zu erkennen, woran man lebensmäßig Anteil hat.“

Christus bleibt wirklich und wirkungsvoll in unserer Mitte. Das ist die Fortsetzung von Weihnachten und Ostern gleichermaßen. Er geht nicht weg von uns, selbst wenn wir selber zum Weglaufen sind. Im Heiligen Geist Gottes hält uns Christus aus, in unserem Chaos und gegen den Schein, und macht uns gerecht in Gottes Angesicht. Im Heiligen Geist wird unser Leben zur Wirkungsstätte Gottes heute, nicht zum Schauplatz historischer Erinnerung damals. Gott steht heute an meiner Seite, er wirkt heute mit mir, an mir und durch mich. Gott tröstet mich heute. Da muss ich mich gar nicht vertrösten, nicht einmal auf ein Leben nach dem Tod, weil Gottes Geist heute schon in mir voll aktiv ist. Er ist in unserer Mitte gegenwärtig. Das bedeutet: Ich muss nie mehr allein sein, für immer und ewig.

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Die richtige Antwort

Jesaja 12, 1-6

Was für einen Wochentag haben wir heute? Ich geb’ Ihnen mal `nen kleinen Tipp: Samstag isses nich. Da wär ich nämlich jetzt auf dem Markt. Na – ? Die Glocken läuten, klingelt da was? Klar, wir wissen`s alle. Manche Fragen sind einfach einfach zu beantworten.

Probieren wir also gleich mal eine richtig schwierige: Empfinden Sie Lebenslust – heute morgen, am Sonntag, hier, jetzt? Wenn nicht der Stress mit den Nachbarn, die nervige Tante oder der Zahnarzt wären, dann vielleicht …

Aber so gefragt …

Lebenslust – was ist denn das? Manchmal ist es eben nicht so einfach, die richtige Antwort zu finden oder zu geben. Denken wir ruhig in aller Ruhe nach.

Es geht um die richtige Antwort, unsere Antwort, die Antwort der christlichen Kirche auf Gott selbst – heute, am Sonntag, und weit darüber hinaus.

1. Über den Augenblick hinaus

Gesucht wird ein Wort mit fünf Buchstaben. Raten Sie mit. Der Hauptgewinn ist ein Spaziergang an der frischen Luft mit mir. Ist doch immerhin besser als so ne billige Sammeltasse aus China. Es geht um mehr. Es sind nur fünf Buchstaben, aus denen das kleine Wort besteht, das die Welt verändert: D-A-N-K-E

Ein ganz einfaches Wort, eine Floskel fast, die man artig sagt, wenn man was geschenkt gekriegt hat. An einem durchschnittlichen Samstag bedanke ich mich mindestens fünfhundertmal – bei jedem Kunden, der bei uns was gekauft hat. So gehört sich das. Bin ich ihm auch wirklich dankbar deshalb? Danke sagen und dankbar sein gehört ja eigentlich zusammen. Dadurch, dass wir auf`s Bedanken dressiert sind, geht uns dadurch da und dort die echte, die wirkliche Dankbarkeit verloren. Durch`s Danke sagen müssen schwindet das Danke sagen können. Tief in mir drin bin ich doch eher ein Nörgler, ein Zweifler, ein Haar-in-in-der-Suppe-Sucher, ein leicht unzufriedener, undankbarer Typ. Ich hätt es gerne leichter gehabt im Leben, und überhaupt: mehr Spaß, mehr Geld, mehr Glück. Dankbarkeit ist nicht mein Ding. Das Leben schenkt einem ja nix. Im Lotto hab ich auch noch nicht gewonnen. Da wundert es einen doch nicht, dass ich eher voller Sehnsucht als voller Dankbarkeit bin – im Augenblick.

Die Dankbarkeit gegen Gott läuft immer gegen meine natürliche, menschliche Undankbarkeit. Sie überfordert mich in diesem Augenblick – gestern schon und heute noch. Es ist ein unglaublich anstrengend weiter Weg, weg von mir selbst, hin zu jener ganz anderen Lebenseinstellung, die eigentlich selbstverständlich sein sollte. Es geht aber bei Gott nicht um andressierte Artigkeit, sondern vielmehr um echte Überzeugung. Überzeugung kann nur da wachsen, wo ich sie wachsen lasse – Dankbarkeit, die mehr ist als ein Lippenbekenntnis, die tief in mir meine eigentliche Überzeugung darstellt. Es ist schön, dass der Einzelne sich seine Gedanken macht und kraft seiner Gedanken dankbar wird für dies und das, was der andere am anderen Ende der Welt eher weniger hat. Echte Dankbarkeit ist aber mehr.

Dankbarkeit für Gott ist eine Herzensangelegenheit. Es geht darum, diese Dankbarkeit zu empfinden, zu spüren, wie erste Sonnenstrahlen auf der Haut – Dankbarkeit, die man nur dort hat, wo Gott uns berührt. Leider kann man diese Dankbarkeit nicht immer sofort gewinnen, weil in dem Augenblick, in dem Glück geschieht, ich es nicht als solches erkennen kann. Ich treffe häufig Menschen, die mir sagen, dass sie ihr Glück erst sehen konnten, als es nicht mehr vorhanden war – und sei es nur so etwas Schlichtes wie die eigene Gesundheit gewesen. Gerade im Glauben wächst die echte Dankbarkeit, auch aus Besinnung, der Erinnerung an das, was Gott bereits getan hat, natürlich heute tut und morgen tun wird. Den Glücksfaktor Montag kenne ich aber noch nicht, und so ist es kein Raub, aus der Erinnerung an Gottes Güte von gestern und vorgestern zu leben. Echte Dankbarkeit reicht über den Augenblick hinaus, aber nicht nur.

Das reicht auch

2. Über mich selbst hinaus

Ich kann nur wirklich dankbar sein für das, was ich als Glück, das mir geschieht, erkenne. Wenn mir einer ein Eis schenkt, ist der Fall klar. Der Zorn Gottes gehört eher nicht dazu. „Dich will ich loben, o Herr! Du warst zornig auf mich, doch dein Zorn hat sich gelegt, und du hast mich wieder getröstet. Das Dankeslied des Jesaja ist ein viel tiefgründigeres Lied. Dankbar für den Zorn Gottes kann nur sein, wer sich wirklich mit ihm auseinandersetzt. Es geht um eine Lebenseinstellung, die ganz anders ist, als meine persönliche Befindlichkeit im Augenblick. Dankbar gegen Gott kann eben auch dort sein, und gerade dort, wo das Schicksal hart zuschlägt – eben, weil echte Dankbarkeit keine religiöse Selbsttäuschung ist, sondern wache Auseinandersetzung mit mir selbst. Wer mit Gott geht, dem geht`s manchmal auch grottenschlecht, und es bleibt nicht dabei, das nur zu akzeptieren, sondern auch noch dafür dankbar zu sein. Echte Dankbarkeit, wo Gott chirurgisch in mein Leben eingreift, wenn ich über den Stolperstein gefallen bin und mir die tiefe Narbe geholt habe. Würde ich Gott nur da lieben, wo er mir gut getan hat, wäre er bestenfalls mein Sklave. Er ist aber meine Zukunft, und das fordert mich heraus. Die echte Dankbarkeit ist immer eine Überforderung meiner selbst, meiner möglicherweise zu geringen Glaubenskapazität.

Begegnung mit Gott fordert heraus. Nur wer sich herausfordern lässt, kann darin überstehen. Nur durch die Herausforderung im Glauben gelingt es, zu begreifen, dass auch der Zorn Gottes notwendig ist, der Zorn Gottes über Leute wie mich, dass ich nicht ausknipsen kann und anhören muss, was ER mir zu sagen hat.

Der Theologe Voigt sagt: „Ich muss dem zürnenden Gott gegen mich selbst recht geben.“

Eine anspruchsvolle Lebensaufgabe. Genau darin liegt aber auch der Augenblick echter Dankbarkeit, in der es gelingt, zu entdecken, wer Gott wirklich ist: eben kein Monster. Die Barmherzigkeit Gottes ist größer als ich, größer, als meine Schuld, größer als mein Versagen, größer als meine Angst. Gott reicht weit über mich hinaus, über alles, was ich mir vorstellen oder denken kann. Gott handelt an mir, schön und schmerzhaft zugleich. Er handelt aber nicht nur an mir.

Ich bin nicht der- oder diejenige, die einzig und allein seine Barmherzigkeit genießt. Es sind wir. Gott überfordert mich. Das macht uns zur Gemeinschaft, zur Kirche derer, die weit über sich hinaus geliebt werden. Die Erfahrung des Einzelnen wird zur Erfahrung aller, die sich darauf einlassen. So entsteht die Gemeinschaft der Erfahrenen – jetzt und für alle Zeit. Die Kirche derer, die Gott spüren können in der Kraft seiner Vergebung. Die Kirche der Neustarter. Die D-A-N-K-E – die Kirche der Dankbaren.

In dieser Kirche gelingt es in jedem Detail des Lebens, den Atemzug Gottes zu spüren, der in allem ist, was atmet und lebt, wie auch in allen Schmerzen, die damit verbunden sind. Echte Dankbarkeit fordert mich heraus, meine Grenzen zu überwinden. Gott will nicht, dass wir uns auf das fokussieren, was wir nicht können oder glauben zu können, sondern auf das, was er in uns entstehen lassen kann, auf das, was er durch uns wirken kann.

Das reicht

3. Über alles

Es geht um die richtige Antwort auf Gott, auf das, was er tut in mir und durch mich. Man kann das nicht einfach reinschieben und runterschlucken, so wie ne Sahnetorte. Der Gott, der an mir geschieht, ist eher ein Muntermacher. Nicht umsonst ist die christliche Kirche die Kirche der Dankbaren. Es ist nicht die Rede von Danksagung, wie an einen Verstorbenen. Weil Gottes Barmherzigkeit unter uns lebendig ist, entsteht daraus lebendiger Lobpreis, somit ein bisschen Begeisterung um Gottes willen, nicht um irgendetwas zu erreichen, einfach, weil er ist und handelt. Gerade in einer Welt, in der nicht alles ist, wie es wünschenswert wäre.

Unser Dankeschön in einer Welt, die uns rat- und sprachlos macht, in der einem manchmal die Worte fehlen. Gerade da kommt es darauf an, eine Melodie der Dankbarkeit anzustimmen, um sie dem herrschenden Unheil ins Gesicht zu singen. Cantate – so heißt der heutige Sonntag. Er ist speziell dafür gedacht, daran zu erinnern, dass es Grund zum Singen gibt – weil Gott mehr tut, als er unterlässt. Man muss gar nicht alles verstehen. Unser Choral der Dankbarkeit verändert auch nichts. Gott wird nicht größer oder kleiner dadurch, dass wir ihn loben oder preisen. Trotzdem kann unsere Antwort auf ihn wohl kaum betretenes Schweigen sein. Selbst dann, wenn die Welt sich andersrum dreht als wir es wünschen.

Es gab und gibt immer Probleme, die einem die Lust zu Singen rauben. Trotzdem ist da unser Dankeschön für alles, was Gott ist und gibt. Es lässt sich auf viele tausend Arten sagen oder singen. Es gibt das neue und das alte Lied, das der eine oder andere singen kann.

Gestern war bei mir eine Oma auf dem Markt. Sie hatte letztes Jahr eine abgebrochene Restepflanze für 0,50 € aus unserer Pflegeecke gekauft. Sie hat sie sogar durch den Winter gebracht – und jetzt blüht sie und blüht sie und blüht wie verrückt. Oma wollte gar nicht aufhören, von ihrer Pflanze zu schwärmen, von einer todgeweihten Pflanze für 0,50 €.

So viel Grund zur Dankbarkeit hat jeder von uns – selbst unter den schlimmsten Umständen. Nicht nur deshalb ist die richtige Antwort auf das, was Gott gibt, Cantate – gelebtes und gesungenes Dankeschön.

Wer nicht singen kann, kann wenigstens den Takt klopfen. Unser Schlagzeuger steht dabei mit Rat und Tat zur Verfügung. Amen

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Einmal der Größte sein

– Br. Markus – Matthäus 20, 26-28

Heutzutage ist es nur eine Doping-Frage. Wer besser ist, als ich, ist sowieso gedopt – klarer Fall. Die großen Rennen werden von Sportmedizinern gewonnen. Sieger ist, wer die richtige Zahnpasta nimmt – nicht nur im Radsport. Deutschland sucht den Superstar – und so alt wie die Menschheit ist die Frage nach dem oder der Besten seiner Art. „Wer ist der beste Christ?“ fragt der heutige Predigttext – der Größte unter uns, der, der auf dem Treppchen steht, mit oder ohne Freudentränen oder dem goldenen Pokal unterm Arm. Christus verblüfft mit seiner Antwort. Der größte Christ ist der „zu Tische Dienende“, wie es wörtlich übersetzt heißt.

1. Ganz oben unten sein

Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.

Christus stellt sich in den Kontrast zu Welt. Er durchbricht mit seinen Vorstellungen das Gesetz der Evolution. Nicht der, der besser, schneller oder stärker ist, nicht der, der was bewegt und vorneweg geht nicht der, der sein Leben mit großen Augenblicken bereichert, nicht der, der etwas Bleibendes hinterlässt sondern ganz, ganz anders. „Dienen“ und „Dienst“ heißen die zwei Worte, die fett und schwer den Weg nach ganz oben blockieren oder öffnen. „Dienen“ und „Dienst“ – so altbacken wie ungemütlich. „Dienen“ und „Dienst“ so bitter, wie Alltagsfrust – dabei die Angst, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. „Dienen“ und „Dienst“ – schlimmer als Aschenputtel oder Hausfrauendasein. „Dienen“ und „Dienst“ – ohne mit dabei zu sein, wenn vorne die Post abgeht. Schon klar, dass Gottes Reich nicht von dieser Welt ist. Zu anspruchsvoll scheinen die göttlichen Wertvorstellungen, als dass man sich daran gewöhnen könnte.

In Christus werden die Werte der sichtbaren Welt auf den Kopf gestellt – was jetzt nicht heißt, dass man voll einen auf Sklave machen soll, obwohl Paulus an anderer Stelle durchaus von einer Art Sklaverei spricht. Es geht um den wahren Gottesdienst – nicht so, wie Pizzaservice, wo man bestellt und einer was bringt. Es geht um den Dienst Gottes an uns und unseren Dienst an Gott. Gottes Dienst ereignet sich zuerst an uns. Christus lebt und stirbt nicht als Forderung an die Welt, sondern als Geschenk für die Welt. In Christus verkauft sich Gott weit unter Wert – gratis sozusagen.

Ist doch eindeutig zu billig – oder nicht? Christus stirbt auf Golgatha umsonst, ohne, dass er was davon hat. Das würde heutzutage keiner so machen. Nicht gerade ein Traumjob, das Ganze. Für uns heißt das Zauberwort, die göttliche Motivation. Für mich, für Euch und alle, die das nachvollziehen können.
Christus für uns als Lebensauftrag.
Christus für uns als Karriereplan.
Christus für uns in Gewinnbeteiligung.
Christus für uns als Verlustrechnung.
Christus dient uns auf der untersten Stufe, sein Leben, damit wir leben.

Gottes Dienst an mir ist eine Leistung, für die ich keine Rechnung schreiben kann, die unbezahlbar ist und bleibt, die mich befreit vom Schatten des Bösen, der über mir lastet. Es ist die größte Freiheit, die ein Mensch erreichen kann. Wir kriegen sie für low. Wäre Gott ein moderner Großkonzern, wäre die Eintrittskarte nach Gethsemane nicht unter 50.000.- zu haben. Das ist kein Witz. Es gibt große Modekonzerne, die verlangen solche Preise allein für Insider- Modeschauen. Den Schatten des Bösen zu verlieren, frei von mir selber zu sein, ist ein hoher Wert, den Gott schenkt. Die Betonung liegt auf „gratis“ , also weit unter Wert – was nicht wertlos heißt. Diese Aktion Gottes ist und soll für die gesamte Kirche ein Leitbild sein. „Sich verschenken“ heißt die Devise, und das klingt ganz anders, als „sich verkaufen“.

Ist wesentlich mehr wert!

Es hilft mir

2. Ganz vorne hinten zu stehen

Es geht um ein unbezahlbares Miteinander zwischen Gott und Mensch. Nur wer was hat, kann auch was geben. Nur wer befreit ist, kann Freiheit schenken. Nur wer geliebt ist, kann auch lieben. Ein ungetanktes Auto läuft nicht. Gottes Dienst an mir macht mich überhaupt erst fähig, selber zu dienen. Im Gottesdienst wird genau genommen überhaupt nicht mehr geherrscht, sondern nur noch gedient. Das ist das wirklich Spannende daran, dass es keinen mehr gibt, der Ansagen macht.

Nicht von dieser Welt – wie schon gesagt. Keiner herrscht mehr, alle dienen sich, aus dem Impuls Gottes heraus, der so eine verrückte Lebensart überhaupt erst möglich macht. Es sollen nicht die Kleinkarierten sein, um die man sich streitet, sondern die kleinen Zeichen der Zuneigung, mit denen man sich erfreut. Zu schön fast, um wahr zu sein. Die Idee Gottes ist völlig frei vom kleingeistigen Kassierdenken. Sie ist so frei, sich zu verschenken, allein zu verschenken, sonst gar nicht.

Unser christliches Denken soll frei sein davon: Was es bringt, ob es lohnt, ob man nicht drauflegen muss oder zu kurz kommt. Wer vom Schatten befreit ist, weiß, dass es viel mehr ist, als man je bezahlen könnte, was Gott bringt – bringt und nicht nimmt.

Gottesdienst mit Rechenschieber geht nicht. Es braucht Freiheit, zu schenken und zu genießen.

Der Theologe Voigt sagt: „Der reife Glaube müsste den Willen Gottes bejahen können, selbst wenn Gott das eigene Glück vernichtet. Erst dann wäre ich darüber hinaus, Gott zum Mittel für meine Zwecke zu erniedrigen.“

Gott ist nicht Mittel zum Zweck und ich bin nicht Mittel zum Zweck. Es läuft nicht auf der Basis der Berechnung. Christen sind nicht Religionsfunktionäre. Zwänge nützen wenig. Es geht um die freie Entfaltung der Sympathie Gottes. Christus dient nicht nur, weil es geschrieben steht, sondern weil seine Liebe seinen Gottesdienst prägt. Das ist das Fundament, auf dem das Ganze steht, die Tradition der Zuneigung, die er gründet. Jeder Gottesdienst ohne diese Zuneigung wäre eine Selbstüberforderung. Es soll auch keine religiöse Mitmenschlichkeit sein oder so eine Art Almosenausschüttung an den anderen. Gott gibt sich ganz. Deshalb soll unser Dienst immer ganz geschehen, auch wenn er nicht gleich den riesigen Spaßfaktor bringt. Es geht um echte Überzeugung, aus der heraus der Dienst geschieht, selbst dann, wenn es nur Kleinigkeiten sind, die es zu tun gibt. Schon ein ganz kleines Lächeln kann große Wirkung zeigen, wenn es von Herzen kommt.

Die Passionszeit ist keine rosige Zeit, der Weg ans Kreuz ein steiniger Weg. Christus geht auf staubiger Straße. Jeder Schritt, den er geht, ist wie ein mühsames Erlernen von Gehorsam. „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen“ sind einige seiner letzten Worte. Es steht nirgends geschrieben, dass überschwängliche Dankbarkeit auf uns wartet. Hinten in der Schlange stehen, nervt. Warten strengt an, warten, dass sich was bewegt, warten, dass man drankommt, wenigstens irgendwann. Wer der Größte sein will, stelle sich hinten an, gehe mit auf dem steinigen Weg. Es geht nicht um ein neues Kirchengesetz zur Versklavung der Frommen, sondern ganz schlicht um Dienstbereitschaft zum Priestertum aller Gläubigen, zur Diakonie der von Gott berührten Menschen. Darin gelingt es, in Gottes Sinn

3. Als Erster der Letzte zu sein

Es ist doch schön, wenn man keinen so hohen Erwartungsdruck hat. Unser Gottesdienst kann niemand beeindrucken und muss niemand beeindrucken. Er geschieht nicht aus mir heraus. Es geht nicht um die besten Plätze im Himmel oder auch auf Erden, es geht darum, sich ansprechen zu lassen, um ein offenes Ohr und ein offenes Auge. Wer anderen eine Freude machen will, fragt nicht zuallererst nach dem Preis. Hätte Christus gefragt, was es bringt und ob es lohnt am Kreuz, wer weiß, wie das ausgegangen wäre.

Als Erster der Letzte zu sein gelingt nicht, wenn man Angst um sich hat. Es ist so verrückt, wie der Glaube selbst. Golgatha – es kann sogar voll der Nachteil sein im Augenblick wo es geschieht. Immer, wenn ich etwas verschenke, hab ich danach etwas weniger – mathematisch gesehen jedenfalls, und es kommt auch nicht immer was zurück, wenn ich was verschenke. Das ist nun einmal so. Es ist die bahnbrechende Erkenntnis Luthers, dass kein Mensch Punkte sammeln kann – egal, wie einer lebt, also sowieso hinten in der Schlange steht.

Die Sünde der Welt ist und bleibt das Allerletzte. Somit ist jeder von uns sowieso der oder die Allerletzte. Ausgenommen ist nur Christus, der hinter  uns steht und dort bis ans Ende der Tage stehen bleibt. Sosehr wir uns auch anstrengen, sind wir nie der Letzte. Hinter uns steht noch einer, der das Licht ausmacht und die Tür zu. Dass Christus hinter uns steht, ist das, was uns Kraft gibt für unseren Dienst, unsere Diakonie, unser Priestertum. Es gibt einen, der als Erster der Letzte war und immer der Letzte bleibt. Seine Auferstehung hat uns erlöst.

Christus macht frei. Christus erlöst vom Zwang, ganz groß rauskommen zu müssen, in der ersten Reihe zu sitzen und dabei zu sein, wenn die Post abgeht. Christus hat die Welt erlöst. Wenn man’s genau überlegt, sind wir genau dadurch die Größten – auf immer und ewig.

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Du bist so viel mehr

Johannes 3, 16-18 – Br. Markus

Beim Auto ist es einfach: Da gibt es die Schwacke-Liste. Da kann man eben mal nachschauen, wie viel die Alte noch wert ist – die alte Limousine, versteht sich. Beim Menschen ist es nicht so einfach. Wie viel ist der grauhaarige 70-jährige noch wert? Wie viel bin ich, wie viel sind Sie oder wir alle den anderen wert? Beim Blumenkauf erkennt man’s klar, wie viel der oder diejenige dem jeweils anderen wert sind. „1,90 € für drei Rosen aus der Resteecke – aber bitte mit viel Grün, damit es was her macht.“ Hatte ich vor zwei Wochen. Die Dame hatte den Valentinstag vergessen und wollte ihrem Lebenspartner nachträglich mal richtig einheizen. An ihren Ohren hing ein halber Juwelierladen, und ihr Nerzmantel war auch kein Billigmodell aus China. Immerhin, 1,90 € für ihren Liebsten! Zugegeben, sie war weit über 60 – andere schenken sich da schon lange nichts mehr, und bekanntlich zählen ja sowieso nur innere Werte.

„Du hast so viel mehr“ spricht Gott zum Menschen, somit zu uns.

1. Die teuerste Geste

Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. „Also hat Gott die Welt geliebt“ übersetzt Luther.

Gott liebt die Welt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Gott ist kein Kind von Traurigkeit – so nach dem Motto „Welt ade, ich bin dein müde“. Er ist genau das Gegenteil davon. Er liebt mit ganzer Kraft. Da ist keine vornehme Zurückhaltung, sondern göttliche Kraft, volle, pralle, ungebremste Sympathie für den Menschen. Gott liebt nicht irgendwann mal irgendwen, sondern heute uns, genau genommen seit Tausenden von Jahren schon alle und alles, was er geschaffen hat. Gott liebt. Er liebt nicht „America first“, sondern die Welt, das heißt alle und alles, Putin inklusive, nicht irgend eine besondere Gruppe mehr oder weniger. Gott liebt größer und stärker, als man träumen kann. Das sprengt den Rahmen unserer Vorstellungskraft. Gott liebt die Welt sogar mit allem, was in ihr hässlich ist.

Das kostet ungeheure Kraft. Er liebt die Erde trotz allem, was daneben geht, unvollkommen oder fehlentwickelt ist. Er liebt mehr, als man meint. Wir sind die Welt, wir sind Gottes Glücksstern, den er zum Strahlen bringen will, trotz allem, was daneben geht. Wir sind die Welt, die Gott liebt, trotz unserer Unfähigkeit, so zu sein, wie wir sein wollen oder könnten. Es gibt keine Vorbedingungen, um von Gott geliebt zu werden, keine Mindestvoraussetzungen oder sonstige Standards. Gott liebt, weil er will und kann und weil er geschaffen hat: uns, was um uns ist und hält und trägt. Starke Leidenschaft ist Gottes Programm. Gott liebt die Welt – und zwar so stark, dass man sich nicht dagegen wehren kann. Er findet sich nicht damit ab, die Liebe nur zu äußern oder anzuzeigen, er beweist sie durch seine teuerste Geste. Er will, dass man seine Liebe nicht nur hört und sieht, sondern dass sie erlebbar wird, so nah und intensiv, wie ein riesen Rosenstrauß voll Duft und voller Blüte. Gott liebt die Welt nicht nur mit warmen Worten, sondern in Christus, seinem Sohn.

Das ist der stärkste Ausdruck, den er der Liebe geben kann, ein Zeichen mit Wirkung – nicht nur ein Zeichen zum Anschauen. Christus ist die teuerste Geste Gottes. Christus wirkt neue Nähe zu Gott – eben und gerade für alle die, die sich weit, weit weg von ihm fühlen: die Welt. Wir auch? Alle, jeder ist gemeint,  die teuerste Geste Gottes zu sehen und entgegen zu nehmen. Jeder ist gemeint, ob er’s glauben kann oder nicht. In Christus spricht Gott jeden an. Eine größere Geste von Liebe kann es nicht geben. Gott meint in Christus alle, alle sind es ihm wert, wirklich alle. Das beinhaltet sämtliche Falschmacher und Falschmacherinnen dieser Erde, die ganze Welt. Gott liebt diese Welt. Er zeigt uns das in Christus. Das ist nicht nur die teuerste Geste, sondern zugleich

2. Das größte Geschenk

Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie zu retten.

Retten statt richten. Da ist nicht die Rede von Zuckerbrot und Peitsche wie beim Nikolaus oder Weihnachtsmann. Gott ist nicht das schwarze Monster für schwer erziehbare Kinder, das die Guten belohnt und die schweren Finger bestraft. Gott tickt anders. Er ist kein Gott der kleinlichen Sympathie für wohlerzogene Menschenkinder. Er ist ein Gott der Sympathie für schlimme Finger. Gottes Zuneigung kann in Christus über unsere Unzulänglichkeit hinwegsehen. Christus ist die Großzügigkeit Gottes, die alles beiseite schafft, was trennend dazwischen steht – zwischen uns und Gott. In Christus schenkt Gott dem Menschen die Gerechtigkeit, die keiner kaufen kann, Gerechtigkeit vor seinen Augen. In Christus rettet Gott den Menschen vor sich selbst, das heißt, seinem eigenen, allzu menschlichen Abgrund, dem menschlichen Hang zu Ungerechtigkeit, Unwahrheit usw. Christus rettet mich vor meiner Fehleinschätzung – und da gibt es so viele Dinge, in denen Menschen sich irren, wenn es auch nur für einen winzigen Augenblick ist, in dem eine falschen Information, ein missverstandenes Wort oder einfach ein komisches Gefühl für katastrophale Folgen sorgen. Christus rettet mich. Das bedeutet aber nicht, dass Gott fünfe gerade sein lässt – so nach dem Motto: „Schwamm drüber, ist ja alles halb so schlimm“.

Gottes Rechtsanspruch ist und bleibt eine steile, unerfüllbare Norm, die so hoch ist, dass keiner sie erfüllen kann. Gott verzichtet nicht auf sein Recht, er ist und bleibt anspruchsvoll. Die Gerechtigkeit in Christus ist aber die einzige Möglichkeit für den Menschen, Gottes Anspruch zu genügen. Gezwungen wird keiner, aber es gibt keine andere Chance. In Christus beschenkt mich Gott mit einer höheren Gerechtigkeit, einer Gerechtigkeit, die nicht von dieser Welt ist, die Gerechtigkeit in seinen Augen. In Christus bin ich der, der ich sein soll – nicht Ritter ohne Furcht und Tadel, sondern trotz Furcht und Tadel. „Gerechter vor Gott“ ist ein wertvoller Titel, wertvoller als ein Doktortitel, schon deshalb, weil er sich weder kaufen noch abschreiben oder selber zu erwerben ist. Man muss ihn sich schenken lassen. Es hat nie etwas mit Logik zu tun, schon aber mit der Logik der Liebe, die Gott antreibt.

Jeder, der sich wach beobachtet, merkt, dass man einem sympathischen Menschen eher etwas verzeiht als einem unsympathischen. Weil Gott die Welt in Christus liebt, verzeiht er der Welt ihre Fehler – ganz gleich, wie viele und welcher Art – was aber nicht bedeutet, dass damit eine Weichwaschmaschine entstanden ist, die man nach Belieben ein- und ausschalten kann. In Christus werden wir so viel mehr, als wir sein können. Wir werden zu von Gott geliebten Wesen, zu denen, die den Traum Gottes verwirklichen, den Traum von einer freien, gerechten, wahrhaftigen Welt. Mit uns will Gott das machen, mit denen, die verrückt genug sind, das zu glauben, dass es auch eine Welt ohne Lug und Trug geben kann. Allein in Christus können wir mehr werden, als Falschmacher unter Falschmachern. Wir können zu denen werden, die Mut haben, das Vertrauen zu wagen. Gezwungen wird keiner. Man muss nichts, aber wir können. Es ist Gottes Gelegenheit, die er bietet, nicht verordnet. Es ist sein offenes Angebot an fantasievolle Lebewesen, am Leben teilzuhaben, an einem Leben, in dem es keine Kerkermauern mehr gibt.

Der Glaube spielt darin die entscheidende Rolle. Er hat die Schlüsselfunktion. Allein durch den Glauben kann es geschehen. Durch den Glauben allein wird Gottes Geschenk greifbar.

Im Glauben wird Christus

3. Zum Richtigen für uns

Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an den einzigen Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil schon gesprochen.

Gott will uns alle haben. Er will uns alle als lebendig sehen, um seinen Traum vom Leben zu verwirklichen. Er zwingt sich aber niemand auf. Der alle liebende Gott ist und bleibt auch ein urteilender Gott. ER ist keiner von denen, die kein klares Bild von dem hätten, was gut und böse ist. Er lässt sein Urteil auch nicht auflösen, was als böse oder lebenszerstörend erkannt wird, wird von Gott auch immer verurteilt. Es gibt keine Sympathie für das lebenszerstörende bei Gott. Das heißt, er urteilt scharf. Gott benennt eine klare Grenzen zwischen dem, was gut und böse ist. Er ist kein Wischi-Waschi-Apostel, wo am Ende irgendwie immer alles gut wird, sondern einer, der eine rote Linie erkennt zwischen dem was gut ist und was nicht.

Christus ist der Richtige für uns. Durch den Glauben gelingt es zwar auch nicht immer, die richtige Entscheidung zu treffen, aber es gelingt, klarer zu sehen, was zum Leben führt und was nicht. Der Glaube macht uns ansprechbar für die Sichtweise Gottes, die weiter reicht als meine eigene. Es herrscht eine neue Offenheit und Klarheit. Christus ist der Richtige für uns. Er will mehr aus unserem Leben machen, als nur ein Vegetieren in der Grauzone. Er will Licht ins Dunkel bringen und in jeden Morast des Lebens, der Menschen in sich gefangen hält. Er will frei uns davon frei machen, etwas darzustellen zu müssen, was wir nicht sind. Christus ist der Richtige für jeden, das das glauben kann und der sich mitnehmen lässt. Der Glaube ist der Schlüssel. Der Glaube schließt die große Welt der Sympathiebeweise Gottes auf. Er lässt uns viel mehr sein, als wir selber sein können. Wir können mit verschlossenen Fenstern und Türen leben oder aufmachen.

Christus ist der Richtige für uns. Es ist unsere Entscheidung. .

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Richtig christlich streiten

Sprüche 9, 7-9

Wer einen Spötter ermahnt, erntet nichts als Verachtung, und wer einen gottlosen Menschen tadelt, wird von ihm gemieden. Darum weise nie einen Spötter zurecht, sonst hasst er dich. Ermahne lieber einen verständigen Menschen, denn er wird dich dafür lieben. Unterweise den Klugen, und er wird noch klüger. Belehre den, der Gott gehorcht, und er wird immer mehr dazulernen.

Als Einsiedler hat man das Problem nicht. Wer mit sich allein im Wald lebt, hat einen entscheidenden Vorteil: Es gibt keinen, der anderer Meinung ist. Wenn ich mit mir allein bin, kann ich immer meiner Meinung sein. Ein tolles Erlebnis, es sei denn, ich hätte zwei Seelen, ach, in einer Brust. Streit entsteht immer dann, wenn mehr als einer im Raum ist, eine andere, eine fremde, eine unbekannte, große Meinung auf mich zukommt. Dann bin ich gefragt, zur Auseinandersetzung anzutreten, mich in Frage stellen zu lassen oder andere in Frage zu stellen. Kein angenehmer oder bequemer Weg, wesentlich unbequemer, als Konflikte totzulächeln, totzuschweigen oder harmonisch zu überdröhnen. Der christliche Weg zum Frieden führt über die anstrengende Auseinandersetzung mit dem anders Denkenden. Es geschieht nicht durch Kreuzzüge, Verleumdungskampagnen oder Messerstechereien, sondern anders. Wir sind weder Friede-Freude-Eierkuchen-Apostel, noch Folterknechte im Namen des Herrn. Wir lächeln oder schießen niemanden tot, wir setzen uns mit ihm auseinander, indem wir richtig christlich streiten.

1. Mimosen und Giftzwerge eignen sich nicht

Weise nie einen Spötter zurecht, sonst hasst er dich.

Wer sich richtig christlich streiten muss, dem muss klar sein, dass es Menschen gibt, mit denen so eine Auseinandersetzung nicht stattfinden kann. Es ist kein ausdrückliches Streitverbot, aber ein guter Rat, nicht mit jedem zu streiten. Der Spötter – andere Übersetzungen nennen ihn „Frevler, gottlos oder den Unbelehrbaren“ – im weiteren Textumfeld auch „Frau Torheit“ genannt. Die christliche Pflicht zur Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Gegenüber, somit auch der Frage nach dem Ziel der Auseinandersetzung. „Unbelehrbar“ – hoffnungslose Fälle gibt es bei Gott nicht, aber es gibt Menschen, mit denen eine Auseinandersetzung schnell zum Kleinkrieg wird, und da ist eine andere Herangehensweise gefragt. Es geht um Mimosen und Giftzwerge. Bei einer Mimose merkt man’s gleich: Sobald man ihre Blätter auch nur sanft berührt, rollt sie sofort alle Blätter ein und macht dicht. Mimosen sehen sogar Streicheleinheiten als Angriff auf ihre Person und riegeln ab. Da kann man nichts machen, da nützen gute und böse Worte nichts. Mimosen sind lieber mit sich selbst allein – und da kann ein Streit genau das Falsche sein – jedenfalls nicht der geeignete Weg, um einen Schritt vorwärts zu kommen.

Schwieriger wird es mit Giftzwergen. So manch einer, der als Schneewittchen daherkommt, ist tief in sich drin ein Giftzwerg oder eine Giftzwergin, hübsch lackiert, voll guter Umgangsformen, aber äußerst hinterhältig. Es geht die Rede von „toxischen Menschen“ – Menschen, die anderen das Dasein vergiften, verbohrt, uninformiert, uneinsichtig, unbelehrbar. Der Unbelehrbare weiß sich im Recht – die anderen haben Unrecht. Unbelehrbare überschreiten Grenzen. Sie mischen sich in die Angelegenheiten anderer rücksichtslos ein. Unbelehrbare haben stille Erwartungen an andere, die nicht ausgesprochen werden. Hält man sie nicht ein, wird man dafür bestraft. Unbelehrbare lügen, um ihre Interessen durchzusetzen, intrigieren und verleumden. Sie streuen Gerüchte, verschweigen wichtige Einzelheiten, nur um selber an’s Ziel zu kommen. Unbelehrbare sind oft eifersüchtig, nehmen selten Rücksicht, wollen eher selten was zurückgeben  und so weiter und so fort.

Giftzwerge, Spötter, Frevler – hier hat ein Streitgespräch keinen Sinn, weil es keine Veränderung bewirkt, im Gegenteil Hass erzeugt. Auseinandersetzung im christlichen Sinn hat aber immer das Ziel, zu einer Veränderung zu führen, in die richtige Richtung. Wenn aber Hass entsteht, ist dieses Ziel verfehlt, der Streit kein Streit mehr, sondern Zickenzoff.

Genau das soll nicht sein, sonst hätten wir

2. Zickenzoff statt Streit

Christlichen Zickenzoff gibt es nicht. Bei jedem Streitgespräch ist die Gefahr, dass es zum Zoff wird, Ermahnung, die danebengeht, zum Kleinkrieg – oder ganz entgleist. Aus Angst davor kann man auf die Auseinandersetzung ganz verzichten, man verzichtet aber dann auf ein wichtiges Stück Miteinander, genau genommen auf die Zukunft.

Ermahne lieber einen verständigen Menschen, er wird dich dafür lieben.“

Ermahnen, rügen, züchtigen, tadeln und bestrafen – streiten sollen wir mit verständigen Menschen. Eine Friede-Freude-Eierkuchen-Kultur würde die Probleme der Welt nicht lösen. Das ist in der Kirche nicht anders, als in der Welt. Verzichtet man auf die offene Auseinandersetzung, findet sie unterschwellig statt, Grabenkrieg im Stillen. Man kann dann nicht vom Frieden reden, wenn stille Grabenkriege toben, ungelöste Konflikte im Raum sind. Es ist nicht der Friede Gottes, wenn keiner sich mehr was zu sagen traut. Auch wenn der andere lächelt, ist es kein Friede, wenn ein ungelöstes Problem im Dunklen schlummert. Friede ist erst dann, wenn auch die stillen Konflikte beseitigt sind, und die lassen sich nur durch Auseinandersetzung überwinden. In jedem Menschen schlummert ein kleiner Giftzwerg. In jedem von uns schlummern stille Erwartungen, die an den anderen gestellt werden. In jedem von uns ist ein Stück Unbelehrbarkeit. Wo das alles im Dunkeln bleibt, bleibt es, wie es ist, selbst da, wo wir gemeinsam einen Zehnerpack Choräle singen, gemeinsam beten, feiern, fasten.

Christliche Gemeinde, Gemeinschaft der Glaubenden, will aber wesentlich mehr sein: echtes Miteinander. Das macht den Streit notwendig, damit er christlicher Streit ist. Echtes Bemühen um den anderen, gerade dann, wenn dieser Vollpfosten nicht in mein Bild passt, das ich ganz im Stillen von ihm habe. Christliche Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie vom gegenseitigen Kümmern und Ermahnen geprägt ist, also christliche Streitkultur hat. Die Ermahnung des Verständigen ist unverzichtbares Gestaltungswerkzeug des Glaubens, nicht aus Besserwisser- oder Besserfühlerei, als vielmehr aus dem Ringen um den wirklich richtigen Weg. Wo die Friede-Freude-Eierkuchen-Kultur mit der richtig christlichen Streitkultur verwechselt wird, entsteht religiöse Fata Morgana, Scheinharmonie, die es nicht wirklich gibt. Zum Frieden in Gottes Sinn kann man nur finden, wo alle Stimmen gehört worden sind, was aber nie bedeuten kann, dass alle immer einer Meinung sind.

Das macht die Sache spannend, aber auch anstrengend. Der Streit mit dem Verständigen hat eine große Kraft. So anstrengend, wie er ist, so große Möglichkeiten liegen drin – anders, als beim Zickenzoff. Wenn es nur darum geht, dem anderen zu beweisen, wer der Bessere ist, geht’s in die Hose. Es geht um das gemeinsame Ziel. Der Streit ist dann ein christlicher Streit, wenn das gemeinsame Ziel dasselbe ist. Deshalb muss vor jeder richtig christliche Auseinandersetzung geklärt sein, ob man um das gleiche Ziel streitet. Wenn nicht, muss man zuerst klären, um welches Ziel man streiten will, sonst entgleist die Auseinandersetzung zum Zickenzoff.

Einfacher ist es, so zu tun, als wäre man einer Meinung. Besser ist es, mal aus der Deckung zu gehen und die Sichtweise des anderen auszuhalten. Es ist nicht damit getan, die eigene Meinung möglichst unfiltriert und laut in die Prärie zu krähen. Viel wichtiger ist, erst mal hinzuhören, was der oder die anderen jeweils zu sagen haben. Wo das gelingt, können ungeahnte neue Wege entstehen, wo es misslingt, herrscht Zickenzoff. Die Kunst ist, auch damit zu leben, dass es mal daneben geht, und es trotzdem wieder zu versuchen. Schlimmer als der Konflikt ist nur der ungelöste Konflikt, der ist unsterblich. Er lebt genau so lange, wie man vermeidet, ihn zu lösen.

3. Das gemeinsame Ziel entscheidet

Weise nie einen Spötter zurecht, ermahne lieber einen verständigen Menschen.

Wenn du deinen Bruder sündigen siehst, weise ihn zurecht, heißt es im Neuen Testament. Der rote Faden, der sich durch die Bibel zieht, ist klar auf Christus ausgerichtet. Wo Christus das Ziel ist, geht es nicht darum, sich gegenseitig niederzumähen, sondern miteinander zu gestalten, miteinander aufzustehen. Gemeinsam zu leben statt aneinander zugrunde zu gehen – so heißt das Ziel des Neuen Testaments. Christus ist das Leben. Dieses gemeinsame Leben kommt nicht über Nacht aus dem Überraschungsei, sondern reift beständig heran, ist beständige Auseinandersetzung mit allem, was eher nach Sterben aussieht. Das eine vom anderen zu unterscheiden, ist die wahre Schwierigkeit – wer unbelehrbar ist und wer nicht.

Ich habe noch nie einen Streit erlebt, bei dem eine Partei der Überzeugung war, den falschen Standpunkt zu vertreten. Es gut zu meinen bedeutet aber noch lange nicht, es richtig zu machen. Wo Christus das Ziel ist, löst sich dieses Problem auch nicht von selbst – im Gegenteil. Wo Christus das Ziel ist, soll das Ziel aber gemeinsam und nicht im Alleingang erreicht werden. Das beinhaltet die anstrengende Aufgabe, sich mit dem anstrengenden anderen auseinanderzusetzen. Gerade da, wo der andere in die falsche Richtung läuft, ist umso mehr Einspruch von uns gefordert. Wo aber unser Einspruch ständig auf taube Ohren stößt, redet die Bibel von Torheit. „Beratungsresistent“ würde man heute sagen. Man kann den anderen ja auch nicht vor sich selber schützen. Wenn Christus das gemeinsame Ziel ist, herrscht das gemeinsame Bewusstsein, sich verändern zu müssen, in Bewegung zu bleiben. Dort ist es wichtig, richtig christlich zu streiten.

Wo das nicht der Fall ist, ist es besser, darauf zu verzichten, weil religiöser Zickenzoff nur Hass erzeugt. In Christus entscheidet sich, was jeweils richtig christlich ist.

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Herr, da bin ich

-Br. Markus- 2. Mose 3, 1-10

„Hallo … ist hier die 110 …. Ja, bei mir brennt’s … Schon, aber nicht richtig …. Ja, eigentlich nicht. Ne – es brennt irgendwie nicht richtig… Ja, er brennt, aber er verbrennt nicht. … Was meinen Sie? … Ja, ich hab auch schon gegoogelt, was für eine Art Feuer das ist, aber irgendwas stimmt hier am Berg nicht, ich hab keinen richtigen Empfang…. Was? …. Ich hab nix geraucht …. Also, hören Sie mal!“

So oder so ähnlich würde es sich heute anhören, wenn der Dornbusch brennt – nicht nur brennt, sondern auch spricht. Entweder ein Fall für die Feuerwehr – oder den Arzt, wie man das eben so macht, wenn einer Stimmen hört und keiner spricht.

Bei Mose ist es anders, ganz anders sogar. Er nimmt ein ganz außerordentliches Ereignis zum Anlass, seinen Lebens- und Karriereplan total zu verändern aufgrund einer einzigen Begegnung, einer Begegnung der anderen Art. Er gründet damit eine Tradition, die noch heute in der christlichen Kirche lebt: die Tradition, sich zur Verfügung zu stellen, die Tradition der Bereitschaft.

1. Wo Gott mich braucht

Mose ist nicht auf dem Selbstfindungstrip im Ayersrock im Ulurukatapark, um zu überlegen, wie er sich am besten selbst verwirklichen könnte. Schon klar, man findet die Arbeit, die man liebt, nicht über Nacht. Es geht ja auch nicht nur um Arbeit. Überhaupt läuft bei Mose einiges anders, als es heute so laufen würde. Er ist keiner von denen, die sich ein Leben lang alle Türen offen halten, um nichts zu verpassen. Schafe hüten am Horeb ist eher ein Aussteiger- als ein Karriereplan. Der Mörder Mose, der den Aufseher erschlagen hat, davor höchstrangiger Offizier in der Streitmacht des Pharao war – jetzt Schafe hütend – eher unter- als überfordert. Es ist nicht seine Idee, vom Führer der Schafe zum Führer des Volkes aufzusteigen. Es ist nicht seine Idee, geboren in der Hitze der Wüste, auf krause Gedanken gekommen, es ist Gottes Plan.
anders, als Mose sich denken kann,
anders als er will,
anders, als er sich gedacht hat.

Berufung durch Gott ist meistens anders, als ich mir das gedacht hab. Lebenspläne werden von mir selbst entwickelt. Gottes Plan wird von Gott gemacht, kommt von außen auf mich zu. Natürlich ist meine innere Stimme mit im Spiel. Es ist aber nicht meine innere Stimme, die mich beruft. Soviel kritische Auseinandersetzung mit mir selber muss sein. Es ist nicht die innere Stimme des Mose, die ihn zum Führer macht, sonst wäre die Welt bald voller Führer – eher dann Verführer – wie immer man das nennen mag. Gott beruft Mose. Das ist der Unterschied. Es ist nicht die Besinnung auf seine Stärken oder Begabungen. Mose sieht sich für den Job als unbegabt. Es ist Gottes Anruf. Es ist nicht das, was sich richtig anfühlt oder viel verspricht, es ist Gottes Wort allein. Wo Gott mich braucht, sagt ER, nicht ich, alles andere wäre Selbstbetrug.

Zum Professor an der Universität wird man von der Universität berufen, nicht aus dem Bauch heraus. Gott beruft mich, nicht ich. Es ist ein Wort, das er zu mir spricht. Ich bin die Antwort, nicht das Wort. Meine Idee ist richtig und wichtig, aber ER ist der erste Impuls, wichtiger als ich. Er kennt mich besser als ich. Er sieht Dinge in mir, die ich nicht sehen kann. Auch wenn ich zu nichts zu gebrauchen bin, hat Gott einen Plan, weil er das wahre Potential in mir sieht, das größer ist, als ich glauben kann. Es ist immer wieder in der Bibel von gewaltigen Karrieren die Rede. Trotzdem ist nicht jeder ein Mose oder David, der vom Hütejunge zum Kanzler wird.

Es ist kein Schema, das Gott anwendet, kein 7-Stufen-Plan, wie jeder schnell zum Führer von irgendwas wird. Berufung ist mehr, ist nicht der göttliche Weg ins Glück mit mir.  Berufungsgeschichten der Bibel sind auch Berufungen zu 40 Jahren Wüstenwanderung mit einem motzenden, unzufriedenen Nörgelhaufen an der Backe, der irgendwie immer blöde Probleme macht. Berufungen der Bibel haben selten den Charakter von Höhenflügen, eher den von beinharten Enttäuschungen. Gottes Weg mit mir führt mich nicht aufs Traumschiff, sondern aufs Kamel in die Wüste – jedenfalls bei Mose. Der Ruf ereignet sich mitten im Alltag, auf der alltäglichen Suche nach besserem Futter für die Schafe, also nicht bei einer Sitzmeditation im Sonnenaufgang, sondern bei schnöder, absolut stinknormaler Arbeit. Beim Schwitzen unter Schafen ist es ganz plötzlich da, das Gotteswort. Es kommt unerwartet, dass Gott spricht. Mose meditiert den brennenden Dornbusch nicht herbei. Gott spricht aus dem Dornbusch in den Alltag. Das macht den Alltag sehr plötzlich zum heiligen Raum der Begegnung. Ganz plötzlich wird die Ziegenwiese zur Kathedrale, zum Ort, an dem Gott vernehmbar wird – ein gigantischer Augenblick, der Moment der Herausforderung mindestens, eher der Überforderung.

Gott weiß, wo ich gebraucht werde. Dort

2. Ist mein Platz

Darum geh nach Ägypten, Mose! Ich sende dich zum Pharao, denn du sollst mein Volk Israel aus Ägypten herausführen!

Zum eigenen Pflegevater gehen, ihm sagen, dass jetzt Schluss ist mit DDR und Verstoß gegen jede gängige Konvention  – und dann abhauen mit zigtausend Mann – es ist kein Traumjob, der auf Mose wartet, lebensgefährlich  und unbequem. Der Exodus, der Weg durch die Wüste, wartet, nicht die Kreuzfahrt an Bord der „MS-Halleluja“.

Wir hatten ja jetzt die Gelegenheit, mit einer schönen Fähre ein paar Kilometer zu fahren. Das fühlt sich schon gut an, wenn dann der Kellner artig fragt „Bevorzugen Sie das Steak eher medium oder well done, Sir?“ Meine Schwestern haben mich noch nie „Sir“ genannt, das wollen wir jetzt aber demnächst einführen.

40 Jahre Wüste sind Gottes Programm für Mose und sein Volk. 40 Jahre Probleme auf dem Weg in ein gelobtes Land, das so verschwommen am Horizont schimmert, wie für Columbus sein Amerika. Kein Wunder, dass Mose nicht gleich total begeistert ist. Der Job, den Gott zu bieten hat, ist eher schwierig. Er überfordert nicht direkt, sieht aber schon wie eine Überforderung aus. Gott verspricht nicht, Mose glücklich zu machen. Er verspricht eine sinnvolle Lebensaufgabe – das ist ein Unterschied. Berufung ist nicht dazu geeignet, eine Glücksgarantie zu geben. Es macht aber glücklich, Erfüllung zu finden, die in jeder gelebten Berufung ist. Trotz allem ist es auch ein schmerzhafter Weg, weil jede gelebte Berufung auf Unebenheiten stößt, auf Dürre und Hitze der Wüste.

Jede religiöse Strömung, die vergisst, dass Israels Weg durch die Wüste geht, geht in die Irre. Es ist der von Gott gewiesene, somit von Gott unterstützte Weg, der Weg, auf dem er sich erweisen wird und kann. Er ist deshalb kein trostloser Weg und auch keine Überforderung, weil Gott speziell in der Wüste für die Wüste fit macht, so, dass man in der Wüste den wüsten Leuten trotzen kann. Das ist das Geheimnis des Exodus, das Gott auf der Strecke seinem Volk offenbaren will, dass es sich lohnt, sich in die Abhängigkeit Gottes zu begeben, obwohl diese Abhängigkeit manchmal wehtut. Gott will Mose für die Wüste. Er macht ihn fit für die Wüste, so, dass er vorausgehen kann.

Mose fehlt alles, was man für so einen Job braucht. Er hat weder den „Master of Sand und Steine“ noch den „Bachelor für Disteln, Dürre und Trockenheit“ – von psychologischer Betreuung störrischer Israeliten ganz zu schweigen.

Alles, was er brauchen wird, liegt in Gottes Hand, der Hand des Rufenden. Es braucht nur

3. Meine Bereitschaft

Herr, da bin ich.

Mose stellt sich dem Ruf, dem rufenden Wort aus dem Dornbusch. Natürlich ist da auch Angst, Neugier. Natürlich sind da auch viele Bedenken vor so einem riskanten Job. Mose ist eben keiner von denen, die mit Begeisterung in glühende Kohlen springen, um den anderen zu zeigen, was für ein toller Hecht er ist. Im weiteren Verlauf des Textes bringt Mose eine Menge Bedenken ein, die jeder ganz normale Mensch hat bei so einem Riesenprojekt. „Herr, da bin ich“ und „Herr, ich kann nicht“ sind von ein- und demselben Mann gesprochen. Mose weiß, dass der Hut zwei Nummern zu groß ist, den er tragen soll. Er ist kein unerschrockener Held des Glaubens, der ohne zu zucken losreitet, unerschrocken, voll felsenfester Gewissheit. Mose sagt nicht: „Heute gehört uns Ägypten, und morgen des ganze Suezkanal.“ Ne, so läuft das nicht. Die Bereitschaft, aufzustehen und loszugehen, ist immer ein Kampf. Seit Mose ist das so, ist heute noch so.

So manch einer, der begeistert losgerannt ist, ist steckengeblieben, als die Begeisterung nachgelassen hat. Im heißen Sand der Sahara stirbt die Begeisterung schneller, als man glaubt. Allein der Glaube kann helfen, die Wüste zu durchqueren. Es ist keine Schande, einzugestehen, dass man dabei nicht immer voll felsenfester Gewissheit ist. Mose ist das nicht. Der Katalog seiner Einwände füllt nahezu zwei weitere Kapitel der Bibel. Er weiß, dass es schief gehen kann. Jeder, der sich auf den Weg der Berufung macht, weiß, dass es nicht einfach ist.

Auch wenn es heute nicht der brennende Dornbusch ist, der zu uns redet, so ist doch das Wort Gottes dieselbe Kraft, dieselbe Herausforderung. Jeder kann sie hören, der sie hören will. Die Stimme der Berufung ist heute noch zu vernehmen – auf andere Art, aber immer noch da, wo ein Mensch wirklich still genug ist, um zu hören  – still im Sinne von aufmerksam für das, was Gott in Christus wirklich zu sagen hat. Es geht nicht um stille Selbstbespiegelung, es geht um stille Erfahrung des rufenden Gottes.

Wer durch keine Tür geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr die Türen eine nach der anderen zu“ erkennt Paul Roth in einem Gedicht.

Es ist ein lebenslanger Prozess, Berufung zu finden, in Erfahrung zu bringen, wo Gott mich braucht, wann, in welchem Augenblick, zu was. Es braucht dann keine Helden mehr, nur einen einzigen, eher schlichten Satz: „Herr, da bin ich.“

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